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Whisky, Gin, Cocktails & Co. – auf japanische Art

Matthias Reich
Matthias Reich

Im Ausland kennt man in erster Linie den Sake – wobei der in Japan anders heißt, denn “Sake” umfasst im Prinzip alle Arten von Alkohol. Doch auch weitere Spirituosen werden in Japan hoch geschätzt und weltweit anerkannte Whisky- und Gin-Marken sowie innovative Cocktail-Kreationen stammen von dort.

Japanischer Whisky
© iStock / Mattias Westphal

Eine Frau und ein Mann treffen sich in einer Bar. Der Mann fragt, was sie gerade trinkt. Sie deutet auf eine Dose Gin Soda – und er fragt, ob das Getränk gerade im Trend sei. Geheimnisvoll zögert sie die Antwort hinaus, dann erwidert sie: “Noch nicht”. Was Suntory seit mehreren Monaten massiv im Fernsehen bewirbt, ist ein neues Gin-Soda-Getränk, und das ist in der Tat in Japan relativ unbekannt. Doch die Werbekampagne zeigt sehr gut, wie der Hase läuft in der japanischen Getränkeindustrie.

Whisky: Von billig bis luxuriös

Beispiel Whisky: Diesen gibt es schon sehr lange in Japan, sowohl importierten als auch heimisch Gebrannten. In Super- und Getränkemärkten fallen die gigantischen Flaschen mit Black Nikka und Co. auf – ein extrem billiger Whisky in der handlichen 1,8-Liter-Plastikflasche für umgerechnet rund 12 Euro. Whisky war lange Zeit billige Massenware, ein schlichter Brandwein, der den Namen “Chateau de la Migraine” verdient. Das ist im Prinzip jedoch egal, denn der Großteil der Konsumenten verdünnt diesen Verschnitt ohnehin bis zur Unkenntlichkeit, entweder mit Mineralwasser (“High Ball”), kaltem Wasser (“mizuwari”) oder gar mit heißem Wasser (“oyuwari”).

Doch Japan wäre nicht Japan, wenn nicht ein paar Leute beschließen würden, die Kunst der Whiskybrennerei vollständig zu verinnerlichen und zu perfektionieren. Die Mühen wurden spätestens 2014 belohnt, als der “Yamazaki Single Malt Sherry Casket 2013” als “Bester Whisky des Jahres” (weltweit, wohlgemerkt) geadelt wurde. Eine Flasche dieses guten Tropfens kostet sage und schreibe rund 8.000 Euro in Japan. Yamazaki zählt dabei zu den größten Whiskybrennereien des Landes, doch es gibt auch sehr viele neue, kleine Brennereien und damit für Whiskyfans viel zu entdecken.

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suntory Whisky
Verschiedene japanische Whiskysorten, vor allem der Marke Suntory.

Gin: Bunte Vielfalt der Moderne

Seit Jahren ist auch Gin schwer im Kommen. Beschränkte sich die Auswahl im gut sortierten Fachhandel bisher nur auf Bombay Sapphire, Tanqueray und vielleicht noch Gordon’s, so tauchten plötzlich unzählige Craft Gin- und andere Manufakturen auf, die sich gegenseitig an Rezeptvielfalt (und verrücktem Design, versteht sich) zu übertrumpfen versuchen. Eigentlich gibt es Gin in Japan bereits seit 1812, dann wurde der erste Gin dort gebraut, und auch in den kommenden Jahren produzierte Getränkegigant Suntory einige Gin-Produkte. Doch das Getränk führte lange Zeit ein Nischendasein und war maximal in besseren Bars zu finden. Erst seit den 2000ern schwappte die Craft Gin-Welle nach Japan über und ließ die Zahl der Marken (und sicherlich auch der Kenner) explodieren. Ganz verwunderlich ist das nicht, denn hierzulande liebt man das Experimentieren mit verschiedenen Kräuterchen und Pflänzchen, auf der Suche nach dem einzigartigen Geschmack.

Cocktails: Auf japanische Art

Whisky und Gin verbreiten sich natürlich schnell durch Bars – in Japan gibt es unzählige Cocktailbars mit gediegener Atmosphäre und einer großen Auswahl an Getränken. Die Barkeeper haben ihr Handwerk nicht selten für viele Jahre im Ausland gelernt. Auch hier kann sich Japan mit einem Titel schmücken: Gokan Shingo, DER japanische Bartender schlechthin, heimste gleich mehrere Weltmeistertitel ein. Die japanischen Cocktailmixer kennen den Cocktail Codex natürlich in- und auswendig, sie leben meistens den Beruf des Barkeepers. Selbst in kleineren Städten kann man da zufällig auf echte Meister treffen. Natürlich beginnen viele auch schnell, mit typisch japanischen Zutaten zu experimentieren, etwa mit Matcha, Yuzu, Shiso, Awamori aus Okinawa und vielen mehr.

Auch in Deutschland zu genießen

Zum Glück müssen Freunde eines guten Tropfens mit japanischem Touch nicht auf die nächste Japanreise warten. Gut sortierte Whiskyläden bieten auch japanische Marken an – und in Düsseldorf gibt es seit dem vergangenen Jahr eine vorzügliche japanische Bar, in der Nagasawa Yūto, ein ebenfalls preisgekrönter Barkeeper, sich nach einem Umweg über New York niedergelassen hat. Aber Vorsicht: Das “Hideaway” liegt nicht nur gut in einer ruhigen Seitenstraße versteckt, sondern ist auch sehr gut besucht. Einen Versuch ist es trotzdem wert – in edlem Ambiente kann man hier Klassiker, Mocktails, Dessert-Cocktails und mehr mit und ohne japanischen Touch probieren.

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