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Gnome, Geister, Gruselwesen: Die yōkai der japanischen Folklore

Sina Arauner
Sina Arauner

Yōkai, übernatürliche, mythologische Wesen, spielen in der traditionellen wie populären Kultur Japans eine große Rolle. Richtig übersetzen lässt sich der Begriff ins Deutsche nicht; umschließt er doch Dämonen, Tiere, Gespenster und mehr. Diesen yōkai begegnen Sie auf Ihrer Japanreise.

Illustration: Nachtparade der 100 Dämonen
Hyakki yagyō: Die sogenannte "Nachtparade der 100 Dämonen" ist seit vielen Jahrhunderten ein beliebtes Thema von Geschichten und Kunst.

Bei einem Spaziergang durch Japan gibt es viele Orte, an denen man einem yōkai begegnen kann – shintōistische Schreinanlagen, Restaurants, Ladeneingänge, Parks… Durch Statuen oder Bilder sind die Figuren nicht nur in Geschichten, sondern auch im Alltag sehr präsent. Kulturell entspringen die Wesen mündlichen Überlieferungen jahrhundertealter Erzählungen und sind keineswegs nur auf böswillige Typen beschränkt. Sie erlebten einen regelrechten Hype während der Edo-Zeit (1603-1868). In Geistergeschichten, in Büchern, auf Holzschnitten – sonderbar übernatürliche Themen waren in vielen Aspekten der japanischen Kultur beliebte Motive. Während der folgenden Modernisierung der Meiji-Zeit, flaute das Interesse etwa ab. Doch auch heutzutage sind die yōkai als Teil der traditionellen Kultur repräsentativ für Japan und ebenso in Werken der Popkultur stark vertreten.

Doch was genau sind nun eigentlich yōkai? Zu ihnen zählen Gespenster (obake), Gottheiten (kami), beseelte Objekte (tsukumogami), Dämonen (oni), Tiere mit magischen Fähigkeiten und viele mehr. Man kann sie unterschiedlich kategorisieren, etwa nach Ort des Auftretens (Berge, Wasser, Bäume, Schnee, Pfade, Meer, Geräusche, Tiere), nach ihrer wahren Form (Mensch, Tier, Pflanze, Objekt, natürliches Phänomen), nach dem Ursprung (Diesseits, Jenseits, spirituelle Welt, Materielles) und nach der äußeren Erscheinung (Mensch, Tier, Pflanze, Objekt, Gebäude, natürliches Phänomen und Verschiedenes). Der Begriff yōkai ist sehr breit gefächert und deckt böswillige Unheilstifter ebenso wie fürchterliche Erscheinungen und eher gutgesinnte Kreaturen. Yōkai dienen als Begründung für sämtliche unerklärliche, mysteriöse Erscheinungen und Phänomene, denen die Menschen im Alltag begegnen – von einem merkwürdigen Geräusch bis hin zu einer seltsamen Figur.

Eine vollständige Aufzählung der japanischen yōkai in nur einem Artikel ist wohl kaum möglich. Dennoch gibt es einige, die im japanischen Alltag präsenter sind als andere und denen Sie auf einer Reise in Japan das ein oder andere Mal begegnen könnten.

Kitsune: Götterbote oder listiger Schelm

Kitsune-Statue in rotem Latz

Auf Japanisch bedeutet kitsune „Fuchs“ und beschreibt sowohl den Rot- und Silberfuchs, als auch das Fabelwesen. In der Mythologie tritt der Kitsune auf zwei Arten auf – als Bote der Shintō-Gottheit Inari, als der er für ein gutes Verhältnis mit den Menschen steht, vor Bösem Schutz gewährt und Glück bringt, oder als wilder Fuchs, der oftmals Streiche spielt oder unziemliches Verhalten mit Listenreichtum bestraft.

Der Kitsune ist ein Gestaltenwandler, der sich manchmal, um den Menschen einen Streich zu spielen, in ein fürchterliches Monster verwandelt, manchmal aber auch in Gestalt eines Menschen wandelt. Als hübsche Frau verdreht er jungen Männern die Köpfe und manche Kitsune verleben gar einen Großteil ihrer irdischen Dauer in Menschenform, arbeiten, gründen Familien und zeigen ihr wahres Ich nur in seltenen Fällen, wenn ihre Zauberkraft geschwächt ist.

