Grammatikalische Helfer und Verwirrungsstifter: Partikel im Japanischen

Aya Puster
Aya Puster

Im Japanischen sind Partikel grammatikalische Hilfswörter - für Japanischlernende aber oftmals eine Qual zum Lernen. Dabei sind die Wörtchen unverzichtbar wenn es darum geht, den richtigen Sinn eines Satzes festzulegen.

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Die auf Japanisch nach den häufigsten ihrer Art te-ni-o-ha (てにをは) genannten Partikel bereiten manchen Japanischlernern Probleme, denn eine kleinste Verwechslung kann eine ganz andere Satzbedeutung hervorrufen. Dies führt oft zu heiteren Momenten im Unterricht:

Resutoran de tabemasu. ⇒ Ich esse im Restaurant.
Resutoran o tabemasu. ⇒ Ich esse das Restaurant.

Die Anhängsel an Wörter, die deren Funktion im Satz bestimmen,  sind keine Besonderheiten des Japanischen, sondern sind auch in anderen agglutinierenden Sprachen, wie Koreanisch, Türkisch, Ungarisch, Finnisch usw. zu finden. Wer solch eine Sprache als Muttersprache spricht, hat meistens leichtes Spiel und ersetzt japanische Partikel durch die Affixe in der eigenen Sprache, um den japanischen Satzbau zu begreifen.

Einige Partikel, die oft vorkommen, sind auch Anfängern bekannt; wie z.B. wa = Themenpartikel (geschrieben ha は), no = Genitiv (の), ni = Dativ (に), = Akkusativ (geschrieben wo を), to = mit (と), de = Handlungsort (で). Die Bedeutung des jeweiligen Satzes ist auch leicht zu erahnen:

Kai wa Uwe ni nihon no hon o kau. Kai kauft Uwe ein Buch über Japan.
Kai wa Uwe ni nihon de hon o kau. Kai kauft Uwe ein Buch in Japan.
Kai wa Uwe no nihon no hon o kau. Kai kauft ein Buch über Japan von Uwe.
Kai to Uwe wa nihon no hon o kau. Kai und Uwe kaufen ein Buch über Japan.
Kai to Uwe wa nihon de hon o kau. Kai und Uwe kaufen ein Buch in Japan.

In der Grundstufe reicht es aus, wenn man zuerst nur die häufigsten Partikel lernt, und ab und zu über interessante Unterschiede wie folgende nachdenkt:

 Inu to asobu. Inu de asobu.

Bei beiden Fällen spielt man mit dem Hund. Beim ersten (to) ist der Hund als gleichberechtigter Spielpartner in das Spielen involviert, dass er z.B. den geworfenen Ball fängt und zurückbringt. Im zweiten Fall (de) wäre er jedoch selbst der Gegenstand des Spiels, wenn also der Hund selbst etwa als Spielball geworfen würde.

Ein weiterer Fall: Jemand bewirbt sich um eine Stelle und der Arbeitgeber reagiert wie folgt:

Anata ga ii desu. Anata de ii desu.

Der erste Satz (ga) besagt, dass für den Job nur dieser Bewerber und kein anderer in Frage kommt, während der zweite Satz (de) signalisiert, dass es eigentlich bessere Kandidaten gäbe, aber man sich mit diesem Bewerber zufrieden gibt.

Auch im Unterricht kann die Wahl der Partikel einen Unterschied machen: Ein Schüler bespricht ein Problem mit dem Lehrer:

Sensei to sōdan suru. Sensei ni sōdan suru.

Im ersten Fall (to) bespricht der Schüler mit dem Lehrer gemeinsam das Problem. Im zweiten Fall (ni) fragt der Schüler den Lehrer nach einer Lösung, die dieser ihm wohl einseitig von oben erteilen wird.

Besonders schwierig bezeichnen manche Lernende den Unterschied zwischen wa und ga. Dabei gilt nur der Grundsatz, dass wa das Gesprächsthema zeigt, und ga nur das Subjekt des Satzes markiert.

Ano hito wa Meyer-san desu. Ano hito ga Meyer-san desu.

Das erste Beispiel  (wa) setzt die Frage „Wer ist die Person dort?“ voraus, und antwortet mit der Information, dass sie Herr Meyer heißt und nicht etwa Herr Schmidt oder Herr Tanaka. Die entscheidende Information steht hinter wa. Beim zweiten Fall (ga) geht die Frage „Welche Person ist Herr Meyer?“ voraus, und die Antwort ist darauf, dass jene Person der gefragte Meyer ist. Die entscheidende Auskunft steht vor ga.

Meyer-san wa kimasu. Meyer-san ga kimasu.

Der erste Satz (wa) setzt die Frage „Was ist mit Herrn Meyer? Kommt er oder nicht?“ voraus, und signalisiert mit wa: Was Herrn Meyer anbelangt, weiß man, dass er kommt. Dafür weiß man eben nicht, ob Herr Schmidt oder Sonstiger kommt. Der zweite Satz (ga) wäre eine Antwort auf die Frage „Wer kommt?“, und gibt die entscheidende Information vor ga.

Eine ganz wichtige Funktion der Partikel wa sei noch erwähnt. Wa kann sich über das Satzende hinaus auf das Prädikat des nächsten Satzes (manchmal sogar mehrerer Sätze) beziehen, während ga nur mit dem nächsten Prädikat verbunden werden kann. Wenn man diesen Grundsatz kennt, ist im folgenden Beispiel sofort klar, was das Subjekt von kaeru ist.

Dōryō wa zangyō shinai. Watashi ga mada hataraite ite mo, 5 ji ni kaeru. Mein Kollege macht keine Überstunden. Auch wenn ich noch arbeite, geht (er) um 5 Uhr nach Hause.

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