Ryokan für Anfänger

All About Japan
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Wer nach Japan reist, sollte sich nicht die Gelegenheit nehmen lassen, in einem traditionellen Ryokan zu übernachten. Dabei gibt es jedoch viel zu beachten: Von Onsen-Etikette bis zu unterschiedlichen Preisklassen, wir stellen Ihnen alles Wichtige zu den japanischen Unterkünften vor!

Illustration Ryokan
© pixta.jp

Ryokan sind traditionelle Herbergen, die es überall in Japan gibt, und ein Muss für diejenigen, die eine authentische und unglaubliche Erfahrung in Sachen Unterkunft während ihrer Reise im Land der aufgehenden Sonne erleben möchten. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, wie man das passende Ryokan aussucht und was Sie während des Aufenthaltes zu erwarten haben.

Eine authentische Erfahrung

Ryokan in Japan
© mitsu oka / flickr

Da wir viel mit diesem Wort um uns werfen werden, beginnen wir damit zu erklären, was ein Ryokan eigentlich ist. Wie bereits erwähnt handelt es sich um traditionelle japanische Unterkünfte, die es bereits seit Jahrhunderten gibt (das älteste ist über 1.300 Jahre alt!). Oft gelten sie als Inbegriff des japanischen Luxus, wie auch des legendären, japanischen „Omotenashi“-Kundenservice. Ryokan befinden sich typischerweise in szenischen Gegenden außerhalb der Stadtgebiete, an Orten, wo sich Gäste für wahre Ruhe und Entspannung zurückziehen können. Alle Ryokan haben ihre eigenen, einzigartigen Verkaufsargumente, aber die folgenden Aspekte sind ziemlich universell. Behalten Sie sie im Hinterkopf, um das meiste aus Ihrem Ryokan-Besuch herauszuholen!

Tatami

Tatami sind Matten, die als Bodenbelag in traditionellen japanischen Räumen und Gebäuden verwendet werden. Im Kern bestehen sie aus Reisstroh, das von weicherem, gewobenen Binsenstroh umwickelt ist, welches man igusa nennt. Viele Ess- und Schlafzimmer in einem Ryokan haben Tatami-Böden und auch die Raumgröße wird in Tatami-Einheiten gemessen. Ein „Tatami“ ist typischerweise 1,53 m² groß, auch wenn es regionale und historische Unterschiede gibt. Sie sind weich und durchaus heikel in der Pflege. Was uns zu unserem nächsten Punkt bringt…

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Schuhe

Alle japanischen Ryokan werden von ihren Gästen erwarten, dass sie ihre Schuhe in der Lobby oder im Eingangsbereich des Gebäudes (genkan) ausziehen. Je nach Unterkunft wird sich entweder ein Mitarbeiter um die Schuhe der Gäste kümmern oder es gibt ein Regal oder Schließfächer, in denen man sie selbst verstauen kann. Innerhalb der Einrichtungen der Ryokan ist der Anblick von Socken relativ normal, aber einige stellen auch Hausschuhe bereit. Eine gute Faustregel ist, dass man dort, wo Tatami ausliegt, niemals Schuhe oder Hausschuhe trägt, ebenso wenig in Badezimmern – für Badezimmer gibt es spezielle Pantoffeln, die ausschließlich dort genutzt werden!

Tee

Nach dem Einchecken ist es üblich, dass ein Mitarbeiter Ihnen Ihr Zimmer zeigt. Dort angekommen werden oft heißer grüner Tee und Snacks serviert, während Ihnen die verschiedenen Angebote des Ryokan erklärt werden. Und wo wir bei Angeboten sind…

Eingangsbereich eines Ryokan
© pixta.jp

Onsen/ Sentō

Einer der besten Gründe in einem Ryokan zu übernachten, ist der Zugang zu den Bädern auf dem Gelände. Viele verfügen über heiße Quellen (onsen) zusammen mit einem Außenbad (rotenburo), sodass Gäste ein entspanntes Bad eingetaucht in der Natur genießen können. Je nach Ryokan sind die Bäder meist für alle zugänglich, aber es gibt einige Einrichtungen, die Zimmer mit eigenem Bad oder Reservierungen der Bäder zur Privatnutzung anbieten.

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Yukata

Ein Yukata ist ein leichter Baumwoll-Kimono, den man auch als japanischen Morgenmantel oder Robe bezeichnen könnte. Ein Ryokan stellt seinen Gästen Yukata zur Verfügung – sie werden im Vorfeld in den Zimmern vorbereitet oder man kann sie beim Check-In an der Rezeption abholen. Die meisten Ryokan erlauben es, den Yukata auf dem ganzen Gelände zu tragen und japanische Gäste nehmen ihn üblicherweise mit ins Onsen, um ihn im Anschluss anzuziehen. Denken Sie daran, Unterwäsche zu tragen – Sie wollen bestimmt nicht von einer plötzlichen Yukata-Fehlfunktion oder einem unerwarteten Luftzug überrascht werden!