Tengu: Lange Nase und grimmige Fratze

Statue eines Tengu-Kopfes

Der Tengu stammt ursprünglich vom chinesischen „Himmselshund“ ab, einer mythologischen Auslegung von Meteoren und einem Omen für Streit und Krieg. In Japan hat sich das Wesen im Laufe der Jahrhunderte von einem tückischen Bergdämonen zu einem menschenähnlichen Wesen mit Flügeln und einem Krähenkopf (Kotengu) und später einer sehr langen Nase (Daitengu) entwickelt. Im 12. Jahrhundert galten Tengu als böswillige Kreaturen, die buddhistische Mönche entführten und Tempel plünderten. Manche Legenden berichten gar davon, dass Mönche, die vom rechten Weg abgekommen waren und die Mächte der Tengu erlernen wollten, selbst zu Tengu wurden.

Zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert nahm der Tengu die Erscheinung der Yamabushi-Bergmönche an und kleidete sich in deren Gewand. Unter diesem Auftreten wurden dem Tengu auch vermehrt positive Attribute zugesprochen, als Meister der Kriegskunst und Beschützer des Waldes, in dem er lebt. An Tempeln, die den Shugendō-Kult der Yamabushi praktizieren, sind oft Statuen von Tengu zu finden oder es werden dort gar Gottheiten in Tengu-Form vereehrt.

Tanuki: Vergnügtes Leckermaul

Gartenstatue eines Tanuki

Wie der Kitsune ist auch der Tanuki – zu Deutsch Marderhund – ein yōkai der Kategorie der Tiere und neben diesem wohl auch eines der bekanntesten dieser Art. Er ist ebenfalls ein Gestaltwandler und kann die Form von Menschen – wie auch deren negativen Eigenschaften (Trunkenheit, Spielsucht, Bestechlichkeit) – annehmen, bevorzugt die Form eines buddhistischen Mönchs. Der Charakter des Tanuki ist in der Regel gutmütig und etwas naiv, wenn auch er ein Faible dafür hat, die Menschen auszutricksen. Er kann sich auch in Steine oder andere Objekte verwandeln, um so seine Opfer reinzulegen. Mit gutem Essen kann man den Tanuki allerdings auch zu einem guten Verbündeten machen – frei nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere.“

Eine Besonderheit des Tanuki sind seine magischen Hoden. Der Legende nach kann das Ausmaß der Tanuki-Hoden eine Größe von bis zu acht Tatami-Matten erreichen – eine Standard-Tatami-Matte ist 85 x 170 cm groß. Insbesondere in der Kunst sind die gedehnten Tanuki-Hoden immer wieder ein Motiv. Sie werden als Trommeln oder Regenschirm, als Segel oder Fischernetz, oder auch im Kampf eingesetzt. Ursprung dieses Mythos ist wohl das Goldhandwerk: Um Blattgold herzustellen, haben Metallarbeiter angeblich das zu hämmernde Gold in die Haut der Hoden gewickelt, die sich als äußerst dehnbar herausstellte.

Kappa: Amphibischer Wasserkobold mit Vorliebe für Gurken

Statue einer Kappa-Familie

Heutzutage findet man in Japan viele niedliche Statuen, Plüschfiguren, Maskottchen etc. der Kappa – doch das war nicht immer so. Denn das amphibische Wasserwesen galt lange Zeit als gefährlich und ihm wurde nachgesagt, Menschen ins Wasser zu ziehen, sie anzugreifen und zu verspeisen. Etwa ab dem 18. Jahrhundert änderte sich die Einstellung zu den Kappa, die mehr und mehr als harmlose, verspielte Kreaturen dargestellt wurden. Im Shintōismus werden sie teils als Wassergottheiten verehrt. Da Kappa Gurken besonders lieben, werden diese als Opfergabe dargeboten. Daher tragen übrigens Kappa-Maki, also mit Gurken gefüllte Sushi-Röllchen, ihren Namen.

Auf ihrem Kopf befindet sich eine mit Wasser gefüllte Delle, von der sie ihre Kräfte beziehen. Im Wasser ist ein Kappa unbesiegbar. An Land allerdings muss man den Kappa dazu bringen, das Wasser zu verschütten. Ein Trick ist dabei, den Kappa, der viel Wert auf Höflichkeiten legt, sich zum Verneigen zu bringen. Laut Legende schwören Kappa nach einer Niederlage ihrem Besieger Treue und Freundschaft.

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