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Izakaya – Richtig feiern in der japanischen Kneipe

Diana Casanova
Diana Casanova

Izakaya sind japanische Kneipen, die für ihre große Auswahl an alkoholischen Getränken und landestypischen Snacks berühmt sind. Nicht umsonst sind sie der Ort Nr. 1 für gesellige Partys mit Freunden und Kollegen! Wir erklären Ihnen, worauf Sie (vor allem im geschäftlichen Kontext) achten müssen.

Izakaya
© Photo AC / 矮星

Im Izakaya kommen Menschen zusammen – sei es für die Abschiedsparty, Geburtstagsfeier oder das gemütliche Beisammensein mit Kollegen nach Feierabend. Sie werden gerne als “japanische Kneipen” bezeichnet, aber man kann dort sehr viel mehr als nur Alkohol trinken. Neben dem obligatorischen Bier (nama biiru) und Softdrinks gibt in der Regel eine große Auswahl an Cocktails, Wein und Spirituosen. Der traditionelle Sake oder der fruchtige Pflaumenwein umeshu dürfen dabei auch nicht fehlen. 

Darüber hinaus bestechen Izakaya vor allem mit ihrem Angebot an Speisen. Das Menü reicht je nach Restaurant von klassischen japanischen Snacks wie Karaage, Yakitori und Eingelegtes bis Pommes und Pizza sowie andere kleine Gerichte (otsumami), die gut zum Alkohol passen. Oftmals gibt es aber auch ausgefallenere Gerichte wie Nabe-Eintöpfe, Sushi und Sashimi, Okonomiyaki oder sogar Wagyu-Rindfleisch. Erfahren Sie im folgenden Artikel mehr über Izakaya im Allgemeinen:

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Doch auch im Izakaya gibt es eine gewisse Etikette zu beachten, denn sie unterscheiden sich durchaus von normalen Restaurants, nicht nur was die Speisekarte angeht. Wenn Sie die folgenden Punkte beachten, steht Ihnen einem spaßigen Izakaya-Besuch – welcher wirklich auf jeder To-Do-Liste der Japanreise stehen sollte – nichts im Wege!

1. Das Eintreten

Beginnen wir von vorne: In vielen Izakaya, besonders jene im traditionellen Stil gehaltenen, muss man am Eingang die Schuhe ausziehen. Dafür stehen in der Regel eigens Schließfächer und Pantoffeln bereit, oder aber das Personal kümmert sich um Ihr Schuhwerk. Anschließend werden Sie zum Tisch geführt (je nach Wochentag ist eine Reservierung zu empfehlen). Viele Izakaya verfügen über normale Tische und Stühle, andere über die typisch niedrigen Tische mit Tatami-Boden und Sitzkissen. Hierbei müssen Sie im Übrigen nicht auf den Knien sitzen (seiza), da diese Sitzhaltung auf Dauer sehr unbequem werden kann. Im Izakaya ist es sogar erwünscht, eine lockere und bequeme Haltung einzunehmen.

Die Tische sind voneinander abgeschirmt, entweder durch einfache Gardinen oder dünne Trennwände. Oftmals speist man sogar in einem eigenen Raum für mehr Privatsphäre. Wenn Sie mit japanischen Vorgesetzten unterwegs sind, nehmen diese oft einen besonderen Sitzplatz (kamiza) ein. Allerdings gibt es keinen festgelegten Ort dafür – in der Regel befindet sich dieser “ehrenvolle Platz” am weitesten vom Eingang entfernt. Achten Sie also darauf, wo Sie sich hinsetzen!

izakaya washitsu
Ein vom Hauptraum getrenntes Zimmer in einem traditionellen Izakaya.

2. Das Bestellen

Wenn Sie Ihre Plätze eingenommen haben, werden Ihnen zuerst ein warmes Handtuch (oshibori) sowie eine kleine Vorspeise (otōshi) gereicht, z.B. ein kleiner Salat, Eingelegtes oder kalter Tōfu. Oft wird dies ungefragt serviert und ist dennoch nicht kostenfrei – in der Regel kosten otōshi zwischen 300 und 500 Yen pro Person. Betrachten Sie dies als eine Art Servicepauschale anstelle des Trinkgeldes, welches in Japan unüblich ist. In manchen Izakaya kann man jedoch mitteilen, ob man diese Vorspeise wünscht oder nicht.

In modernen Izakaya werden mittlerweile über Tablets am Tisch Getränke und Speisen bestellt. Bevor es jedoch an die Speisen geht, besteht die erste Runde meist aus Getränken (mit einem klassischen Bier können Sie zum Beispiel nichts falsch machen). Nach dem gemeinsamen Anstoßen wird gegessen: Alle Gerichte werden zum Teilen in die Mitte gestellt, daher wäre es unhöflich, ein Gericht für sich allein zu beanspruchen. Achtung: Viele Izakaya setzen den Gästen ein Zeitlimit für den Besuch (in der Regel 2-3 Stunden)! Beachten Sie außerdem die „Last Order“, ab der keine Bestellungen mehr angenommen werden, meist 30-60 Minuten vor Ende des Zeitlimits oder Ladenschluss. 

