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Shirakawago & Gokayama – Japanische Märchendörfer in den Bergen

Diana Casanova
Diana Casanova

Trotz ihrer abgelegenen Lage tief in den Bergen der Japanischen Alpen sind die Dörfer Shirakawago und Gokayama beliebte Touristenattraktionen. Grund dafür sind die traditionellen Wohnhäuser im Gasshō-zukuri-Baustil, die sogar als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurden.

Shirakawago
Shirakawago und Gokayama gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Tief in den Bergen der Japanischen Alpen im Nordwesten Japans waren die kleinen Dörfer Shirakawago und Gokayama (Präfektur Gifu und Toyama respektive) für lange Zeit beinahe vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Grund dafür war die schwer zugängliche bergige Landschaft, durch die es im Winter aufgrund meterhoher Schneefälle kein Durchkommen gab. Selbst im 21. Jahrhundert waren die nur 10 km voneinander entfernten Dörfer im Winter bis zu sechs Monate isoliert. Das änderte sich erst im Jahre 2008, als eine neu gebaute Autobahn sie mit den Metropolen Toyama im Norden und Ichinomiya bei Nagoya im Süden verband. 

Shirakawago
Shirakawago von oben, umgeben von Bergen und Wäldern. © JNTO

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Häuser der betenden Hände

Früher, in der Edo-Zeit (1603-1868), überlebten die Menschen im dicht bewaldeten Hida-Hochland durch den Anbau von Buchweizen, Hirse und Maulbeerbäumen, welcher vor allem am nahegelegenen Shōgawa-Fluss betrieben wurde, sowie durch die Zucht von Seidenraupen. Ihre Wohnhäuser sind Zeuge dessen, wie sich Bewohner damals an die schwierigen Witterungsbedingungen perfekt angepasst haben. Sie sind im sogenannten Gasshō-zukuri-Stil erbaut, was sich in etwa mit “Stil der betenden Hände” übersetzen lässt. Der Ursprung dieses Begriffs liegt im Buddhismus, in dem gasshō eine Grußgeste beschreibt, bei der die Handinnenflächen mit den Fingerspitzen nach oben vor der Brust zusammengebracht werden.

Shirakawago in der Präfektur Gifu
Shirakawago in der Präfektur Gifu. © JNTO

Dieser Baustil zeichnet sich durch bis zu 60 Grad steile, strohbedeckte Dächer aus, die an die Grußgeste erinnern. Dadurch sollen die Häuser den schweren Schneemassen im Winter standhalten, da der Schnee leichter heruntergleiten kann. Das besondere daran ist, dass diese Konstruktion gänzlich ohne Nägel funktioniert. Die drei bis vier Stockwerke der Gebäude wurden zudem aktiv genutzt: Während die Familien in den unteren Stockwerken lebten und arbeiteten, dienten die oberen bzw. das Dachgeschoss zur Zucht von Seidenraupen, deren Seide besonders bei der Herstellung von Kimonos Verwendung fand. Im Winter stieg die Wärme der Feuerstellen nach oben und sorgte für ideale Zuchtbedingungen unter dem Dach. Das war im harten Winter von großer Bedeutung, da die Seidenraupenzucht für viele damalige Familien oftmals die einzige Möglichkeit darstellte, Einkommen zu erzielen. 

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Shirakawago Gassho Haus
Ein typisches Haus im Gasshō-zukuri-Stil im sommerlichen Shirakawago. © Photo AC / Nextlevel-Japan

Wertvolles Kulturerbe

Viele dieser traditionellen Häuser haben dem Zahn der Zeit nicht standhalten können, fielen Bränden zum Opfer oder wichen moderneren Bauten. Genauso starben manche kleinere Dörfer aus, als die Menschen von dort wegzogen. Gab es 1924 noch ca. 300 Häuser im Gasshō-zukuri-Stil, waren es 1961 nur noch 190. Aus Angst, dass sie komplett verschwinden würden, einigten sich 1971 die Hausbesitzer vom Dorf Ogimachi (das größte in Shirakawago, welches im Übrigen aus mehreren Dörfern besteht) darauf, den drei Prinzipien des “Nicht verkaufen”, “Nicht vermieten” und “Nicht zerstören” zu folgen. Daraus entwickelte sich eine lokale Vereinigung, die sich für die Erhaltung der traditionellen Gebäude einsetzte. Ihr kultureller Wert wurde sowohl in Japan als auch international glücklicherweise erkannt – 1995 wurden die Häuser im Gasshō-zukuri-Stil aus Shirakawago und Gokayama als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. 

