Marines Okinawa
Im Norden Okinawas trainieren Marines die Kriegsführung im Dschungel. ©Lance Cpl. Corey A. Blodgett

NEWS | US-Militär gibt Land in Okinawa zurück

Hannah Janz

Entlastet die geplante Rückgabe von Land, das bisher als Militärstützpunkt und Trainingslager für das US-Militär genutzt wurde, die Insel Okinawa und ihre Bewohner?

Die US-Armee wird voraussichtlich Ende Dezember Teile ihrer größten Basis auf Okinawa, der Hauptinsel des südlichen Ryūkyū-Archipels, an Japan zurückgeben. Die Northern Training Area (NTA, hokubu kunrenjō 北部訓練場) nimmt 78.33km² ein und beherbergt unter anderem Camp Gonsalves, ein Übungsareal zum Dschungelkrieg.

Okinawa BasisKarte von Okinawa, Stand 2015, veröffentlicht durch Project Disagree, in dem sich die lokale Bevölkerung gegen die Präsenz des US-Militärs zusammengeschlossen hat. Die in Orange gestrichelten Flächen zeigen die Fläche an, die bisher von den US-Streitkräften als Northern Training Area verwendet wurde. Die hellrot als geplant eingezeichneten Helikopter-Landeplätze sind seit September 2016 fertiggestellt. ©projectdisagree.org

Wie die Japan Times berichtete, laufen die Vorbereitungen zu offiziellen Festlichkeiten für die Rückgabe von etwa 40km² des nördlichen Teils des Areals. Die japanische Regierung geht davon aus, die Zeremonie am 20. Dezember 2016 abhalten zu können. Bedingung für die seit mehr als zehn Jahren geplante Rückgabe des Geländes seitens der US-Regierung war die Errichtung von Helikopter-Flugplätzen. Deren Bau begann 2007, wurde aufgrund starker Proteste der lokalen Bevölkerung aber immer wieder unterbrochen.

Gefährdung der Zivilbevölkerung führt zu Protesten

Das US-Militär behält die südlichen Teile des Geländes. In Zukunft sollen dort Osprey-Flugzeuge landen. Aufgrund der Fähigkeit der Osprey, wie ein Helikopter senkrecht zu starten und anschließend in den Starrflügelmodus zu wechseln, sind diese Flugzeuge besonders für schwierige Rettungseinsätze geeignet. Allerdings ist die Lärmbelastung durch diesen Wandeltyp höher als bei konventionellen Hubschraubern. Auch war die Entwicklung der Osprey-Modelle geprägt von zahlreichen, teils tödlichen, Unfällen und Abstürzen. Diese beiden Punkte sowie pazifistische Anliegen führten im Sommer diesen Jahres nach Fertigstellung der Helikopter-Landeplätze noch einmal zu Protesten der Bevölkerung, die japanweit Aufmerksamkeit erlangten.

ADVERTISEMENT
Osprey-Kipprotorenhubschrauber ©Lance Cpl. Matthew L. Hebert, U.S. Marine Corps

2006 wurde zudem bekannt, dass das US-Militär in den 1960ern auf Camp Gonsalves weiträumig mit dem Entlaubungsmittel Agent Orange experimentiert hatte. Anwohner verlangten daraufhin, dass das US-Militär transparent machen solle, welche biologischen oder chemischen Kampfstoffe zurzeit auf dem Gelände lagerten oder sogar eingesetzt würden. Das bergige Waldgebiet im Norden, auf dem sich Camp Gonsalves befindet, ist eines der Hauptgrundwassergebiete der Insel Okinawa. Entsprechend wichtig wäre eine bisher nicht erfolgte Klärung möglicher Verschmutzung des Trinkwassers.

Bisher stellte Okinawa 74% der japanweit für US-Militärbasen verwendeten Landfläche, obwohl Okinawa selbst nur 0,6% des japanischen Territoriums ausmacht. Die Rückgabe von Teilen der Northern Training Area würde diese Belastung erheblich reduzieren.

Weiterführende Artikel

Warum gibt es US-Militärbasen in Japan?

NEWS | Verstoßen die USA gegen den Sicherheitsvertrag mit Japan, indem sie britische Soldaten an Dschungelübungen teilnehmen lassen?

NEWS | Streit um die Belastung Okinawas durch US-Militärbasen

ADVERTISEMENT

Spezialkolumne

Wenn Männer und Frauen Freunde sind

Persönlich und interkulturell: Unsere Autorinnen berichten über Männer-Frauen-Freundschaften in Japan und Deutschland.

Diese Woche meist gelesen

Neueste Artikel