Wie Japaner im Meer baden

Elisa Röhr
Elisa Röhr

Im heißen japanischen Sommer verschafft ein kühlendes Bad im Meer Abhilfe. Warum die Strände in Japan dennoch oft bis Mitte Juli menschenleer bleiben, erfahren Sie hier.

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Spaß im Sommer bedeutet schwimmen gehen im Meer – auch in Japan?
Spaß im Sommer bedeutet schwimmen gehen im Meer – auch in Japan? © まぽ / photoAC

Japan ist ein Inselstaat mit einer langen Küstenlinie, wo viele wunderschöne Strände zu finden sind. Zu den beliebtesten Meereszugängen gehören der Nishihama Strand auf der Hateruma Insel, der Shirahama Strand in der Wakayama Präfektur und der Odaiba Strand in Tōkyō. Die warme Jahreszeit erreicht zuerst Okinawa im Süden und weitet sich dann nach Norden aus. Das Wasser wird zu Anfang April warm genug zum Schwimmen, doch bis Mitte Juli ist das Meer fast überall nahezu menschenleer!

Menschenleere Strände sind in Japan auch noch Anfang Juli zu finden, hier am Momochi Strand in Fukuoka. © Elisa Röhr
Menschenleere Strände sind in Japan auch noch Anfang Juli zu finden, hier am Momochi Strand in Fukuoka. © Elisa Röhr

Zeremonielle Eröffnung Badesaison

Der offizielle Beginn der Schwimmsaison in Japan findet zumeist erst Mitte Juli statt. Ausnahmen sind einige Strände auf Okinawa und rund um Tōkyō. Während der Umi-Biraki-Zeremonie wird das Meer gesegnet und zum Schwimmen freigegeben. In dieser Zeremonie reinigt der Priester das Meer und das Wasser, für die Sicherheit aller während dem Schwimmen.

Mitte Juli scheint wohl etwas sehr spät, aber Tatsache ist: Erst nach der Eröffnungszeremonie kommen die Massen an den Strand, auch wenn das Wetter bereits weit vorher zum Baden einlädt. Das bedeutet natürlich nicht, dass man solange warten muss, bis das Umi-Biraki stattgefunden hat. Es bedeutet nur, dass der Strand fast menschenleer sein wird!

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Wie Japaner an den Strand gehen

Warum das Festklammern an die offizielle Badesaison so üblich für Japaner ist, lässt sich darauf zurückführen, dass ein Strandbesuch – ganz im Gegensatz zu Europa – ein besonderes Ereignis im Jahresverlauf darstellt. Während der durchschnittliche nicht-japanische Strandbesucher Badesachen, Sonnencreme, ein Handtuch, die Sonnenbrille und vielleicht ein Buch mit an den Strand nimmt, wird der Gang zum Strand in Japan zelebriert und weit im Voraus geplant.

In Japan ist es üblich, ein großes Zelt als Sonnenschutz, einige Planen und Liegestühle zum Sitzen, einen ordentlichen Grill plus Kühltasche mit Lebensmitteln und eine umfangreiche Getränkeauswahl mit ans Wasser zu nehmen! Dazu kommt noch die Planung zum Zeitvertreib während des Strandtags: Melonen werden zerschlagen, Ballspiele gespielt und das Burgenbau-Set kommt zum Einsatz. Immerhin kommen die ganze Familie und so einige Freunde mit an den Strand.

Es verwundert dabei wohl kaum, dass der Strand von den meisten Familien nur ein einziges Mal im Jahr besucht wird – dann aber auch mit Vollausstattung!

Volle Strände sind ab Mitte Juli in Japan zu erwarten, hier am Shimoda Strand.
Volle Strände sind ab Mitte Juli in Japan zu erwarten, hier am Shimoda Strand. © tenaciousme / flickr

Das Ende der Badesaison

Der Spaß endet genauso abrupt wie er gekommen ist. Am 16. August wird die Badesaison beendet. Gleichzeitig markiert dieser Tag auch den letzten Tag des üblichen Sommerurlaubs – also das O-Bon, dem Fest der Toten. Das Ende der Badesaison fällt zudem mit der Jahreszeit zusammen, in der die teilweise gefährlichen Quallen in den japanischen Gewässern auftauchen. An diesem Tag sind die Strände also wieder menschenleer.

Zu Ende August sind die Strände Japans wieder leergefegt und ein Ort der Ruhe im lauten Stadtgetümmel.
Zu Ende August sind die Strände Japans wieder leergefegt und ein Ort der Ruhe im lauten Stadtgetümmel. © Elisa Röhr

Damit auch die kleineren Kinder sich dann vom Wasser fernhalten, wird ihnen durch ihre Eltern erzählt, dass Wassernymphen kommen und ihre Beine umschlingen werden!

Wenn Sie gerne an japanischen Stränden Ihren Urlaub verbringen möchten oder einen Tagesausflug mit Abkühlung im Meer planen, erkundigen Sie sich am besten beim örtlichen Strand oder den Einheimischen, die in der Nähe wohnen, ob ein Bad im Meer ungefährlich ist.

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