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26. Nippon Connection Filmfestival: Shades of Reality – Between Truth and Fiction

JAPANDIGEST
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Vom 2. bis 7. Juni 2026 verwandelt das Nippon Connection Filmfestival Frankfurt am Main erneut in einen Treffpunkt für japanisches Kino und Kultur. Mit über 130 Kurz- und Langfilmen, zahlreichen Premieren, prominenten Gästen aus Japan und einem vielseitigen Rahmenprogramm.

Nach einem erfolgreichen Kinojahr für Japan und großer internationaler Aufmerksamkeit auf Festivals wie den Filmfestspielen von Cannes präsentiert Nippon Connection die gesamte Bandbreite aktueller japanischer Produktionen – von Arthouse-Kino über Anime bis zu Horror, Dokumentarfilm und experimentellen Formaten. Festivalzentren sind erneut das Künstler*innenhaus Mousonturm und das Produktionshaus NAXOS. Dort erwartet BesucherInnen neben Filmvorführungen auch ein japanischer Markt mit kulinarischen Spezialitäten, Kunsthandwerk und kulturellen Veranstaltungen.

© Jumpei Tainaka

Zwischen Wahrheit und Wirklichkeit

Der diesjährige Themenschwerpunkt „Shades of Reality – Between Truth and Fiction“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Wirklichkeit im Film konstruiert, inszeniert oder verfremdet wird. Zwischen Erinnerung, Traum und gesellschaftlicher Realität bewegen sich viele der diesjährigen Festivalfilme und eröffnen neue Perspektiven auf das moderne Japan. So erzählt Ayuko Tsukaharas Sci-Fi-Liebesdrama FIRST KISS von einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes plötzlich in die Vergangenheit zurückkehrt und ihre gemeinsame Geschichte neu erleben kann. Einen anderen Blick auf Beziehungen wirft Chihiro Amanos Sato and Sato, das dort beginnt, wo viele Liebesfilme enden: im Alltag eines verheirateten Paares. Während die Ehefrau als Anwältin Karriere macht, übernimmt ihr Mann die Rolle des Hausmanns. Eine Umkehr traditioneller Geschlechterbilder, die ihre Beziehung zunehmend belastet.

© “A Moon in the Ordinary” Film Partners

Auch A Moon in the Ordinary von Doi Nobuhiro beschäftigt sich mit einer zweiten Chance im Leben. Ein geschiedener Mann begegnet seiner Jugendliebe wieder, doch die neu entstehende Nähe wird durch eine unerwartete Nachricht erschüttert. Fantasievoll und musikalisch präsentiert sich hingegen der Anime The Obsessed von Takahashi Wataru, in dem ein junger Mann durch seine Liebe zu einer Ballonverkäuferin beginnt, die Welt um sich herum neu wahrzunehmen.

© “The Obsessed” Film Partners

Zwischen Horror, Thriller und Genrekino

Wie vielseitig das japanische Genrekino derzeit ist, zeigt Nippon Connection auch 2026 mit einer Reihe ungewöhnlicher Produktionen. In Akira Nagais Thriller SUZUKI=BAKUDAN behauptet ein wegen Vandalismus verhafteter Arbeitsloser, über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen. Kurz darauf erschüttert eine Serie mysteriöser Explosionen Tōkyō – und ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

© “SUZUKI=BAKUDAN” Film Partners

Die international bekannte Comedienne Yuriyan Retriever dekonstruiert in ihrem Regiedebüt MAG MAG mit groteskem Humor die Konventionen des japanischen Horrorfilms und schafft zugleich eine Hommage an klassische J-Horror-Werke. Absurdes Kino bietet außerdem Taroman Expo Explosion von Fujii Ryō, in dem die legendäre „Turm der Sonne“-Skulptur der Expo 1970 als gigantischer Held gegen bizarre Monster kämpft.

© “MAG MAG” Film Partners

Nachwuchstalente und internationale Premieren

Seit seiner Gründung versteht sich das Festival als Plattform für junge Filmschaffende. Auch in diesem Jahr stehen zahlreiche Debütfilme im Fokus. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt bereits AnyMart von Iwasaki Yūsuke, der bei der Berlinale 2026 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde. In der trockenen Satire gerät der monotone Alltag eines Supermarktmitarbeiters durch rätselhafte Todesfälle zunehmend außer Kontrolle.

© “AnyMart” Film Partners

Im „Tokyo University of the Arts Special“ präsentiert Nippon Connection zudem neue Arbeiten von Studierenden der renommierten Kunstuniversität Geidai – darunter die Weltpremiere von The Stranger sowie die internationale Premiere von Ando.

Ehrengast Anna Yamada

Mit dem Nippon Rising Star Award wird in diesem Jahr die Schauspielerin Anna Yamada ausgezeichnet. Der von Kyocera Document Solutions Deutschland präsentierte Preis würdigt aufstrebende Talente der japanischen Filmwelt.

