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Onsen-Etikette: So genießen Sie Japans heiße Quellen

Kerstin Coopmann
Kerstin Coopmann

Ein entspannendes Bad in einem Onsen, einer natürlichen heißen Quelle, gehört für viele zu den absoluten Highlights bei einer Japanreise. Damit Sie sich dabei auch nicht blamieren, erklären wir Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Onsen-Etikette: Waschen vor dem Baden
© すしぱく / pakutaso

Fällt Ihnen etwas Entspannenderes ein, als nach einem anstrengenden Sightseeingtag in dampfendes Thermalwasser einzutauchen und bei einem heißen Bad im Freien die Aussicht auf eine der wunderschönen natürlichen Szenerien, die Japan zu bieten hat, zu genießen?

Der Besuch eines Onsens (温泉, heiße Quelle) ist für viele Japaner eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die Körper und Seele entspannt. Das natürliche Thermalwasser vulkanischen Ursprungs bietet mit seinem hohen Mineraliengehalt, der von Quelle zu Quelle variiert, allerlei gesundheitliche Vorteile. Und dank der zahlreichen aktiven Vulkane lassen sich so gut wie überall in Japan solche Bäder finden.

Onsen gibt es zwar auch kostenlos in der freien Natur, doch häufig sind sie an ein Badehaus oder eine Unterkunft angeschlossen. Das Wasser wird hier dann bei Bedarf auf eine Temperatur zwischen 35-48°C heruntergekühlt. Meist gibt es verschiedene Becken mit unterschiedlichen Wassertemperaturen, sodass für jeden etwas dabei ist. Das Baden in öffentlichen Badehäusern hat in Japan eine lange Tradition und so ist es nicht verwunderlich, dass es hierfür feste Verhaltensregeln gibt. Um nicht negativ aufzufallen, sollten Sie sich diese gut merken, bevor Sie ein Onsen besuchen.

Welches Onsen passt zu mir?

Zunächst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass man ein Onsen in der Regel nackt betritt. Aus diesem Grund ist der Badebereich der meisten Badehäuser heutzutage geschlechtergetrennt. Sogenannte konyoku (gemischte Bäder) waren zwar früher die Norm, werden allerdings immer seltener. Wer als gemischte Gruppe zusammen baden möchte, sollte nach solchen Einrichtungen Ausschau halten. Inzwischen gibt es, wenn auch selten, auch Onsen, bei denen gemischte Becken mit Badekleidung genutzt werden. Informieren Sie sich am besten online, wo Sie diese finden können.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich ein privates Bad zu suchen. Besonders für Paare oder Familien ist dies eine tolle Option, um mit mehr Privatsphäre gemeinsam im heißen Wasser zu entspannen. Traditionelle Gasthäuser (ryōkan) verfügen teilweise über Zimmer mit eigenem Onsenbad. Alternativ können private Bäder für einen bestimmten Zeitraum bei der Unterkunft reserviert werden.

Besonders schön sind Onsen im Freien, da sie meist eine tolle Aussicht bieten. Diese nennt man rotenburo. Unter diesem Link finden Sie eine Liste mit empfehlenswerten Badehäusern. Apropos Badehäuser: Nicht zu verwechseln mit Onsen sind Sentō. Dabei handelt es sich ebenfalls um öffentliche Badehäuser, jedoch ohne natürliches Thermalwasser. Onsen erkennen Sie übrigens häufig an folgendem Symbol: ♨. Halten Sie einfach die Augen offen, dann werden Sie garantiert schnell fündig.

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Onsen-Symbol
Dieses offizielle Symbol weist auf ein Onsen hin.

Wer ein Tattoo trägt, sollte sich allerdings besser im Voraus informieren, da viele Badehäuser diese ablehnen. Mit ein bisschen Recherche lässt sich jedoch auch für diesen Fall eine geeignete Lösung finden, da immer mehr Onsen-Betreiber sich auf die steigende Anzahl ausländischer Besucher einstellen und ihre Verbote lockern.

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Nicht zuletzt gibt es auch Onsen extra für die Füße, sogenannte ashu yu. Diese findet man häufig kostenfrei an Raststätten, Bahnhöfen oder in Onsen-Orten. Hier kann man ganz bequem nebenbei seine Füße entspannen und muss dafür lediglich Schuhe und Socken ausziehen.

Fuß-Onsen: ashi yu
Im ashu yu (Fuß-Onsen) können Sie Ihre Füße entspannen.