Die Speisekarten sind in der Regel auf Japanisch und gerade in kleinen oder traditionellen Izakaya werden Sie möglicherweise Probleme bekommen, wenn Sie über wenig Japanischkenntnisse verfügen – Bilder der Speisen sind nämlich nicht immer dabei. In den Großstädten gibt es jedoch immer öfter auch englischsprachige Menüs. 

Izakaya
Im Izakaya kommen alle Gerichte in die Mitte zum gemeinsamen Teilen und Essen. © Photo AC / himawariin

3. Das Trinken

Kommen wir zum wichtigsten Teil: Die gesellige Trinkparty (nomikai) ist der Grund, warum man überhaupt in ein Izakaya geht. Unter Freunden oder Familie geht alles in der Regel zwanglos und locker zu, im geschäftlichen Kontext gibt es aber die ein oder andere Gepflogenheit zu beachten. Sind Sie mit japanischen Kollegen oder Vorgesetzten unterwegs, stoßen Sie eventuell auf das sogenannte oshaku, das tief in der japanischen Trinkkultur verwurzelt ist. 

Dabei schenkt man sich gegenseitig Getränke – meistens Bier oder Sake – ein. Das dient nicht nur als sozialer Eisbrecher, sondern auch als Zeichen des gegenseitigen Respekts. Der Ursprung liegt im Shintoismus, in dem das Einschenken von Sake ein wichtiges Ritual, beispielsweise bei Hochzeiten, darstellt. In der Regel sind es die Höhergestellten, die die “Empfänger” des Alkohols sind, doch meistens geht es reihum. Daher ist es wichtig, dass Sie sich jedes Mal bedanken, wenn Ihnen eingeschenkt wird und sich stets revanchieren. Wenn Ihr Glas also leer sein sollte, schütten Sie jemand anderem einfach etwas nach und es wird nicht lange leer bleiben!

Halten Sie Ihr Glas stets mit beiden Händen und lassen Sie es nicht einfach auf dem Tisch stehen, wenn Ihnen eingeschenkt wird, das gilt als unhöflich. Allerdings müssen Sie sich nicht gezwungen fühlen, den Alkohol jedes Mal anzunehmen. Sie können höflich ablehnen oder einfach das Glas voll lassen, wenn Sie genug haben. 

oshaku
Das gegenseitige Einschenken ist ein wichtiger Teil der japanischen Trinkkultur.

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4. Das Bezahlen

Am Ende des gemütlichen Abends wird die Rechnung – wie in den meisten Restaurants in Japan – nicht am Tisch, sondern an einer Kasse am Eingang bezahlt. Wer wieviel zahlt, hängt stark von der Situation ab: Izakaya bieten die Option, die Summe gleichmäßig für alle aufzuteilen (warikan). Manchmal zahlen die Vorgesetzten auch etwas mehr oder gleich alles. Greifen Sie in jedem Fall zur Brieftasche: Zu erwarten, dass Sie ohne vorherige Absprache eingeladen werden, wäre nicht nur in Japan ein großer Fauxpas.

Tipps zum Izakaya-Besuch:

  • Vergleichen Sie Preise vor dem Izakaya-Besuch, viele Einrichtungen verfügen nämlich über All-You-Can-Drink/Eat-Angebote, bei denen Sie für einen festen Preis soviel essen oder trinken können, wie Sie möchten (jedoch meist aus einem festgelegten Menü). Dabei können Sie viel Geld sparen! 
  • Stapeln Sie wenn möglich kein leeres Geschirr aufeinander. Das macht es für das Personal aufwendiger, das Geschirr zu transportieren und abzuwaschen. 
  • Einige Izakaya akzeptieren keine (ausländischen) Kreditkarten. Haben Sie für den Notfall also stets genug Bargeld bei sich
  • Trinkgeld ist in Japan nicht üblich, daher müssen Sie sich darum keine Gedanken machen. Im schlimmsten Falle rennt Ihnen das Personal sogar hinterher, um Ihnen das Wechselgeld zurückzugeben!
  • Wenn Sie im Izakaya die Schuhe ausziehen müssen, stehen vor den Toiletten spezielle Pantoffeln bereit, die Sie für das kleine oder große Geschäft anziehen können. Vergessen Sie auf keinen Fall, diese im Anschluss wieder auszuziehen! 
  • Es gibt zahlreiche Izakaya-Ketten in Japan: Watami, Torikizoku, Hana-no-Mai, Sekai no Yamachan oder Kin no Kura Jr. gehören zu den bekannten und kostengünstigeren Restaurants.

Dieser Artikel erschien in gekürzter Form in der Juli-Ausgabe des JAPANDIGEST 2021. Er wurde für die Veröffentlichung auf der Website nachbearbeitet.

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