© Nippon Connection

Zu den weiteren prominenten Gästen zählen Regisseur Ishikawa Kei (A Pale View of Hills), dessen Werke bereits in Cannes und Venedig gezeigt wurden, sowie Okuyama Yoshiyuki, der seine Realverfilmung des Anime-Klassikers 5 Centimeters per Second in Frankfurt vorstellt. Ebenfalls erwartet werden die Schauspielerin Ami Chong, Independent-Regisseurin Hamano Sachi und Anime-Regisseur Kinoshita Baku, der sein Langfilmdebüt The Last Blossom erstmals in Deutschland präsentiert.

Retrospektive: Nakadai Tatsuya

Die diesjährige Retrospektive widmet sich dem Schauspieler Tatsuya Nakadai, der im vergangenen Jahr im Alter von 92 Jahren verstorben ist. In Kooperation mit der Japan Foundation werden neun Filme auf analogen Kopien gezeigt, die die enorme Wandlungsfähigkeit des Schauspielers verdeutlichen. Dazu gehören Masaki Kobayashis Black River, in dem Nakadai 1957 seine erste große Rolle spielte, ebenso wie Harakiri und Akira Kurosawas monumentales Historienepos Ran, die ihn international berühmt machten. Die Filme laufen im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum.

© “Harakiri” Film Partners

Weibliche und queere Perspektiven

Auch 2026 setzt das Festival einen Schwerpunkt auf Perspektiven, die im japanischen Kino weiterhin unterrepräsentiert sind. Regisseurinnen wie Mipo O, Hamano Sachi oder Hasegawa Yokna präsentieren Werke über gesellschaftliche Verantwortung, politische Widerstände und Zukunftsvisionen. In How Dare You? nähert sich Mipo O mit Humor und scharfem Blick der Klimakrise aus der Perspektive von Kindern. Hamano Sachis Historienfilm Kaneko Fumiko erzählt von einer jungen Frau, die sich im Japan der 1920er-Jahre gegen politische Unterdrückung auflehnt.

Auch queere Geschichten spielen beim Festival erneut eine wichtige Rolle. In Blue Boy Trial von Iizuka Kashō sagen drei Transgender-Frauen im Tōkyō der 1960er-Jahre vor Gericht aus und lösen damit eine landesweite Debatte über Geschlecht und gesellschaftliche Normen aus. TIGER von Chauhan Anshul begleitet einen schwulen Sexarbeiter durch das nächtliche Tōkyō und erzählt von familiären Konflikten, Einsamkeit und Identität.

© “Blue Boy Trial” Film Partners

Japan erleben

Mit mehr als 80 Veranstaltungen bietet das Rahmenprogramm erneut zahlreiche Möglichkeiten, japanische Kultur auch abseits des Kinos kennenzulernen. BesucherInnen können traditionelle Handwerkstechniken wie Papierherstellung, Stofffärbung oder Keramikreparatur ausprobieren, japanische Küche in Kochkursen entdecken oder Vorträge besuchen. Musikalisch reicht das Programm von Hip-Hop bis Filmmusik: Das Kollektiv U-zhaan x Tamaki ROY x Chinza DOPENESS verbindet indische Tabla-Rhythmen mit japanischem Rap, während Tenor Torio Takumi japanische Filmsoundtracks neu interpretiert. Der international bekannte Rakugo-Künstler Katsura Sunshine bringt traditionelle japanische Erzählkunst auf die Bühne, während das Duo TAROeMAKI die Welt der Samurai mit dynamischen Schwerttanz-Performances wiederaufleben lässt.

Über das Festival

Das Japanische Filmfestival Nippon Connection wird vom rund 100-köpfigen, größtenteils ehrenamtlichen Team des gemeinnützigen Vereins Nippon Connection e.V. organisiert. Es steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Staatsministers für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt am Main, Mike Josef, und des Generalkonsulats von Japan in Frankfurt am Main. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat sich das Festival zur größten Plattform für japanischen Film weltweit und zum publikumsstärksten Filmfestival in Hessen entwickelt, mit rund 20.000 BesucherInnen im Jahr 2025. Auf der Online-Plattform betterplace.org läuft eine Kampagne zur Unterstützung des Festivals.


Veranstaltungszeitraum: 02. Juni – 07. Juni 2026

Weitere Informationen zur Veranstaltung und Tickets erhalten Sie auf der Website oder über die Social Media-Kanäle des Festivals (Instagram, FacebookX, Threads, YouTube). Bitte beachten Sie, dass sich Programm und Angebote kurzfristig ändern können.

Veranstaltungsorte: Künstler*innenhaus Mousonturm, Produktionshaus NAXOS, Eldorado Arthouse Kino, Cinéma Arthouse Kino, Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Mal Seh’n Kino, Pupille – Kino in der Uni, Internationales Theater Frankfurt, Theater Die Käs, Saalbau Bornheim, Dr. Arthur Pfungst-Stiftung, NAXOS 2. OG und SCHAUT! Ausstellungsraum.

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