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Rendaku: von stimmlosen und stimmhaften Lauten

Aya Puster
Aya Puster

Im Japanischen kommt es schonmal vor, dass eigentlich stimmlose Laute plötzlich stimmhaft ausgesprochen werden. Das Phänomen „rendaku“ betrifft bei weitem jedoch nicht jedes Wort. 5 klare Regeln bestimmen, welche Buchstaben sich verändern und welche nicht.

kanji wörterbuch
(c) ma-chan / photo-ac

Das Japanische liebt Wortzusammensetzungen genauso wie das Deutsche. Das Schöne an diesen Komposita ist, dass man die in einem Wort gebundenen japanischen Nomen (N) und Adjektive (A) meistens in derselben Reihenfolge ins Deutsche übertragen kann. Das gilt natürlich auch für die umgekehrte Richtung. Viele solcher Beispiele findet man vorwiegend bei juristischen und technischen Wörtern.

Beispiel für rendokuBeispiel für rendoku

Manchmal kommt es bei diesen Wortverbindungen zur euphonischen Änderung des ersten Konsonanten des angehängten Wortes von einem stimmlosen zu einem stimmhaften Laut. Was genau bedeutet das? Der betroffene Konsonant wird in Kombination mit dem vorangegangenen Wort „weich“ ausgesprochen. Dieses Phänomen wird rendaku genannt. Ein Beispiel dafür ist das Wort für Kugel (tama 玉): Es wird bei hyakuendama 百円玉(100 Yen-Münze) da gelesen, während es bei mizutama 水玉 (Punktmuster) ta ausgesprochen wird. Dies stiftet Verwirrung bei Japanischlernenden. Woher sollen sie wissen, welcher Konsonant bei der Kompositabildung stimmhaft wird? Glücklicherweise gibt es hierfür klare Regeln:

Regel 1: Dieses Phänomen betrifft nur die stimmlosen Konsonanten h, k, s und t, die die stimmhaften Pendants b, g, z (im Japanischen wie das englische Z gesprochen) und d haben. Die Buchstabenkombinationen sh (sprich sch) und ch (sprich tsch) werden zum stimmhaften J (sprich dsch) und

Regel 2: Rendaku tritt nur auf, wenn das erste Wort das folgende, angehängte Wort definiert, erklärt oder beschreibt. Mit anderen Worten, wenn zwei Wörter ein sogenanntes Kopulativkompositum bilden, also gleichwertig nebeneinander stehen, tritt rendaku nicht auf.

Regel 3: Wenn einer oder beide Teile eines Kompositums einen der oben genannten stimmhaften Konsonanten enthalten, bleibt der erste Konsonant des zweiten Worts stimmlos. (Deshalb bleibt das T von mizutama stimmlos: das vorangegangene Wort mizu enthält den stimmhaften Konsonanten z.)

Regel 4: Wenn nicht, wird der erste Konsonant des zweiten Worts stimmhaft. (Deshalb wird das tama-T in hyakuendama zum stimmhaften D, weil hyaku keinen stimmhaften Konsonanten enthält.)

Regel 5: Kein ursprünglich japanisches Wort (yamatokotoba 大和言葉) beginnt mit einem stimmhaften Konsonanten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass alle Wörter, die mit stimmhaften Konsonanten beginnen, aus dem Chinesischen (kango 漢語) stammen und in der sinojapanischen On-Lesung verwendet werden oder aber Lehnwörter aus anderen Fremdsprachen sind.

Nun testen Sie selbst: Bilden Sie bitte mit folgenden Wörtern Komposita. Tritt rendaku auf? Die Lösung finden Sie unter dem Text.

  1. kusa (Gras) + hana (Blume)
    kusa??na (Fauna)
  2. benkyō (Lernen) + heya (Zimmer)
    benkyō??ya (Lernzimmer)
  3. rōdō (Arbeit) + (Gesetz)
    rōdō?? (Arbeitsgesetz)
  4. cha (Tee) + shitsu (Raum)
    cha???tsu (Tee(zeremonie)raum)
  5. yama (Berg) + ta (Reisfeld)
    yama?? (ein japanischer Familienname)
  6. ta (Reisfeld) + hata (Rand)
    ta??ta (ein Ortsname in Tōkyō)
  7. no (Gras) + kiku (Chrysantheme)
    no??ku (wilde Chrysantheme)
  8. yama (Berg) + kawa (Fluss)
    yama??wa (Berge und Flüsse)
  9. ginkō (Bank) + torihiki (Geschäft)
    ginkō??rihiki (Bankgeschäft)
  10. Nihon (Japan) + kikō (Reisebericht)
    Nihon??(Bericht der Japanreise)

Etwas knifflig werden Komposita, die aus drei Wörter bestehen: Aus nise (falsch) + kane (Geld) + tsukuri (Hersteller) kann das Wort Geldfälscher gebildet werden. Wie glauben Sie muss es heißen: nisekanetsukuri, niseganetsukuri oder niseganezukuri? Laut Regel 4 heißt Falschgeld, gebildet aus nise + kane, nisegane. Der Falschgeldhersteller (also Geldfälscher) heißt laut Regel 3 folglich niseganetsukuri.

Nach diesen Regelungen lautet der Buchtitel „Les Faux-monnayeurs“ von André Gide im Japanischen Niseganetsukuri. Allerdings hat sich im Alltag, offenentgegen der Regel, die Version niseganezukuri durchgesetzt, während die obige, vermeintlich grammatisch richtige Version ausschließlich für den Buchtitel benutzt wird. Der Grund dafür liegt m.E. einfach in der Tatsache, dass es mehr Wörter mit der Endung …zukuri gibt als die mit …tsukuri, so dass man sich im Alltag einfach schneller an das häufigere …zukuri gewöhnt hat.


Lösung: 1. kusabana (R4), 2. benkyōbeya (R4), 3. rōdō (R3), 4. chashitsu (R3), 5. Yamada (R4), 6. Tabata (R4), 7. nogiku (R4), 8. yamakawa (R3), 9. ginkōtorihiki (R3), 10. Nihonki (R2)


 

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