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Zu Besuch im Samurai Museum Berlin

Manuel Piwko
Manuel Piwko

Mit den letzten Samurai-Aufständen im Jahr 1877 wurde auch das Ende der Samurai besiegelt. Doch die Bedeutung für die heutige Kultur, vor allem in Japan, ist nicht von der Hand zu weisen. Das Samurai Museum Berlin zeigt anhand einer multimedialen Inszenierung, dass das Erbe der Samurai Kriegerklasse weiterlebt.

Samurai-Figuren mit Pferden
© Samurai Museum Berlin, Foto: Alexander Schippel

Am 8. Mai 2022 öffnete das Samurai Museum in Berlin erstmals seine Pforten und ermöglicht es damit den Besucher:innen, die einzigartige Sammlung des Museumsgründers Peter Janssen zu betrachten. Die jahrelange Leidenschaft für die japanische Kultur, aber auch die Geschichte der Samurai hat den Gründer des Museums dazu animiert, seine Privatsammlung in Europas erstem Samurai-Museum zu vereinen und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Über die Jahre hat sich einiges angesammelt: Die Dauerausstellung zeigt auf 1500 qm mehr als 1000 Exponate. Von imposanten Rüstungen, Helmen, Schwertern und deren eindrucksvollem Schwertschmuck bis hin zu Keramiken und Malerei. Eine informative, aber vor allem multimediale und moderne Reise durch die Historie der Samurai.

Neben der Dauerausstellung  gibt es außerdem noch eine Fläche für Wechselausstellungen verschiedener Künstlerinnen und Künstler, die über einen kurzen Zeitraum besucht werden können. Zur Eröffnung des Samurai Museums gab es zum Beispiel die Serie „Die 7 Tugenden“ der Fotografin Sylwia Makris. Für die Kreation ihrer Fotografien hat sie sich intensiv mit dem Ehrenkodex der Samurai auseinandergesetzt und als Neuinterpretationen der historischen Ereignisse diese auf hochwertige, großflächige Leinwänden gedruckt.

Fotografie eines nachgestellten historischen Samurai-Kampfes mit tödlichem Ausgang vor dramatischen, dunklen Wolken
Yu (Mut) Mann, aus der Serie „Die 7 Tugenden“, 2021. Großformatige Fotos auf Leinwand © Sylwia Makris

Eine tierische Begleitung

Der aus der japanischen Mythologie bekannte Fuchs Kitsune übernimmt als Lichtprojektion die Rolle des Wegweisers durch das innovative Museum. Kitsune sind magische Tierwesen aus der japanischen Folklore, die von einem langen Leben und überlegener Intelligenz profitieren sollen. Sie sind auch Meister der Täuschung und der Verwandlung – und so nehmen sie an den zahlreichen Touchscreen-Infotafeln immer wieder die Rolle des „Ratefuchses“ ein. Das frisch erworbene oder vielleicht auch bereits vorhandene Wissen kann man da nämlich direkt überprüfen. Falls man mehr Informationen zu bestimmten Ausstellungsstücken erhalten möchte, kann man an diesen Touchscreens auch detaillierte Zusatzinformationen einsehen.  

Die multimediale Vorstellung der Exponate zeigt sich beispielsweise durch ein interaktives 3D-Modell, das durch wunderschöne Animationen durch die Geschichte Japans führt. Eines der Highlights, vor allem für die verspielten Besucher:innen: eine große Projektion in einem separaten Raum, bei der man sich auf die Suche nach Yōkai (mythologischen Wesen) macht. Gemeinsam mit der Familie oder Freunden geht man auf die Jagd, um diese durch die eigenen Hand – und Körperbewegungen einzufangen und Punkte zu sammeln.