Gokayama
Ein Dorf in Gokayama in der Präfektur Toyama. © JNTO

Viele Sehenswürdigkeiten

Heute sind die historischen Holzbauten, einige davon schließlich über 250 Jahre alt, eine der größten und beliebtesten Attraktionen der Region, trotz ihrer abgeschiedenen Lage. Mit 59 gut erhaltenen Häusern ist Ogimachi das größte Dorf, von dessen Sternwarte man außerdem ein wundervolles Panorama auf den Ort erhält. In Gokayama ist besonders ein Besuch der kleinen Dörfer Ainokura und Suganuma empfehlenswert. Ersteres liegt an einem beeindruckenden Berghang und in Suganuma stehen noch zwei originale Häuser aus der Edo-Zeit. 

Einige der Häuser sind bewohnt, andere wurden z. B. in kleine Museen umgewandelt, in denen man mehr über die damalige Wohn- und Lebensweise der Menschen erfahren kann. Wiederum andere dienen als Herbergen (minshuku), in denen die Gäste im traditionellen Flair der Edo-Zeit auf Tatami-Matten übernachten können. 

Gokayama
Einige der Gasshō-zukuri-Häuser dienen heute als Museen und stellen z.B. antike Werkzeuge aus, wie hier in Gokayama. © JNTO

Shirakawago und Gokayama sind zu allen Jahreszeiten ein Hingucker. Im Winter entfesseln sie jedoch eine besondere Magie, wenn die schweren Schneemassen die Dächer der Häuser zentimeterdick bedecken und an ausgewählten Tagen im Januar und Februar bei Nacht kunstvoll beleuchtet werden. Im Februar kann der Schnee bis zu 1,7 m hoch fallen – der höchste gemessene Schneefall lag sogar bei 4,5 m. Im Sommer bleiben die Temperaturen meist angenehm mild, anders als in anderen Teilen Japans, wenn sie im August und September über 30 Grad mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit erreichen.

Shirakawa-mura
Im Winter entfaltet Shirakawago seine Magie, wenn die alten Häuser nachts beleuchtet werden.

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Anfahrt und Übernachtung

Auch wenn die Anbindung an Shirakawago und Gokayama sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, muss man für die Anfahrt ein wenig Zeit einplanen. Eine direkte Bahnverbindung gibt es nicht. Am besten erreicht man Shirakawago mit dem Bus von Takayama oder Toyama aus. Alternativ kann man vom Bahnhof Takaoka einen Bus direkt nach Ogimachi oder Gokayama nehmen. Von Gokayama erreicht man Shirakawago mit öffentlichen Bussen oder Taxi. 

Eine Übernachtung in einem traditionellen Gasshō-zukuri-Haus ist beinahe Pflicht, allerdings nicht ohne weiteres möglich, denn die Zahl der verfügbaren Zimmer ist sehr begrenzt. Eine vorherige Reservierung ist in jedem Falle nötig, entweder bei den Herbergen direkt (hier sind Japanischkenntnisse von Vorteil) oder auch über Seiten wie Booking und Tripadvisor. Da diese äußerst beliebt sind, ist eine frühzeitige Buchung zu empfehlen. Eine Nacht kann je nach Herberge zwischen 8.000 und 19.000 Yen (ca. 60 und 150 €) kosten und enthält in der Regel Frühstück und Abendessen. Hier ist zu beachten, dass nicht alle Herbergen und Restaurants vor Ort (ausländische) Kreditkarten akzeptieren, daher ist Barzahlung zu empfehlen.  

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