Abe Premier Japan
Abe spricht auf einem Kongress in London 2013. © Chatham House / Flickr

Vier Jahre Abenomics: Wo bleibt der Aufschwung?

Hannah Janz

Kritische Stimmen meinen, Premierminister Abe habe in vier Jahren noch nichts für den Aufschwung der japanischen Wirtschaft getan, außer das selbstverliebte Schlagwort Abenomics zu prägen. JAPANDIGEST resümiert Veränderungen und wirft einen Blick in die Zukunft.

Vier Jahre an der Macht sind in Japan eine lange Zeit. Premierminister Abe Shinzō 安倍晋三 stellte erst im Dezember 2016 einen Rekord auf: Mit über 1800 Tagen konsekutiver Regierungszeit ist er nun der am viertlängsten amtierende Premierminister Japans.

Die japanische Politik ist sonst gekennzeichnet durch eine hohe Fluktuation. Unter Abe schien das anders zu sein, von ihm wurde vorneherein erwartet, dass er sich lange auf dem Posten des Premierministers würde halten können. Im Dezember 2012 löste er die drei Premierminister der Demokratischen Partei Japans ab, die unter anderem an der Bewältigung der Atomkatastrophe von Fukushima-Daiichi 福島第一 gescheitert waren.

Der Umkehrschluss, dass eine lange Zeit im Amt auch die Umsetzung komplexer, langfristiger Projekte bedeuten könne, brachte dem Premier für seine Wirtschaftspolitik Abenomics zahlreiche Vorschusslorbeeren ein.

Abe + Economics = Abenomics アベノミクス

Das Schlagwort zeigt den starken Wirtschaftsbezug der Innenpolitik von Premier Abe. Die Abenomics werden Japan Aufschwung bringen – zumindest postuliert seine Regierung das seit ihrem Amtsantritt vor vier Jahren.

Drei Pfeile sollen den mystischen Hirsch Aufschwung schießen:

  1. Die japanische Zentralbank steigert das Geldvolumen;
  2. Die Regelung zur Verschuldung des Staatshaushaltes wurden aufgeweicht, um Finanzierung durch Kredite zu ermöglichen;
  3. Reformen wie die Mehrwertsteuererhöhung sollen Geld in die Staatskassen spülen.

Abenomics: Zu wenig, zu unsicher?

Der massive Anleihenkauf der Japanischen Zentralbank führte durch die Abwertung des Yen insbesondere für die großen Exportunternehmen zu Rekordgewinnen. Die Aktienkurse zogen stark an. Insofern erreichten die Abenomics ihr erstes Ziel.

Die Hoffnung der Regierung, dass höhere Gewinne von den Unternehmen auch in Lohnsteigerungen, Infrastruktur und Forschung investiert würden, bewahrheitete sich bisher aber nicht. Wo Investitionen getätigt wurden, wurde deren Mehrwert durch den schwachen Yen und die damit verbundenen höheren Importkosten wieder aufgefressen.

Nachhaltiger Aufschwung kann für Japans Wirtschaft aber nur erreicht werden, wenn die Binnennachfrage gestärkt wird. Um die Verbraucherausgaben anzukurbeln, sind erhebliche Lohnsteigerungen nötig. Der dritte Pfeil der Abenomics hat sein Ziel aber verfehlt. Bisher gab es nicht genug Strukturreformen und Deregulierungen, um genug Anreize für Lohnerhöhungen zu setzen. Die meisten japanischen Unternehmen sind bisher nicht bereit, ihre Gewinne an die Beschäftigten auszuschütten.

Abe TrumpTrump und Abe bei einem Treffen am 17. November 2016. (c) 内閣官房内閣広報室, CC2.0

Schützenhilfe für die Abenomics

Einen entscheidenden Einfluss auf die Stimmung in der japanischen Wirtschaft hatte die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016. Zunächst hielt sich die Sorge, dass Japan weiter in die Deflation rutschen könne. Der starke Yen trübte die Export-Aussichten für japanische Unternehmen, fallende Preise und eine lahmende Kaufbereitschaft der japanischen Bevölkerung schlugen ebenfalls auf die Stimmung.

Trumps Wahl brachte die Wende: Auch wenn seine Präsidentschaft Japan vermutlich sicherheitspolitische Risiken bescheren wird und das Freihandelsabkommen Transpazifische Partnerschaft auf der Kippe steht, wirken sich Trumps andere Vorhaben positiv auf die japanische Wirtschaft aus.

So will der künftige Präsident unter anderem in den USA die Steuern für Unternehmen senken, in wirtschaftliche Infrastrukturen investieren und diese deregulieren. Diese Hoffnung drückte bereits den US-Leitzins, was sich wiederum in einem fallenden Yen-Kurs im Vergleich zum Dollar direkt nach der US-Wahl im November 2016 zeigte.

Blick in die Zukunft

Ein großes Problem der Abenomics ist die Abhängigkeit von exogenen Faktoren. Noch ist nicht klar, wie viele seiner Wahlkampf-Versprechen Trump als US-Präsident umsetzen wird. So könnte sich der erste positive Trend als schöner Schein entpuppen.

Eines zumindest macht die aktuelle Entwicklung klar: Der Erfolg der Abenomics hängt maßgeblich am Wechselkurs des Yen.

Sollte der Yen billig bleiben und Exporte begünstigen, kann sich ein nachhaltiger Aufschwung aber nur einstellen, wenn die japanische Wirtschaft ihr Mindset ändert. Die allgemeine Schonhaltung muss verlassen, Investitionen getätigt werden, um die Verbrauchernachfrage zu stimulieren. Der Aufschwung muss auch von innen kommen, nicht nur staatlich initiiert.

Die Abe-Regierung darf nun auf keinen Fall den Fehler machen, sich auf glückliche Umstände wie die Trump-Wahl zu verlassen – strukturelle Reformen müssen vorangetrieben werden, um die Starre der japanischen Wirtschaft aufzubrechen.

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