Zwei Männer vor einem Schaubild im Samurai-Museum
Nicht nur Wissen wird vermittelt, sondern auch körperlicher Einsatz ist gefragt - wenn man will. © Piwko

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Meisterwerke der japanischen Handwerkskunst

Die meisten werden bei der Erwähnung von Samurai direkt an erprobte Kämpfer denken, talentiert in der Handhabung von scharfen Schwertern und eingehüllt in imposante Rüstungen. Ein großer Teil der Ausstellung im Samurai Museum befasst sich mit diesen Kleidungsstücken und Waffen. Eine typische Rüstung bestand aus einem Zusammenspiel aus Helm, Maske, Brustpanzer, Schurz-, Arm- und Beingliedern sowie Handschutz. Die Helme waren mit Tierverzierungen ausgestattet, die z. B. Stärke symbolisieren sollten und die beeindruckenden Masken dienten nicht nur zum Schutz, sondern auch, um die Gegner einzuschüchtern. Die Rüstungen bestehen teilweise aus bis zu 1000 Einzelteilen aus Metall und Leder. In der Friedensperiode von 1615 bis 1868 hatten sie nur noch einen repräsentativen Charakter, da sie nicht mehr zum Kampf verwendet wurden. Dadurch wurden sie noch detailreicher und kunstvoller.

Samuraihelm
Die kunstvolle Handwerkskunst kann an mehreren Ausstellungsstücken bestaunt werden. © Piwko

Eine der beeindruckendsten Installationen ist ein Nō-Theater. Nō ist eine klassische, japanische Theaterform, die mit aufwendig gestalteten Masken, prächtigen Kostümen und Begleitmusik aufwartet. Das Konstrukt wurde in Japan gefertigt, in Berlin zusammengebaut und umfasst eine quadratische Holzbühne, ein von Säulen getragenes Dach sowie eine mit einer bemalten Kiefer geschmückte Rückwand. Alle 30 Minuten werden dort Auszüge von insgesamt fünf Nō-Stücken oder einer Taiko-Trommel-Performance vorgeführt. Das ist wirklich beeindruckend und dürfte für die meisten Besucher:innen die beste Möglichkeit bieten, eine Einführung in diese einzigartige Form des japanischen Theaters zu erhalten.

Nō-Theater im Samurai-Museum Berlin
Das Herzstück des Museums: Der Nō-Theaterbau. © Samurai Museum Berlin, Foto: Alexander Schippel

Ein weiteres Highlight sind die Ausstellungsstücke der aus Zypressenholz geschnitzten Nō-Masken, die in solchen Theaterstücken getragen werden. In den Vitrinen kann man sich hautnah von der Vielseitigkeit der starren Masken überzeugen, die durch die gekonnte Lichtinszenierung unterschiedliche Emotionen zeigten – von sorgenvollen Blicken bis hin zu dämonischen Fratzen besitzen diese ein bemerkenswertes Facettenreichtum. 

Nō-Masken
© Samurai Museum Berlin, Foto: Mario Heller

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Aber auch die Teekunst, die fest in der japanischen Gesellschaft und Kultur verankert ist, erhält durch ein authentisch nachgebautes Teehaus einen Raum, um über die rituelle Zubereitung von Tee, die dazugehörigen Gerätschaften und Keramiken zu informieren. Abgerundet wird dies durch mehrere Fotografien, Farbholzschnitte und Installationen, welche die Besucher:innen zum Staunen bringen.

Ein Museum der Zukunft

Wer sagt, Museen seien langweilig und nur etwas für ältere Menschen – der war noch nie im Samurai Museum Berlin. Durch die Konzentration auf eine stilvolle Präsentation, die trotz der vielen Ausstellungsstücke nie überladen wirkt, sondern immer genau richtig in Szene gesetzt, wird eine gelungene Erinnerungsstätte für das Erbe der Samurai geschaffen, das mit modernster Technik einem breiten Publikum nähergebracht wird. Ein absolutes Muss für alle Japan-Fans und diejenigen, die mehr über die Samurai, ihr Leben und deren Einfluss auf unsere heutige Kultur erfahren möchten.


Kontakt und Anfahrt

Samurai Museum Berlin
Auguststraße 68
10117 Berlin

Montag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr

  • U-Bahn: U6 Oranienburger Tor, U8 Rosenthaler Platz
  • S-Bahn: S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße
  • Tram: M1, M5 Oranienburger Straße, M8 Rosenthaler Platz
  • Bus: 142 Tucholskystraße, M41 Abgeordnetenhaus

Mehr Infos auf: https://samuraimuseum.de/

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