Kaum ein Naturereignis wird in Japan so aufmerksam verfolgt wie die Kirschblüte. Sobald die ersten Prognosen erscheinen, beginnt im ganzen Land ein vertrautes Ritual: Wetterkarten werden studiert, mögliche Reisetermine diskutiert und Parks für das jährliche hanami – das Betrachten der Blüten – ausgewählt. Für viele Menschen markiert die sakura den eigentlichen Beginn des Frühlings. Gleichzeitig ist die Blüte erstaunlich vergänglich. Zwischen dem ersten Aufblühen der Knospen (kaika) und der Vollblüte (mankai) liegen meist nur wenige Tage. Ein kräftiger Regenschauer oder starker Wind kann die zarten Blüten ebenso schnell wieder verschwinden lassen. Gerade diese kurze Dauer macht ihren besonderen Reiz aus.
Kirschblüten-Prognose
Wer wissen möchte, wann die Kirschbäume in Japan blühen, orientiert sich meist an den Prognosen der Japan Meteorological Corporation (JMC). Der private Wetterdienst veröffentlicht jedes Frühjahr regelmäßig aktualisierte Vorhersagen zur Kirschblüte. Grundlage dafür sind unter anderem Temperaturdaten aus Herbst und Winter sowie Beobachtungen der Knospenentwicklung an Referenzbäumen in verschiedenen Regionen Japans. Da sich die Wetterbedingungen bis zum Beginn der Saison noch ändern können, werden diese Prognosen im Laufe der Wochen mehrfach angepasst.
Die „Sakura-Front“
Die Kirschblüte erscheint in Japan nicht überall gleichzeitig. Stattdessen wandert sie jedes Jahr langsam von Süden nach Norden durch den Archipel. Dieses Fortschreiten wird als sakura zensen bezeichnet – die „Kirschblütenfront“. In den wärmeren Regionen im Süden beginnen die ersten Bäume meist schon im März zu blühen, während Nordjapan und Hokkaidō erst Wochen später folgen. Insgesamt zieht sich die Saison über rund zwei Monate durch das Land.

Kirschblüten-Prognose 2026
Aktuelle Vorhersagen (Stand 05. März) gehen davon aus, dass die Kirschblüte 2026 in vielen Regionen etwas früher als im langjährigen Durchschnitt einsetzen wird. In Nagoya wird der Blühbeginn derzeit für 17. März erwartet, dicht gefolgt von Kōchi am 18. März sowie Tōkyō und Fukuoka um den 19. März. Damit würde die Saison in mehreren großen Städten rund drei bis sieben Tage früher beginnen als üblich.
In der Kansai-Region könnten sich die ersten Blüten in Kyōto am 23. März und in Ōsaka am 24. März öffnen. Die Vollblüte wird dort aktuell um den 1. April erwartet. Auch Hiroshima dürfte bereits um den 20. März erste Blüten zeigen.
Weiter nördlich verschiebt sich die Saison entsprechend nach hinten. In Kanazawa wird der Blühbeginn derzeit für 1. April prognostiziert, während Nagano und Sendai Anfang April folgen könnten.
In Nordjapan beginnt die Kirschblüte traditionell deutlich später. Für Aomori rechnen Meteorologen derzeit mit einem Blühbeginn um den 18. April, während Sapporo auf Hokkaidō etwa ab 25. April erste Blüten sehen könnte. Dort wird die Vollblüte Ende April erwartet.
Frühblüher: Kirschblüten schon im Winter
Während die berühmte sakura-Saison erst im März beginnt, blühen einige Kirschsorten deutlich früher. Besonders bekannt sind die Kawazu-Kirschen (kawazu-zakura), deren kräftig rosa Blüten bereits im Februar erscheinen. Der bekannteste Ort dafür ist die Stadt Kawazu auf der Izu-Halbinsel südlich von Tōkyō. Entlang des Kawazu-Flusses säumen mehrere tausend Bäume die Ufer, und jedes Jahr zieht das Kawazu Sakura Festival zahlreiche Besucher an. Da diese Sorte früher blüht als die verbreitete Somei-Yoshino-Kirsche, gilt sie für viele Reisende als erste Gelegenheit, den Frühling in Japan zu erleben.
Noch früher beginnt die Kirschblüte auf Okinawa. In der südlichsten Präfektur Japans öffnen sich die ersten Blüten meist schon im Januar, häufig in Bergregionen wie rund um die Burg Nakijin auf der Hauptinsel Okinawa. Die dort verbreitete kanhi-zakura unterscheidet sich auch optisch von anderen Sorten: Ihre Blüten sind dunkler rosa und hängen glockenförmig nach unten. Diese frühen Blüten markieren gewissermaßen den Auftakt der Saison, bevor sich die eigentliche „Sakura-Front“ im März langsam über den japanischen Archipel ausbreitet.
Japans Hanami-Hotspots
Sobald die Kirschblüte beginnt, zieht es in ganz Japan zahlreiche Menschen nach draußen. Parks, Flussufer und Tempelanlagen verwandeln sich für einige Tage in beliebte Treffpunkte für hanami. Viele Orte sind dabei besonders bekannt für ihre spektakulären Kirschblütenlandschaften. Eigentlich hat jede Stadt oder Region mindestens einen berühmten Hotspot, der sich besonders gut für die Kirschblütenschau eignet. Welche Orte zu den schönsten zählen, erfahren Sie in unseren Artikeln über Japans Hanami-Hotspots:

















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