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Gefühle auf Japanisch ausdrücken

Aya Puster
Aya Puster

JapanerInnen gelten als zurückhaltend und an diesem Klischee ist durchaus etwas dran. Dennoch gibt es in der japanischen Sprache vielfältige Möglichkeiten, Gefühle zum Ausdruck zu bringen – dabei kann durchaus mal auf die Pauke gehauen werden. Andererseits eignet sich keine Sprache besser für indirekte Formulierungen.

Zwei rosa Herzen in Sesseln vor blauem Himmel

Es ist schwierig, Gefühle von Mitmenschen aus einem anderen Kulturkreis richtig einzuschätzen, denn sie werden nicht nur durch Worte, sondern auch durch Mimik und Gestik zum Ausdruck gebracht. Viele JapanerInnen haben die Gewohnheit von klein auf verinnerlicht, Emotionen aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen zurückzuhalten. Es könnte schließlich sein, dass sie mit ihrem lauten Jubel diejenigen verletzen, denen es nicht so gut geht, oder die Laune der anderen verderben, wenn sie ihre Trauer offen zeigen.

Dabei kennt die japanische Sprache eine Vielzahl an Begriffen, mit denen sich die eigene Gefühlswelt (und die von anderen Menschen) beschreiben lässt. Dabei können auch Verben oder sogar Lautmalereien, die man eher zur Beschreibung von Geräuschen nutzt, treffende Formulierungen sein.

So haben sich auch in den letzten Jahren neue Modewörter entwickelt, deren Anwendungsmöglichkeiten längst über die ursprüngliche Bedeutung und Umgangssprache hinausgehen. Wir geben eine kleine Einführung in die sprachliche Vermittlung von Emotionen anhand konkreter Beispiele.

Adjektive

Gefühle werden meistens mit Adjektiven ausgedrückt, so auch im Japanischen. Einige i-Adjektive als grundlegende Beispiele:

ureshiikanashiisabishiiurayamashii
glücklich, fröhlichtraurigeinsamneidisch

Im Japanischen sind allerdings zwei Besonderheiten zu beachten:

1. Diese Adjektive beziehen sich nur auf die 1. und 2. Person, d.h. sie werden oft ohne Personalpronomen benutzt.
2. Da sie nicht in der 3. Person verwendet werden, kann man an sie das Suffix -garu anfügen, um Adjektive in Verben für die Beschreibung des Gefühlszustandes von anderen umzuwandeln.

ureshi-garukanashi-garusabishi-garuurayamashi-garu
sich freuentraurig seineinsam seinneidisch sein

Bestimmte japanische na-Adjektive wie shiawase na (glücklich), kodoku na (einsam), suki na (mögen) oder kirai na (nicht mögen) können dagegen auch für dritte Personen verwendet werden.

Vorsicht bei kirai na: Manche deutschsprachige Japanisch-Lernende verwechseln es mit kirei (hübsch), weil sie [ei] wie [ai] aussprechen. Daraus ergibt sich leicht eine peinliche Situation, wenn man zu jemandem Anata wa kirai desu! (Ich hasse dich!) anstelle von Anata wa kirei desu! (Du bist hübsch!) sagt.

Tiltshift BuchstabenDie Schwierigkeiten der japanischen AusspracheDas Erlernen der japanischen Sprache ist keineswegs einfach. Besonders schwierig macht es u.a. die korrekte Lautbildung mancher für Deutsche...30.10.2018

Verben

Auch Verben können verschiedene Gefühle ausdrücken:

yorokobukanashimushitto sururakutan suru
sich freuentraurig seinneidisch seinentmutigt werden

Darüber hinaus tauchen zwei weitere Begriffe in der Vergangenheitsform häufig in Alltagsgesprächen auf: yokatta (vom Adjektiv yoi = gut) und yatta (vom Verb yaru = tun, machen):

Yatta drückt Freude nach Erreichen eines Ziels aus, z.B. dem Sieg der Lieblingsmannschaft oder eines bestandenen Examens. In diesen Fällen würden sogar ruhige JapanerInnen laut Yatta! jubeln.

Lautmalereien

Eine Besonderheit sind Lautmalereien, die zur Beschreibung eines Gefühls genutzt werden. Diese sind keine Kindersprache, sondern ein normaler Bestandteil des Standard-Japanischen und werden meistens in Verbindung mit dem Verb suru (tun, machen) benutzt:

ukiuki suruiraira surushonbori surugakkari suru
erwartungsvoll seinnervös / gereizt seinbedrückt seinenttäuscht sein

Modewörter

Zum Glück (oder Unglück) wurde Japan in den letzten Jahren um ein neues „Hass-Wort“ reicher: das Adjektiv kimoi, eine Abkürzung des Wortes kimochi warui (eklig). Kimoi scheint für alles, was einem nicht gefällt, anwendbar zu sein – sei es für schlechtes Essen oder Personen, die man damit leider leicht ausgrenzen kann.

Dagegen brachte das Universal-Adjektiv yabai etwas Positives und Lustiges mit sich: Vor 200 Jahren war yabai Teil des Gaunerjargons und bedeutete „illegal“ oder „gefährlich“. In den 1980ern haben Jugendliche angefangen, es im Sinne von „verdächtig“ zu benutzen, später kamen dann plötzlich positive Nuancen wie „super“ oder „irre“ hinzu. Auch dieses Wort hat längst Einzug in das alltägliche Japanisch gefunden.

Inzwischen ist yabai sogar zu einem nützlichen Füllwort beim Smalltalk geworden. Beispiel: Ein Vater erzählt vom Hobby seines Sohnes, doch sein Freund weiß nicht, ob er das befürwortet oder nicht. Also reagiert er einfach mit yabai:

Situation 1Situation 2
Vater:「Uchi no musuko sakkā bakari shite irun da。
Mein Sohn spielt nur noch Fußball.
Vater:「Uchi no musuko sakkā bakari shite irun da。
Mein Sohn spielt nur noch Fußball.
Freund:「Yabai ne。
Das ist ja toll.
Freund:「Yabai ne。
Das ist ja bedenklich.
Vater:「Hontō ni。Okage de sukauto saretan dayo!
Allerdings. Er wurde sogar in den Kader aufgenommen!
Vater:「Hontō ni。Sore de benkyō shinakute、 shiken ni ochichattan dayo!
Allerdings. Er hat nicht gelernt und fiel bei der Prüfung durch!

Wie Sie sehen, kann yabai sowohl positive als auch negative Gefühle ausdrücken und eignet sich zuweilen wunderbar dafür, sich aus der ein oder anderen Gesprächssituation herauszuwinden. Nutzen Sie im Zweifelsfall also dieses Super-Adjektiv und schauen Sie, was passiert!

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Dieser Artikel erschien in gekürzter Form in der Juli-Ausgabe des JAPANDIGEST 2021. Er wurde für die Veröffentlichung auf der Website nachbearbeitet.

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