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Aus 2020 wird 2021: Die Verschiebung der Olympischen Spiele und was das genau bedeutet

Matthias Reich
Matthias Reich

Lange hielten das IOC und die japanische Regierung an der Ausrichtung vom Olympia 2020 fest – bis die ersten Nationen bekanntgaben, ihre Delegationen nicht teilnehmen zu lassen. Die unvermeidbare Verschiebung auf 2021 stellt Japan vor enorme Aufgaben.

Olympiastadion Tokyo

Es ist ein historisches Großereignis, auf das jeder gerne verzichten würde: Der Siegeszug des winzig kleinen Corona-Virus um die ganze Welt. (Fast) kein Land wird verschont, zehntausende Menschen verloren bereits ihr Leben, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Man weiß noch nicht einmal, ob einmal Erkrankte immun sind. Bis zu einem Impfstoff wird es auch noch eine Weile dauern. Dass unter diesen Umständen große Sportveranstaltungen hinten anstehen müssen, leuchtet jedem ein.

Verschiebung der Olympischen Spiele führt zu neuen Problemen

Doch die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr stellt die Organisatoren vor enorme Probleme. So hat man sich zwar schon mal darauf geeinigt, dass die Spiele fast genau ein Jahr später stattfinden sollen, nämlich ab dem 23. Juli (in diesem Jahr war der 24. Juli als Starttermin geplant), und das macht die Planung etwas einfacher, doch es gibt reihenweise Komplikationen:

1. Es ist beim jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob die Spiele wirklich in einem Jahr stattfinden können – denn niemand weiß, wie die Corona-Lage im nächsten Jahr aussieht

2. Die zu erwartende weltweite Rezession wird schwer vorhersagbare Folgen mit sich bringen. Werden sich die Fluggesellschaften bis dahin erholt haben? Werden die Sponsoren zu ihren Verträgen stehen? Wird es auch in einem Jahr genügend Hotelkapazitäten geben?

3. Wie werden die Besucherzahlen ausfallen? Bleiben viele Besucher in ihren Ländern, weil sie Angst vor Corona haben, oder weil sie sich die Tickets nicht mehr leisten können? Oder einfach nicht umplanen konnten?

4. Die Wohnungen im Olympischen Dorf sind teilweise schon verkauft – wer bezahlt und wie viel muss bezahlt werden, um die Verträge zu ändern? Das gleiche gilt für etliche andere Wettkampstätten auch, die für die Olympischen Spiele angemietet wurden und danach umgewidmet werden sollten, doch nun müssen die Stätten für ein weiteres Jahr freigehalten werden.

5. 47% der Einnahmen entstehen aus der Vermarktung der TV-Rechte, doch die müssen nun alle neu ausgehandelt werden.

6. Die Freiwilligen (“Volunteers”) sind bereits rekrutiert worden, doch nun muss man schauen, wer im nächsten Jahr noch zur Verfügung steht

7. Zehntausende Tickets für die Spiele 2020 wurden bereits verlost/verkauft – hier muss nun entschieden werden was damit geschieht.

8. Anhand von Wettkämpfen und Ranglisten stand bereits fest, wer an den Spielen teilnehmen darf. Nun muss in jedem Land und in jeder Sportart entschieden werden, ob man es dabei belässt, oder ob es neue Vorentscheide geben wird.

Wer wird die Kosten für die Verschiebung tragen?

Wie hoch die wirtschaftlichen Kosten für die Verschiebung ausfallen werden, ist noch nicht ganz klar. Schätzungen reichen von 2,5 Milliarden bis 5 Milliarden Euro. Mitte April tauchte dazu eine Meldung auf der offiziellen Webseite des IOC auf, die in etwa besagte, dass die japanische Regierung sich bereite erklärt habe, diese Kosten selbst zu schultern. Das verursachte Stirnrunzeln in Tōkyō, denn die Regierung hat keinesfalls gesagt, dass Japan für alles aufkommen werde. Die Meldung verschwand daraufhin wieder von der Webseite, doch man kann davon ausgehen, dass es einen erbitterten Streit zwischen dem IOC und Japan geben wird, wer mit wie viel für die Zusatzkosten aufkommen wird.

Fazit

Es gibt viel zu tun, aber natürlich stehen erst mal die Lösung der Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen an erster Stelle, sonst wird selbst das neue Datum in Frage gestellt werden. In dem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass die Spiele wirklich 2021 ausgerichtet werden können – ohne Angst vor winzig kleinen Viren haben zu müssen.

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