Diese Woche in Japan | 18. Januar 2019

Nils Gärtner
Nils Gärtner

Zwei der dieswöchentlichen Themen aus den japanischen Nachrichten befassen sich wieder einmal mit der Welt der Naturgewalten: Während in Kōbe eine Gedenkfeier abgehalten wird, bricht andererorts ein Vulkan aus. Japan scheint nicht zur Ruhe zu kommen.

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Touristen lassen Rekordsumme von 4,5 Bio. Yen in Japan

Am Mittwoch gab die Japanische Agentur für Tourismus bekannt, dass ausländische Touristen im letzten Jahr rund 4,5 Bio. Yen für Güter und Dienstleistungen in Japan ausgaben.

Verglichen mit den Vorjahren erfolgten die Berechnungen aufgrund neuer Kalkulationsweisen und einer größeren Anzahl an Stichprobendaten. Der durch die alte Methode errechnete Wert lag zunächst sogar bei 4,8 Bio. Yen, wurde nun aber nach unten korrigiert.

Vor allem Touristen aus weit entfernten Ländern tendieren dazu, viel Geld in Japan auszugeben. 2018 war die Rangliste der durchschnittlichen Ausgaben pro Person wie folgt angeführt: Den 1. Platz nahmen die Australier mit 242.000 Yen ein, dicht gefolgt von den Spaniern auf dem 2. Platz mit 237.000 Yen. Auf dem 3. Platz befanden sich die Italiener mit 224.000 Yen.

Die japanische Regierung verfolgt weiterhin Bestrebungen, das selbstgesetzte Ziel von 8 Bio. Yen zum Olympiajahr 2020 zu erreichen, wenn die Spiele in Tōkyō abgehalten werden. So wurden etwa Maßnahmen erweitert, durch welche ausländische Touristen von der japanischen Mehrwertsteuer befreit werden können.

Vulkanausbruch in Südjapan

Auf der Insel Kuchinoerabu-jima in der zu Kyūshū gehörenden Präfektur Kagoshima brach am Donnerstagmorgen der Vulkan Shindake, nahe des Orts Yakushima, aus.

Die Japanische Agentur für Meteorologie gab jedoch Entwarnung für die besiedelten Gebiete der Insel und setzte die Alarmstufe auf Level 3 von 5 fest. Der aus dem Vulkan aufsteigende Rauch erreichte eine Höhe von mehr als 500 Metern. Die Lavaströme flossen von der Ausbruchstelle etwa 1,5 Kilometer weit. Zudem wurde vulkanisches Gestein durch die Explosion bis zu 1 Kilometer weit geschleudert.

Bereits am 18. Dezember 2018 gab es eine Eruption des Vulkans, welche von einem 1 Kilometer langen Lavastrom begleitet wurde. Die neuesten Ausbrüche sind jedoch schwächer als die Eruption im Mai 2015, welche eine Evakuierung der ganzen Insel bedingte.

Moskau fordert von Japan, den Ausgang des Zweiten Weltkriegs zu akzeptieren

Der russische Außenminister Sergei Lavrov statierte in einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Japan und Russland noch weit von einer Partnerschaft oder konstruktiver Beziehungen entfernt seien. „Warum ist Japan das einzige Land der Welt, welches den Ausgang des Zweiten Weltkriegs nicht in seiner Gänze akzeptieren will?“ fragte Lavrov während der Konferenz.

Hintergrund der Aussagen ist ein Treffen Lavrovs mit dem japanischen Außenminister Kōno Tarōzu zu Beginn der Woche. In diesem hatte er Japan aufgefordert, die Souveränität Russlands über die Kurilen zu akzeptieren, um ein Vorankommen der Friedensgespräche zu gewährleisten.

Ein Treffen zwischen Premierminister Abe Shinzō und Präsident Wladimir Putin bezüglich der Beilegung des Konflikts ist für den 22. Januar angesetzt.

Frauen der kaiserlichen Familie vom Nachfolgeritual ausgeschlossen

Die japanische Regierung entschied am Donnerstag, dass nur männliche Mitglieder der kaiserlichen Familie den Schlüsselzeremonien der Thronbesteigung Naruhitos am 1. Mai beiwohnen dürfen. Hierbei orientierte man sich an den Gegebenheiten der letzten Thronbesteigung.