Was lasse ich in der Umkleidekabine, was nehme ich mit ins Bad?

Für Ihren Onsen-Besuch sollten Sie am besten zwei Handtücher einpacken, ein großes und ein kleines. Diese können ansonsten aber bei den meisten Einrichtungen auch gegen eine Gebühr ausgeliehen werden. Shampoo, Spülung und Duschgel gibt es vor Ort, Sie können aber auch Ihre eigenen Hygieneartikel mitbringen. Wer lange Haare hat, sollte zudem ein Haargummi mit im Gepäck haben.

Bevor Sie den Umkleidebereich betreten, müssen Sie Ihre Schuhe ausziehen und diese in dem hierfür vorgesehenen Regal oder Schuhfach abstellen. An dieser Stelle müssen Sie meist auch darauf achten, dass Sie den richtigen Bereich betreten, weil ab hier nach Geschlechtern getrennt wird. Vor dem Bereich für Frauen (onna, 女、おんな) hängt oft ein roter, vor dem für Männer (otoko, 男、おとこ) ein blauer Vorhang.

Eingang für Frauen bzw Männer im Onsen
Den Frauen- bzw. Männerbereich im Onsen erkennt man meist an den Vorhängen. Wer die Schrift nicht lesen kann, erkennt den Frauenbereich in vielen Fällen an der roten, den Männerbereich an der blauen Farbe.

Im Umkleideraum finden Sie Regale mit Körben und manchmal Schließfächer für Wertsachen. Legen Sie Ihre Klamotten und das große Handtuch in einem der Körbe ab und nehmen Sie nur das kleine Handtuch und eventuell Shampoo, Duschgel und Spülung mit in den Badebereich.

Es versteht sich zwar eigentlich von selbst, aber das Fotografieren ist im Onsen nicht erlaubt. Lassen Sie Handy und Kamera also im Umkleidebereich.

Umkleiderbereich im Onsen
Im Umkleidebereich gibt es Körbe für Kleidung, Handtuch und Gepäck.

Duschen vor dem Baden nicht vergessen!

Bevor Sie in das entspannende Onsenwasser eintauchen, müssen Sie sich gründlich waschen. Die Bäder dienen nur zum Entspannen. Da sie von allen benutzt werden, ist es absolut wichtig, dass sie nicht schmutzig betreten werden.

Nutzen Sie zum Waschen den hierfür vorgesehenen Bereich. Diesen erkennen Sie daran, dass mehrere Duschen zum Sitzen nebeneinandergereiht sind. Setzen Sie sich auf einen der Hocker und waschen Sie sich mit Seife und Shampoo. Die großen Schüsseln dienen zum anschließenden Abduschen.

Waschbereich im Onsen
Vorm Eintauchen in das entspannende Onsenwasser sollte man sich im Waschbereich gründlich reinigen.

Im Onsen entspannen

Nun ist es endlich an der Zeit, im Onsen zu entspannen. Achten Sie darauf, lange Haare zuvor zusammenzubinden und das kleine Handtuch um Ihren Kopf zu binden oder irgendwo abzulegen. Weder Handtuch noch Haare dürfen in Kontakt mit dem Thermalwasser kommen. Das kleine Handtuch dient zum Waschen und zum groben Abtrocknen nach dem Baden.

Onsenbäder sind zum Entspannen da, weshalb Sie sich an folgende Regeln unbedingt halten sollten: keine lauten Gespräche, kein Herumrennen, Planschen oder Spritzen mit Wasser. Zum Schwimmen sind die Bäder ebenfalls nicht geeignet. Tauchen Sie bitte auch nicht, sondern sitzen Sie einfach ganz entspannt im Becken und entspannen Sie sich. Und nicht vergessen: Sobald Sie merken, dass das heiße Wasser Ihren Kreislauf anstrengt, legen Sie eine Pause ein. Ein Bad im Kaltwasserbecken kann ebenfalls helfen.

Entspannen im Onsen
Onsen sind zum Entspannen da. Wer einige einfache Regeln befolgt, wird den Besuch mit Sicherheit genießen.

Das klingt nun nach vielen Vorschriften und Verboten, doch man hat sich sehr schnell daran gewöhnt und möchte die Erfahrung meist nicht mehr missen. In diesem Sinne: Viel Freude und Erholung bei Ihrem Onsenbesuch!

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