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Die Kofun-Zeit – Vom Shintō-Glauben bis zur Yamato-Herrschaft

Maria-Laura Mitsuoka
Maria-Laura Mitsuoka

Viele kennen bereits die Kofun-Zeit und deren riesige, schlüssellochförmige Hügelgräber. Die Ausmaße dieser Grabanlagen sind mehr als überwältigend und zahlreiche Grabbeigaben begleiteten die Verstorbenen ins Jenseits. Doch auch die Glaubenswelt, die Politik im Herzen Japans und technische Innovationen erlebten einen neuen Höhepunkt.

Kofun-Grab
Das Goshiki-zuka-kofun in Kōbe (Präfektur Hyōgo). Haniwa-Figuren am Wegesrand und auf dem Hügelgrab begleiten den Toten auf seine Reise ins Jenseits. © niboshi-photos / photo-ac

Die Kofun-Zeit (ca. 250-538 n. Chr.) folgt unmittelbar auf die Yayoi-Zeit, eine Epoche, in der landwirtschaftliche und metallverarbeitende Techniken durch koreanische Einwanderer vom asiatischen Festland eingeführt wurden. Nachdem Himiko, die erste Herrscherin des geheimnisvolles Reiches Yamatai, verstorben war, wurden auf dem gesamten japanischen Archipel monumentale, teilweise schlüssellochförmige Grabhügel (zenpō-kōen-fun) errichtet, die eine neue Ära in der Geschichte Japans einleiteten.

Mit der Einführung innovativer Bestattungsriten veränderte sich auch das Weltbild der Bevölkerung deutlich: Der Shintō-Glaube bildete sich aus den vergangenen Epochen heraus und ein Clan aus der Yamato-Provinz (die heutige Präfektur Nara), bekannt als der Yamato-Clan, nahm die politischen Fäden in die Hand. Historiker glauben, dass der Yamato-Clan vom koreanischen Prinzen Junda (ein Sohn des 25. Königs vom Baekje, Muryong) abstamme, der 513 n. Chr. in Japan verstarb. Mit anderen Clans aus der Yamato-Provinz übernahm dieser ab dem 5. Jahrhundert die politische Führung Japans.

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Japan im internationalen Kontext

Im 4. und 5. Jahrhundert befand sich Ostasien in einer Zeit des Umbruchs, in der in rascher Folge neue Staaten entstanden und wieder zerfielen. Nach der turbulenten Epoche der Sechzehn Königreiche (304-439 n. Chr.) wurden in China im 5. Jahrhundert die Nördliche Wei-Dynastie und die Südliche Liu Song-Dynastie gegründet. Auf der koreanischen Halbinsel wetteiferten derweil mehrere Staaten – Goguryeo im Norden und Baekje, Silla und Gaya im Süden – um die Vorherrschaft, während sie gleichzeitig diplomatische Verhandlungen mit den Dynastien Chinas führten.

Es wird angenommen, dass die in Yamato ansässigen japanischen Clans 366 n. Chr. diplomatische Beziehungen mit dem Baekje-Königreich in Korea aufnahmen und einen Außenposten im Süden verwalteten, den sie bis zu ihrer Verdrängung durch das Silla-Königreich im Jahr 562 n. Chr. verteidigten. Einigen chinesischen Aufzeichnungen zufolge sandten fünf japanische Könige zwischen 413 und 478 n. Chr. neun Botschafter mit Tributen nach China, um Unterstützung auf der koreanischen Halbinsel zu erhalten.

Während China über Korea Tribut von Japan erhielt, nahm Japan Einwanderer aus China und Korea auf, die ihre Fähigkeiten und Kenntnisse mitbrachten, um die Kultur mit ihren Fortschritten zu bereichern.

Torii
Torii-Tore markieren den symbolischen Eingang eines Schreins und sind bis heute das Symbol für den shintoistischen Glauben, der in der Kofun-Zeit an Form gewann. © hiro1213 / photo-ac

Der Aufstieg des Yamato-Clans

Bevor der Yamato-Clan die Macht an sich reißen konnte, konkurrierten viele wohlhabende Familien um die Vorherrschaft im Land. Mit unterschiedlichen Taktiken versuchten sie, ihre Interessen gegen ihre Rivalen durchzusetzen, Allianzen zu formen und Feindschaften auszutragen. Erst im 5. Jahrhundert n. Chr. erlangte der Clan in Yamato die Vorherrschaft über die japanischen Inseln Honshū und Kyūshū. Der Hauptsitz des Herrschaftsgebietes verteilte sich über die heutigen Präfekturen Kyōto, Nara und Ōsaka.

Durch Bündnisse mit anderen Familien, den erweiterten Einsatz von Metallverarbeitung und die Fähigkeit, ihre Untertanen effektiv zu beherrschen, wurden die Yamato zu einer einflussreichen Militärmacht. Obwohl sie wegen ihrer kriegerischen Erfolge geschätzt und gefürchtet wurden, vertraten sie vielmehr das Interesse, Konflikte nach Möglichkeit zu vermeiden und friedliche Bündnisse mit anderen Klans einzugehen, indem sie ihnen einen Platz im politischen System anboten. Bedeutende Familienverbände, die den Yamato-Clan unterstützten, waren die Soga, Mononobe, Nakatomi, Kasuga, Ki, Otomo und Haji.