Der Beschluss sorgte in der japanischen Bevölkerung für viel Unverständnis, zumal auch Ministerinnen des aktuellen Kabinetts während den Zeremonien anwesend sein dürfen. Die Begründung hierfür liege darin, dass sie aufgrund ihrer Nichtverwandtheit zur kaiserlichen Familie schließlich nur als Zuschauer aufträten.

Zur Thronbesteigung des noch amtierenden Kaisers Akihito im Jahr 1989 waren alle Beiwohner der Zeremonie männlich, da das Kabinett des damaligen Premierministers Takeshita Noboru keine Frauen in ministerialen Posten beschäftigte.

Zurzeit gibt es allerdings nur eine Ministerin im Kabinett Abes, Katayama Satsuki, welche für regionale Revitalisierung und für die Stärkung der Frauenrechte verantwortlich ist. Ob Sie die Zeremonien besuchen wird, ist noch nicht bekannt.

Gedenkfeier in Kōbe zum 24. Jahrestag der Hanshin-Awaji-Erdbebenkatastrophe

Am Donnerstag beteiligten sich, wie jedes Jahr zum 17. Januar, zahlreiche Menschen aus Kōbe und dessen Umgebung an der Gedenkfeier zum Hanshin-Awaji-Erdbeben. Das schwere Erdbeben, welches eine 7,3 auf der japanischen Magnitudenskala erreichte, forderte 6.434 Leben und verursachte weitreichende Sachschäden von knapp 100 Mrd. USD.

Die Gedenkfeier fand um 5:46 Uhr morgens, zur selben Uhrzeit wie das Beben im Jahr 1995, statt. Anwohner und Familien der Verstorbenen fanden sich auf öffentlichen Plätzen wie dem Higashi Yuenchi Park zu einer Bet- und Schweigeminute ein. Die Überlebenden bekräftigten dort ihr Gelöbnis, die durch das Erbeben gesammelten Erfahrungen an die zukünftigen Generationen weiterzugeben. „Ich befürchte, dass unsere Erinnerungen und die von dem Beben gelernten Lektionen in Vergessenheit geraten“, gab Ido Toshizō, Gouverneur der Präfektur Hyōgo, während seiner Rede zu bedenken.

U-Bahnführer Ōsakas dürfen fortan Bärte tragen

Das Bezirksgericht Ōsaka verkündete am Mittwoch seine Entscheidung im Falle zweier U-Bahnführer, die gegen die Lokalregierung der Stadt Anklage erhoben hatten. In der Klage stellten die U-Bahnführer Ansprüche, für schlechte Leistungsbeurteilungen entschädigt zu werden. Der Grund für die schlechten Bewertungen beruhe alleinig darauf, dass die Männer gegen die interne Firmenvorschrift verstießen, keine Bärte tragen zu dürfen.

Das Gericht gab der Klage statt und verurteilte die Stadtverwaltung auf 440.000 Yen Schmerzensgeld zugunsten der U-Bahnführer. Begründet wurde das Urteil damit, dass das Tragen eines Bartes eine individuelle Freiheit darstelle und das Verbot des Arbeitgebers außerhalb des gesetzlichen Rahmens liege.

Weitere News

Die Kosten des Rückbaus der japanischen Kernkraftwerke werden von der Yomiuri Shimbun auf 6.7 Bio. Yen geschätzt. Von der Berechnung ausgenommen sind die Kernkraftwerke Fukushima Daiichi und weitere sich noch im Bau befindende Anlagen.

Die Kirschblütensaison wird auch 2019 wieder verfrüht erwartet. Sie soll bereits am 20. März in der Region Fukuoka starten und zwei Tage später auch in Tōkyō beginnen. Von dort aus wird Sie sich dann langsamr nach Norden hin ausbreiten, bis sie schließlich am 10. Mai im nördlichen Hokkaidō ankommt.

Die nächste Runde der Bodenaufschüttungsarbeiten zur neuen US-Basis auf Okinawa wurde von der japanischen Regierung für März angesetzt. Bereits im Dezember 2018, zu Beginn der Arbeiten, gab es zahlreiche Kritik and Demonstrationen gegen den geplanten Stützpunkt und dessen Landaufschüttungen.

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