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Alternative zur Goldenen Route: Von Tōkyo nach Kyōto mit dem Hokuriku-Shinkansen

Diana Casanova
Diana Casanova

In die Hokuriku-Region verirren sich noch vergleichsweise wenig Japan-Touristen. Dabei ist die Region seit dem Ausbau des Hokuriku-Shinkansen im Jahre 2015 nun deutlich zugänglicher. Mit einem Umweg über Kanazawa erreichen Sie Kyōto kinderleicht und lernen gleichzeitig eine neue Seite Japans kennen.

Matsumoto Krähenburg
Die Burg Matsumoto liegt zwischen der japanischen Hauptstadt und Kanazawa. © Photo AC / matsuemon

Viele Reisende, die es zum ersten Mal nach Japan verschlägt, möchten in möglichst kurzer Zeit so viel wie möglich das “typische Japan” erleben – und meinen damit oft die sogenannte “Goldene Route”. Als Goldene Route wird die Strecke zwischen der Hauptstadt Tōkyō und der ehemaligen Kaiserstadt Kyōto bezeichnet und ist besonders unter ausländischen Touristen sehr beliebt, da sie alle großen, berühmten Sehenswürdigkeiten des Landes beinhaltet. 

Der Tōkaidō-Shinkansen verbindet die beiden Großstädte direkt, nur ca. 2 1/2 Stunden dauert die Fahrt. Dementsprechend dürfen Sie – gerade zur Hochsaison während der Kirschblütenzeit oder der Feiertagswoche Golden Week – mit teuren oder ausgebuchten Zügen rechnen. Doch Kyōto erreichen Sie auch auf Umwegen, ohne dabei auf den Komfort des Hochgeschwindigkeitszuges zu verzichten. 

Gen Nordwesten mit dem Hokuriku-Shinkansen

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Tōkyō mit der direkt am Japanischen Meer gelegenen Großstadt Kanazawa im Nordwesten. Betrieben durch die Bahngesellschaften JR East und JR West, ist die Nutzung dieser Shinkansen-Linie durch den beliebten JR Pass abgedeckt. Die Strecke wurde rechtzeitig für die Olympischen Winterspiele in Nagano 1997 eröffnet und 2015 bis Kanazawa verlängert. 2024 soll der Endbahnhof nach Tsuruga in der Präfektur Fukui verlegt werden und die bisher vergleichsweise wenig erschlossene Region besser an das nationale Schienennetz anschließen. Bis 2040 soll der Hokuriku-Shinkansen über die Städte Obama und Kyōto bis nach Ōsaka fahren. 

Hokuriku-Shinkansen.
Der Hokuriku-Shinkansen. © Photo AC / たもぞう

Die Erweiterung der Shinkansen-Linie bis nach Kanazawa führte zu einem starken Passagieranstieg und verhalf der sogenannten Hokuriku-Region, die die Präfekturen Ishikawa, Toyama und Fukui umfasst, zu einem neuen Touristenboom. Gerade ausländische Reisende können nun deutlich schneller und günstiger Zentral- und Nordwestjapan erreichen. Mit dem schnellsten Zug der Hokuriku-Shinkansen-Linie, dem Kagayaki, erreichen Sie Kanazawa von Tōkyō aus in gerade einmal 2 1/2 Stunden. 

Auf Ihrem Weg von Tōkyō nach Kyōto haben Sie mehrere Verkehrsmittel zur Auswahl, etwa das Flugzeug oder der günstige Expressbus. Wer sich eine Fahrt mit dem Shinkansen nicht entgehen lassen möchte, und etwas mehr Zeit für Zwischenstopps und Besichtigungen Zeit hat, sollte sich diese alternative Route über Kanazawa für die Reiseplanung merken!

Erster Stopp: Mega-City Tōkyō

Asakusa, Meiji-Schrein oder Shibuya – die großen Sehenswürdigkeiten Tōkyōs sollte man sich nicht entgehen lassen. Aber warum nicht auch die versteckten Schätze der Mega-City erkunden? Das Retro-Viertel Yanaka, der wunderschöne Nezu-Schrein oder der von Katzen beschützte Gōtokuji-Tempel sind nur einige der vielen Geheimtipps. Auch die grünen Oasen der Präfektur, wie das Naherholungsgebiet Okutama oder der heilige Berg Takao, laden zum Wandern ein!

