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Beeindrucken Sie japanische Geschäftspartner:innen: Begrüßung [Teil 1]

Samira Rafiq
Samira Rafiq

Wenn Sie an die japanische Arbeitskultur denken, fällt Ihnen womöglich als Erstes der Austausch der Visitenkarten ein. Zu einem guten Eindruck im Business-Bereich zählen allerdings noch andere Dinge. In Business-Workshops wird das Konzept des guten Eindrucks gelehrt. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dessen erstem Pfeiler – der Begrüßung.

Händeschütteln

Wenn Sie an die japanische Arbeitskultur denken, fällt Ihnen womöglich als Erstes der Austausch der Visitenkarten ein, der strengen Regeln folgt. Man übergibt die eigene Visitenkarte mit beiden Händen und nimmt die Visitenkarte des Gegenübers mit beiden Händen entgegen. Dann bestaunt man sie eine Weile, bevor man sie vor sich auf dem Meeting-Tisch platziert, ohne sie im Portemonnaie oder gar in der Hosentasche zu verstauen.

Zu einem guten Eindruck im Business-Bereich zählen allerdings noch andere Dinge als ein gelungener Visitenkartenaustausch. In japanischen Business-Workshops, von denen man als frische:r Universitätsabsolvent:in auf jeden Fall den ein oder anderen besucht haben sollte, wird das Konzept des guten Eindrucks gelehrt. Es besteht aus fünf Pfeilern, die man unbedingt beachten sollte: die Begrüßung (aisatsu), ein gepflegtes Äußeres (midashinami), der Ausdruck (hyōjō), das Verhalten (taidō) sowie der Sprachgebrauch (kotoba-zukai). Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem ersten Pfeiler – der Begrüßung.

Visitenkartenaustausch
© Photo AC / FineGraphics

Pfeiler 1: Die Begrüßung (aisatsu)

Verbeugung oder Händedruck? Es kommt darauf an!

Wenn Sie sich schon einmal mit der japanischen Kultur befasst haben, wissen Sie, dass sich Japaner:innen zur Begrüßung verbeugen, anstatt sich die Hand zu geben. Ihren Ursprung hat die Verbeugung vor über 1.200 Jahren in der Asuka- oder Nara-Zeit und soll sich zusammen mit dem Buddhismus im Land verbreitet haben. Bei der Verbeugung entblößt man dem Gegenüber seinen Nacken, um auszudrücken, dass man keine feindlichen Absichten hat. Man begibt sich in eine Position, in der es dem Gegenüber ein Leichtes wäre, den eigenen Kopf abzuschlagen. Die Verbeugung war also ursprünglich eine Geste des gegenseitigen Vertrauens. Heutzutage kann man sie grob in drei Stufen der Höflichkeit unterteilen.

Tipps zur richtigen Verbeugung finden Sie hier:

Verbeugung in JapanJapan: Das Land der VerbeugungenDen guten, festen Händedruck lassen Sie in Japan am besten in der Hosentasche stecken und verbeugen sich stattdessen! 08.09.2016

Natürlich ist auch in Japan bekannt, dass bei uns der Händedruck die übliche Begrüßung darstellt. Am besten ahmen Sie Ihr Gegenüber bei der Begrüßung nach. Werden Sie mit einer Verbeugung begrüßt, verbeugen Sie sich ebenfalls. Wird Ihnen allerdings die Hand gereicht, schütteln Sie Ihrem Gegenüber die Hand. Nur bitte nicht zu fest, denn das könnte wiederum als ungewohnt empfunden werden.

Grundlegendes Vokabular: „Es ist das erste Mal“ oder „Ich falle Ihnen immer zur Last“?

Treffen Sie jemanden zum ersten Mal, können Sie mit den folgenden Floskeln beeindrucken:

Hajimemashite.Es freut mich, Sie kennenzulernen.
(Wörtlich: Es ist das erste Mal.)
[Name] to mōshimasu.Ich heiße [Name].
Yoroshiku onegai itashimasu.Auf gute Beziehungen.

Hatten Sie bereits Kontakt mit Ihrem Gast oder Ihren Geschäftspartner:innen, auch wenn es nur per E-Mail war, eignet sich Hajimemashite nicht als Begrüßung. Stattdessen wählen Sie lieber die folgende Formulierung.

Itsumo osewa ni natte orimasu.Vielen Dank für die anhaltend gute Zusammenarbeit. (Wörtlich: Ich falle Ihnen immer zur Last.)
Yoroshiku onegai itashimasu.Auf gute Beziehungen.

Aufmerksamkeit entgegenbringende Grüße

 Smalltalk wird auch in Japan großgeschrieben. Gespräche über das Wetter, Genesungswünsche oder Dank für vergangene Hilfe machen sich immer gut. Am besten ist es, die persönliche Ebene zu vermeiden und nicht gleich mit Fragen über die Familie oder Hobbys einzusteigen.

Die japanische Arbeitskultur hat viele Facetten. Von diesen erscheinen uns einige natürlich, während uns andere sehr „japanisch“ vorkommen. Auch wenn es nicht nötig ist, jede einzelne Geste zu kopieren, hilft es sicherlich die wichtigsten Regeln zu kennen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.

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