Neues Corona-Virus hinterlässt immer mehr Spuren, und die Gerüchteküche brodelt

Matthias Reich
Matthias Reich

Seit Mitte Januar reißen die Nachrichten rund um den neuen Corona-Virus nicht ab. In Japan beobachtet man die Situation besonders genau, denn die wirtschaftlichen Beziehungen zur Volksrepublik China sind enorm wichtig - außerdem stehen die Olympischen Spiele vor der Tür.

Kranker älterer Mann mit Mundschutz

Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS, MERS – die neueste Pandemie kommt nicht völlig überraschend, und dank der Vorgänger gibt es bereits reichlich Erfahrung und mehr oder weniger bewährte Mechanismen. Trotz alledem zählt man in Japan bereits 34 Infizierte (Stand 5. Februar 2020) – bei SARS waren es damals null. Reagiert wird mit üblichen Methoden – Körpertemperaturmessungen an den Flughäfen, kurze Hintergrundchecks bei Reisenden, und im Zweifelsfall Einreiseverbote. Dabei merkt man jedoch, dass die Regierung mit allen Kräften versucht, eine Panik zu vermeiden – mit einer Gelassenheit, die in der Bevölkerung nicht immer gut ankommt. Als man die ersten Landsleute aus dem Epizentrum der Epidemie, der Stadt Wuhan, nach Hause holte, wollte man es dabei belassen, die Heimkehrer dazu aufzufordern, in den nächsten zwei Wochen zu Hause zu bleiben. Berechtigterweise wurde daran schnell Kritik laut – denn die Gefahr, dass sich Familienangehörige infizieren und unbewusst die Krankheit in Schulen, Firmen und öffentlichen Einrichtungen verbreiten, ist äußerst real. Nun verlegte man sich darauf, die Heimkehrer für zwei Wochen in Quarantäne zu schicken – genau wie in Deutschland, Australien und vielen anderen Ländern. Betroffen von dieser und ähnlichen Maßnahmen sind auch tausende Passagiere eines großen Kreuzfahrtschiffes, das seit Tagen nahe Yokohama vor Anker liegt: Die Passagiere müssen sich nun, in Sichtweite von Tokyo, mindestens zwei Wochen lang in Geduld üben.

Mehr noch als vor den gesundheitlichen Folgen fürchtet man sich allerdings vor den wirtschaftlichen Folgen. Als erstes bekam dies die Tourismusbranche zu spüren, da das chinesische Neujahr direkt mit dem Auftreten der Krankheit zusammenfiel. Gerade zu dieser Zeit nutzen viele Chinesen die freien Tage für einen Abstecher nach Japan, doch die Unsicherheit sowie der Aufruf der chinesischen Regierung, Gruppenreisen nach Möglichkeit zu unterlassen, sorgten für einen drastischen Einbruch der Besucherzahlen, mit allen dazu gehörenden Konsequenzen. Hotel-, Restaurant- und Souvenirgeschäftsbetreiber, Busfirmen und Reiseleiter, Themenparks und Autoverleiher – alle kämpfen mit einer Flaute, die fast an die Jahrtausendwende erinnert, als gerade mal knapp 5 Millionen statt der jetzt üblichen 30 Millionen das Land besuchten.

Dabei wird es sicherlich nicht bleiben, denn so gut wie alle Branchen lassen mal mehr, mal weniger viel in China produzieren. Da viele Zulieferer im Zwangsurlaub oder die Lieferketten gestört sind, müssen immer mehr japanische Firmen die Produktion oder den Verkauf herunterfahren, wenn nicht gar stoppen. Und das ist natürlich nur der Anfang, denn wenn etwas nicht produziert wird, kann es auch nicht verkauft werden.

Sind die Olympischen Spiele in Gefahr?

Schnell machten in Japan auch Gerüchte die Runde, dass die Olympischen Spiele im Sommer gestrichen oder zumindest verlegt werden. Zwar sind es bis dahin noch über 160 Tage, doch bei einer so globalen Großveranstaltung muss besser früher als später darüber entschieden werden. Der zuständige Minister sowie das Japanische Olympische Komitee dementierten umgehend, doch die Verantwortlichen sind sich sicherlich bewusst, dass die Entscheidung nicht nur in japanischen Händen liegt. Sollte sich die Lage rund um das Corona-Virus innerhalb der nächsten zwei Monate nicht spürbar verbessern, werden die Stimmen derer, die eine Verschiebung verlangen, lauter werden.

Nach einer Entspannung sieht es leider noch nicht aus – auch wenn chinesische Wissenschaftler erst vor Tagen verlauten ließen, dass sie die Spitze der Neuerkrankungen für Mitte Februar erwarten. Da es jedoch momentan mehrere Tausend neue Krankheitsfälle pro Tag mit mehreren Dutzend neuen Todesfällen gibt, muss man sich auf einen langen Kampf und große Unsicherheit einstellen.

Müssen sich Japanbesucher Sorgen machen? Die Antwort beim jetzigen Stand der Dinge lautet: Nein, nicht mehr als in Deutschland zum Beispiel. Doch auch in Japan gilt natürlich: Lieber auf Nummer Sicher gehen und grundlegende Hygieneregeln so gut einhalten wie möglich. Im Zweifelsfall kann man auch die von der japanischen Tourismusbehörde betriebene Hotline anrufen: 050-3816-2787. Die ist rund um die Uhr auch auf Englisch erreichbar.

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