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Stopp 2: Takasaki, Stadt der Daruma

Nur eine ca. 45-minütige Fahrt mit dem Shinkansen ist Takasaki vom Bahnhof Tōkyō entfernt. Es ist eine historische Stadt, in der einst die Feudalherren der Region residierten, sowie eine einstige Station der wichtigen Nakasendō-Handelsroute, welche Tōkyō und Kyōto miteinander verband. Im Herzen Japans sowie der Präfektur Gunma gelegen, kann man in Takasaki und Umgebung vor allem zwei Dinge bewundern: Daruma-Puppen und heiße Quellen. Der 1697 erbaute Shorinzan Daruma-Tempel liegt ein wenig abgelegen vom Bahnhof Takasaki, doch ein Besuch lohnt sich, denn er gilt als Entstehungsort der traditionellen runden Daruma-Glücksbringer. Auch heute noch werden rund 80 % von ihnen in Takasaki hergestellt. Die wunderschöne Berglandschaft der Präfektur Gunma beherbergt zudem zahlreiche Power Spots und Thermalquellen wie das idyllische Ikaho Onsen.

Takasaki-Daruma-Puppen am Shorinzan Daruma-Tempel.
Takasaki-Daruma-Puppen am Shorinzan Daruma-Tempel. © Photo AC / 野良九郎

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Stopp 3: Außergewöhnliche Natur in Nagano

Wir steigen wieder in den Shinkansen und fahren wenige Stationen weiter nach Nagano: Vom idyllischen, von schneebedeckten Gebirgen umgebenen Kamikōchi-Tal über die historischen Poststraßen in Kiso zu in heißen Quellen badenden Affen – in dieser Präfektur kommen Outdoor-Freunde voll auf ihre Kosten. Mit dem Hokuriku-Shinkansen, aber auch mit anderen lokalen Bahnlinien und Expressbussen erreichen Sie Nagano-Stadt sowie andere berühmte Sehenswürdigkeiten auf direktem Wege. Insbesondere die Stadt Matsumoto gehört zu den Touristenmagneten der Region. Dort steht eine von Japans wichtigsten und markantesten Burgen, die schwarze „Krähenburg“. Auch Lackwaren, Buchweizennudeln und Sake gehören zu den Spezialitäten Naganos. 

Matsumoto Burg
Die Burg Matsumoto, aufgrund ihrer schwarzen Außenwände auch "Krähenburg" genannt. © Photo AC / asa3p

Stopp 4: Kanazawa, Stadt der Samurai

Der Hokuriku-Shinkansen bringt Sie in knapp 2 1/2 Stunden in die Metropole Kanazawa. An der Küste des Japanischen Meeres gelegen, bietet die Stadt ein reiches historisches, kulturelles Erbe, das Kyōto in nichts nachsteht. Eine kleine Zeitreise erleben Sie bei einem gemütlichen Spaziergang durch die schmalen Straßen der Samurai-Viertel Nagamachi und Chaya, wo Sie historische Residenzen und Teehäuser aus der Edo-Zeit besichtigen können. Eine der berühmten Sehenswürdigkeiten ist der Kenrokuen-Landschaftsgarten, in dem japanische Gartenkunst zum Greifen nahe ist. Nicht umsonst zählt er zu den drei schönsten Landschaftsgärten in ganz Japan! Auch der Oyama-Schrein mit seinem ungewöhnlichen Eingangstor (welches von einem niederländischen Architekten entworfen wurde) ist einen Besuch wert. Traditionelles Kunsthandwerk aus Blattgold oder Porzellan aus der Region bilden die perfekten Mitbringsel. 

Tsuzumi-Tor
Das große Tsuzumi-Tor steht direkt am Bahnhof von Kanazawa.

Letzter Stopp: Kaiserstadt Kyōto

In Kanazawa müssen Sie einmal umsteigen, um zur alten Kaiserstadt zu gelangen – entweder in den JR Thunderbird-Expresszug (ca. 2 Stunden) oder in einen Überlandbus (ca. 4 1/2 Stunden). Von 794 bis 1868 war Kyōto der Sitz des Kaisers und verfügt über zahlreiche weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie den goldenen Kinkakuji-Tempel oder die tausenden roten torii des Fushimi Inari-Schreins. Der außergewöhnliche historische Wert der Stadt macht es zu den beliebtesten Reisedestinationen für Touristen auf der ganzen Welt. Angesichts der gewaltigen Touristenmassen sollten Sie auch den weniger überlaufenen Sehenswürdigkeiten, wie das Sake-Viertel Fushimi oder das nahegelegene Uji – bekannt für Matcha-Grüntee und den Byōdōin-Tempel –, etwas Aufmerksamkeit schenken. 

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Dieser Artikel erschien in gekürzter Form in der JAPANDIGEST Oktober 2023-Ausgabe und wurde für die Veröffentlichung auf der Website nachbearbeitet. 

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