Sie wurden als uji bezeichnet und erhielten je nach Verwandtschafts- oder Dienstgrad einen Titel. Die uji waren für den Schutz und die Besteuerung der unabhängigen Gebiete zuständig und jeder Clan verehrte seinen eigenen ujigami oder Clangeist. Sie wurden von einem männlichen Ältesten regiert, der Zeremonien zu Ehren der kami (Götter) durchführte und so das Wohlergehen seiner Untertanen und den Fortbestand seiner Herrschaft sicherte.

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Die Wurzeln der japanischen kami

Obwohl der Shinto-Glaube in dieser Zeit aufkeimte, hatte dessen Entwicklung Wurzeln in weitaus früheren Epochen. Das Wort shintō (神道) bedeutet übersetzt “Weg der Götter” und konzentriert sich auf die sorgfältige Durchführung von Ritualen zur Aufrechterhaltung eines angemessenen Lebensstils sowie auf die Verbindung zu den kami. Kami sind Götter oder Geister, die natürliche Kräfte wie Flüsse, die Sonne, den Wind, aber auch Dinge wie Krieg oder die Unterwelt verkörpern. Obwohl die meisten kami mit der Natur in Verbindung gebracht wurden, verehrten die Menschen auch große Persönlichkeiten wie zum Beispiel den Kaiser, Krieger und manchmal sogar Objekte.

Zunächst wurden keine besonderen Gebäude wie Schreine benötigt, um den kami zu huldigen, da alle Anbetungen im Freien durchgeführt wurden. Später aber wurden kami in geweihten Schreinen von Clan-Chefs oder Priestern verehrt. Diese Shintō-Schreine waren gewöhnlich durch ein torii (Eingangstor eines Schreins) gekennzeichnet, eine Tradition, die sich bis heute durchgesetzt hat.

Haniwa Figur
Eine Haniwa-Figur aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, die einen Soldaten darstellt. © The Metropolitan Museum of Art / The Harry G. C. Packard Collection of Asian Art, Gift of Harry G. C. Packard, and Purchase, Fletcher, Rogers, Harris Brisbane Dick, and Louis V. Bell Funds, Joseph Pulitzer Bequest, and The Annenberg Fund Inc. Gift, 1975

Eisen löst Bronze ab

Die technische Entwicklung in der Kofun-Zeit entsprach weitgehend derjenigen der vorangegangenen Epoche, obwohl die Metallverarbeitung und der landwirtschaftliche Anbau anspruchsvoller wurden. Reisfelder wurden in höheren Lagen angelegt, die Bewässerungssysteme komplexer und die Eisenverarbeitung aufwendiger. Schließlich löste Eisen die Bronze als bevorzugtes Metall für Werkzeuge und Waffen ab, da das für die Bronzeproduktion benötigte Zinn immer knapper wurde und der Import vom Festland sehr kostspielig war.

Haniwa, Grabskulpturen aus Ton, die geschmückte Pferde, bewaffnete Krieger, edel gekleidete Adlige, Bauern oder Tänzer darstellen, gehören zu den bemerkenswertesten Produkten der Kofun-Zeit. Diese Figuren wurden höchstwahrscheinlich als Opfergaben oder schützende Talismane in und auf Grabhügeln aufgestellt.

Zudem markierte die Sueki-Töpferei einen weiteren großen Fortschritt der Kofun-Keramik. Sueki-Gefäße wurden in der Regel aus blau-grauem Ton hergestellt und waren oft dünnwandig und hart, da sie bei Temperaturen von etwa 1.100 bis 1.200° C gebrannt wurden, einem ähnlichen Temperaturbereich wie bei der Herstellung von modernem Porzellan.

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Schöner Wohnen in der Kofun-Zeit

Während die Häuser der Yayoi-Zeit mit Ausnahme von Getreidespeichern in den Boden eingetieft waren, entwickelten sich nun auch Hütten mit erhöhten Stockwerken zu gewöhnlichen Behausungen. Bessere Ausrüstungen und Bautechniken sowie das Bewusstsein, dass Privatwohnungen Symbole des sozialen Status sein konnten, veranlassten die Menschen der Kofun-Zeit vor allem in Westjapan, mit der Architektur zu experimentieren.

Während die einfachen Leute weiterhin in Grubenhäusern ähnlich denen der Jōmon- und Yayoi-Zeit lebten, errichteten wohlhabendere Persönlichkeiten größere und sogar mehrstöckige Gebäude. Diese befanden sich oft hinter umzäunten Anlagen, die die herrschende Elite vom einfachen Volk trennen sollten.

Asuka-dera
Die Frontalansicht des Asuka-dera (in Asuka, Präfektur Nara), einem der ersten der buddhistischen Tempel Japans, der im Jahr 588 durch den Soga-Klan errichtet wurde. © NhatBan / photo-ac

Ein neues Zeitalter beginnt

Der Übergang zur Asuka-Zeit (538-710 n. Chr.) war durch die Einführung des Buddhismus, die Übernahme chinesischer Schriftzeichen als Schriftsystem (da die japanischen Ureinwohner kein eigenes besaßen) und die Aneignung vieler Aspekte der chinesischen Gesellschaft gekennzeichnet.

China diente als Ideal, dem es nachzueifern galt, da die Kultur des asiatischen Kontinents als zivilisiert und fortschrittlich angesehen wurde. Der Buddhismus brachte viele Veränderungen nach Japan, erste japanische Schriftquellen läuteten für den Adel und Gelehrte den Beginn einer modernen Kultur ein und heute geben uns die Zeugnisse dieser Epoche einen Einblick in den Zeitgeist eines vergangenen Reiches.

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