Futon

Betten sind nicht unbedingt ungewöhnlich in Japan, aber ein Zimmer in einem traditionellen Ryokan verfügt in der Regel nicht über ein Bett (obwohl durchaus Räume im westlichen Stil angeboten werden). Stattdessen können Sie davon ausgehen, dass bei Rückkehr vom Abendessen ein Futon auf dem Boden vorbereitet wurde. Futons bestehen aus einer faltbaren Matratze, genannt shikibuton, und einer Bettdecke namens kakebuton. Während es zwar seltsam erscheinen mag auf dem Boden zu schlafen, so sind Futons erstaunlich komfortabel, insbesondere nach einem Bad im Onsen.

Bargeld ist der König!

Auch wenn Online-Hotelbuchungen in Japan immer üblicher werden, so sind sie nicht allgegenwärtig. Je nach Ort akzeptieren Ryokan keine Kreditkarten. Stellen Sie sicher, genug Bargeld mitzubringen, um Ihren Aufenthalt und andere zusätzliche Annehmlichkeiten zu bezahlen, die Sie währenddessen vielleicht versucht sind zu kaufen. Selbst wenn Sie im Voraus per Kreditkarte zahlen, ist es nicht ungewöhnlich beim Auschecken bar zu zahlen.

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Budget

Yen
© Yamanaka Tamaki / flickr

Japan macht sich mehr und mehr einen Namen als budgetfreundliche Destination, da es sich stetig an die Bedürfnisse moderner Reisender anpasst. Aber als einzigartige Übernachtungserfahrung, die man nur in Japan erleben kann, kosten Ryokan typischerweise mehr als ein Standardhotel. Wie Hotels kommen auch Ryokan in allen Formen und Größen und das bedeutet, dass es verschiedene Preisstufen zu beachten gilt.

Bis 10.000 Yen pro Nacht

Ein Ryokan für unter 10.000 Yen pro Nacht (ca. 80 €) ist ziemlich leicht zu finden. Man findet sie üblicherweise in praktisch gelegenen Gegenden nahe kleiner Stadtzentren. Das ist perfekt für jemanden, der es vorzieht, nahe einer Bahnstation zu bleiben. Die Räume sind verhältnismäßig klein und haben meist eine Größe von sechs Tatami-Matten. Eine Mahlzeit ist wahrscheinlich nicht enthalten, doch der Service wird professionell, wenn auch eher minimal gehalten. Oftmals sind die Badebereiche sogenannte sentō, japanische Badehäuser, in dem kein natürliches Quellwasser genutzt wird. Dennoch gibt es Ryokan in dieser Preisklasse, die natürliche Quellen, wie auch ein rotenburo (Open-Air-Bad), neben anderen Annehmlichkeiten zur Verfügung stellen.

10.000 bis 20.000 Yen pro Nacht

Ryokan in dieser Preisklasse (bis ca. 160 €) findet man normalerweise an den Rändern kleiner Städte, bei denen eine kurze Bus- oder Taxifahrt von der nächsten Bahnstation möglicherweise von Nöten sein wird. Die Zimmer sind etwas größer und beinhalten mehr Ausstattung. Sollten sie in einer bergigen Region liegen, dann haben Gäste vermutlich Zugang zu einem Onsen. Sie werden ein Standard-Futon auf dem Boden haben und auch ein typisch japanisches Kaiseki-Dinner ist vielleicht in Ihrem Aufenthalt enthalten. Dazu später mehr!

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Ryokan bei Nacht
© pixta.jp

20.000 bis 30.000 Yen pro Nacht

Die meisten Ryokan dieser Preisklasse (bis ca. 240 €) liegen in Resorts in ländlichen, bergigen Regionen. Wahrscheinlich bieten sie einen Shuttlebus an, der die Gäste von und zur nächstbesten Bahnstation fährt. Die Zimmer können eine moderne Fusion mit traditionellem Touch sein, wie z.B. bequeme Futons in kleinen Bettgestellen für die Nacht. Exzellente Onsen mit mehreren Badebereichen sind normalerweise als Teil Ihres Aufenthaltes inbegriffen, sowohl im Innen- als auch im Außenareal. Ein reichliches Kaiseki-Menü wird im Speisesaal eines Restaurants oder auf dem eigenen Zimmer serviert.

Ab 30.000 Yen pro Nacht

Diese hochwertigen Ryokan enttäuschen nicht! Die meisten von ihnen befinden sich in Bergregionen und sind in ganz Japan berühmt. Wie in der vorherigen Kategorie steht zumeist ein Shuttlebus an der nächstgelegenen Bahnstation bereit. Für den Preis ist die Qualität der Zimmer exzellent, mit großer Ausstattung und viel Platz zum Entspannen. Einige Ryokan verfügen sogar über ein privates Onsen in jedem Zimmer, sodass Sie ein Bad in einer heißen Quelle in völliger Ruhe genießen können. Das Kaiseki-Dinner ist ein wahrhaftes Festmahl, zubereitet aus frischen und regionalen Zutaten. Üblicherweise steht Ihnen entweder ein weiches, wolkengleiches Bett oder ein Futon zur Auswahl (manche Räume haben sogar beides!).

