daibutsu
Der große Buddha (daibutsu 大仏) von Kamakura am Kōtoku-in-Tempel 高徳院.

Buddhismus

Seine Wurzeln hat der japanische Buddhismus (Bukkyō 仏教) im 6. Jahrhundert, als koreanische Mönche die Religion verbreiteten. Der Buddhismus prägt heute noch den japanischen Alltag und spielt mit der Partei Kōmeitō 公明党 auch eine politische Rolle.

Im Gegensatz zum bis zum 6. Jahrhundert vorherrschenden Shintōismus bildete der neue Glauben eine Religion mit heiligen Schriften und Jenseitsvorstellungen. Schnell entdeckten die japanische Kaiserin Suiko 推古天皇 und Kronprinz Shōtoku 聖徳太子 den Wert des Buddhismus für ihre Regentschaft und beauftragten Gesandtschaften, in China Kopien der Sutren zu beschaffen. Mit dem Buddhismus gelangten viele kulturelle Neuerungen etwa auf dem Gebiet der Medizin und Kunst ins Land. Es bildeten sich Mönchshierarchien und der Buddhismus untermauerte das politische Herrschaftssystem. Als Ausdruck der Macht baute Shōmu Tennō 聖武天皇 im Jahr 745 mit dem Tōdai-Ji 東大寺 in Nara 奈良 einen eindrucksvollen Tempel, der die größte Buddha-Statue in Japan enthält und zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. In der Nara-Zeit (nara jidai 奈良時代, 710 bis 784) etablierten sich sechs buddhistische Sekten. In der Heian-Zeit (heian jidai 平安時代, 794-1192) setzen sich die beiden esotherischen Schulen Tendai 天台宗 und Shingon 真言宗 durch.

Traditional water-drawing festival at Todaiji templeJährliches Feuer-Rituale am Tōdai-ji. © APPress Association Images

Buddhismus prägt japanische Kultur

Über die Jahre kam es zur Verschmelzung von Buddhismus und Shintōismus. Shintōistische Kami 神 wurden als buddhistische Gottheiten beschrieben und Schreine in Tempelanlagen errichtet. Erst in der Meiji-Zeit (meiji jidai 明治時代, 1868-1912) sollten beide Religionen wieder klar voneinander getrennt werden.

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Die Vorstellung der Wiedergeburt machte ab der Kamakura-Zeit (kamakura jidai 鎌倉時代, 1185-1333) den Buddhismus beim einfachen Volk populär. Bei den oberen Schichten und vor allem der Kriegerklasse, Bushi 武士, war der philosophisch untermauerte Zen-Buddhismus 禅仏教 beliebt. Er übte ab dem 13. Jahrhundert großen Einfluss auf die japanische Kultur, u.a. die Teezeremonie und die Gartenkunst, aus. Zentraler Glaubenssatz des Zen-Buddhismus ist, dass allen Wesen eine Buddha-Natur innewohnt. Mit dem meditativen Sitzen (Zazen 座禅) wird die Erleuchtung (Satori 悟り) angestrebt.

Zazen - die Sitzmeditation.Zazen - die Sitzmeditation.

Religion im Kreuzfeuer

Im 13. Jahrhundert deutet die von dem Mönch der Tendai-Schule Nichiren 日蓮 gegründete gleichnamige Sekte Japan als das Land der Götter und den japanischen Buddhismus als den einzig echten Glaubensweg. Im Verlauf der Jahre häuften die Klöster im Land immer mehr Macht an. 1571 ließ der Feudalherr Oda Nobunaga 織田信長 schließlich in großem Stil Tempel verbrennen. Doch die Religion überlebte und blühte während der Tokugawa-Zeit (tokugawa jidai 徳川時代, 1603-1868) zu neuer Größe auf. So mussten sich alle Japaner in einem Tempel registrieren.

 

47 RōninDie 47 Rōnin, die für ihren Herrn starben, werden im Sengaku-ji-Tempel in Tōkyō mit Stelen verehrt.

Buddhismus im Japan der Jetztzeit

Auch heute noch spielt der Buddhismus im Alltagsleben eine Rolle. Beerdigungen werden nach buddhistischem Ritual begangen und Familiengräber befinden sich auf Friedhöfen, die Tempeln angegliedert sind. Fast jede Familie hat zu Hause einen Altar, an dem sie für die toten Ahnen betet.

Im politischen Leben hat sich in den 1930er Jahren die religiöse Gemeinschaft Sōka Gakkai 創価学会 gegründet. Sie gilt als neue Religion (Shinshūkyō 新宗教) und beruft sich die Nichiren-Sekte. Aus der größten religiösen Organisation Japans heraus entstand die politische Partei Kōmeitō, die für humanitären Sozialismus einsteht. Das Engagement der Sōka Gakkai für Frieden wurde 1983 mit dem Friedenspreis der Vereinten Nationen honoriert. Allerdings steht die Gesellschaft auch wegen ihrer aggressiven Anwerbung neuer Mitglieder in der Kritik.

Buddhistisches “Mekka” Kōya-San

Neben dem Tōdai-Ji in Nara ist bei Touristen der Kōya-San 高野山 in der Präfektur Wakayama 和歌山県 beliebt. Die Wurzeln der Anlage mit heute 117 Untertempeln reichen in das 9. Jahrhundert zurück. Wer einen Einblick ins Mönchsleben gewinnen möchte, kann in einem Tempel übernachten und an den morgendlichen Andachten teilnehmen.

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