Die Kaiseki-Dinner-Erfahrung

Kaiseki-Menü
© pixta.jp

Im Allgemeinen kann man sagen, dass Ryokan im höherpreisigen Niveau ein Kaiseki-Dinner bereits inklusive haben. Dieses typisch japanische Essen ist ein Festmahl, das aus vielen kleinen Gerichten besteht und in mehreren Gängen serviert wird. Misosuppe und Reis sind immer als Teil des Menüs dabei, aber der Rest spiegelt lokale Spezialitäten und Zutaten wider. Meeresfrüchte sind typischerweise der Hauptaspekt eines jeden Kaiseki-Menüs, sei es frisches Sashimi, saftiges Krebsfleisch oder ein wackeliger, herzhafter Meeresfrüchte-Stich (chawanmushi). Die Gerichte werden normalerweise in den Zimmern der Gäste oder in privaten Speisesälen serviert. Sie kommen zwar auf kleinen Tellern, aber eben eines nach dem anderen, sodass selbst die hungrigsten Gäste zufriedengestellt werden! Kombiniert mit einem lokalen Sake erwartet Sie eine einzigartige Dinner-Erfahrung, die Sie nie vergessen werden!

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Allergien

Wenn Sie Allergien oder besondere Ernährungsbedürfnisse haben, sollten Sie das Ryokan im Voraus kontaktieren und sich Ihr Essen bestätigen lassen. Die meisten Unterkünfte werden sich dementsprechend anpassen, wenn man ihnen vorher Bescheid gibt. Auch wenn es vielleicht unehrlich erscheint, aber betonen Sie, dass es sich um eine Allergie handelt – in Japan wächst zwar das Verständnis für unterschiedliche Essgewohnheiten, aber Übersetzungsprobleme oder dass bestimmte Lebensmittel einfach in einem anderen Teil des Essens landen, möchte man doch vermeiden.

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Onsen

Entspannen im Onsen
Onsen sind zum Entspannen da. Wer einige einfache Regeln befolgt, wird den Besuch mit Sicherheit genießen.

Wir haben diesen Punkt zwar in einigen anderen Artikeln bereits ausführlich behandelt, aber fassen wir die wichtigen Punkte für Neulinge noch einmal zusammen. Diese Dinge sollten Sie beachten, wenn Sie ein Onsen besuchen: Wenn Sie das Glück haben, ein privates Onsen auf dem Zimmer zu haben, dann müssen Sie nicht unbedingt die öffentlichen Bäder besuchen. Aber diese gelten als tolle soziale Erfahrung und sind absolut empfehlenswert, auch wenn Sie sich im Adamsanzug ein wenig schüchtern fühlen sollten!

Bringen Sie Ihren Yukata (oder andere Kleidung) zum Anziehen nach dem Bad mit. Ziehen Sie Ihre Kleidung im Umkleidebereich aus und platzieren Sie sie in einen Korb oder Regal (oftmals kann man diese abschließen, falls Sie um Ihre Wertsachen besorgt sind). Mit einem kleinen Handtuch gehen Sie zu den Duschen. Waschen Sie sich gründlich mit den bereitgestellten Toilettenartikeln, BEVOR Sie in das Bad steigen. Baden ist in Japan ein Weg zum Entspannen – das Duschen davor ist für die Hygiene.

Person beim Baden im Onsen
© pixta.jp

Egal, welches Wetter herrscht, die rotenburo-Außenbäder sind ein unglaubliches Erlebnis – währenddessen in natürlicher Schönheit zu baden ist unvergleichlich! Handtücher gehören in kein Bad und halten Sie Ihren Kopf über Wasser. Wenn Sie fertig sind, duschen Sie sich einmal ab, wenn Sie glauben, dass das Wasser eine zu hohe Konzentration an Mineralien hatte. Ansonsten trocknen Sie sich ab, bevor Sie wieder den Umkleidebereich betreten.

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Tattoos

Tattoos sind normalerweise in Onsen nicht erlaubt, da sie bis heute mit den Yakuza assoziiert werden. Einige Unterkünfte sind etwas toleranter, wenn Sie eindeutig kein japanischer Bürger sind, aber selbst ausländische Besucher werden dazu angehalten, diese Etikette einzuhalten. Im Zweifelsfall nutzen Sie einfach Pflaster und Verbände, um ihr Tattoo zu verdecken und es wie eine Verletzung aussehen zu lassen, bevor Sie das Bad betreten. Versuchen Sie dabei so gut es geht ihre „Verletzung“ nicht unter Wasser zu tauchen.


Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch bei All About Japan veröffentlicht und von JAPANDIGEST übersetzt und nachbearbeitet.

Verwendete Creative Common-Lizenzen:
CC BY-NC-ND 2.0

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