tanabata
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Sternenfest Tanabata: Wenn Wünsche in Erfüllung gehen

Sina Arauner

Jedes Jahr am 7. Juli wird in Japan Tanabata gefeiert. JAPANDIGEST will die japanische Tradition von Tanabata noch genauer verstehen - und begibt sich auf eine Spurensuche, die enthüllt, dass manche Wünsche besser nicht in Erfüllung gehen!

Tanabata – auch Hoshimatsuri (“Sternenfest”) und Sasa no sekku (“Jahresfest des Bambuszweigs”) genannt – wird japanweit am 07. Juli zelebriert. Eine Ausnahme bildet die Stadt Sendai, deren berühmtes Tanabata-Fest zum siebten Monat des ehemals in Japan verwendeten lunaren Kalenders, also im August, stattfindet.

Der chinesische Ursprung eines von Japans Lieblingsfesten

Die Ursprungsgeschichte von Tanabata kennt in Japan jeder. Es ist eine romantische Geschichte von Sternen und der Liebe, die ihren Ursprung in einer chinesischen Legende hat.

Das chinesische Kyokkōden-Fest 乞巧奠 (乞 = Wunsch, 巧 = Verbesserung, 奠 = Verehrung), das die Möglichkeit bot, die Götter um mehr handwerkliches Geschick zu bitten, fand in der Nara-Zeit seinen Weg nach Japan und wurde als Fest am Hofe eingeführt.

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Um von den Sternen mehr Eloquenz in der Poetik und Handfertigkeit in der Webkunst zu erbitten, wurden japanische Gedichte auf die glatte Rückseite von Blättern des Maulbeerenbaums geschrieben. Diese Tradition hält sich bis heute. Den einzigen Wandel erlebte die Festlichkeit, indem die Blätter des Baumes durch Papier, und der Maulbeerbaum durch Bambuszweige ersetzt wurde.

Warum heißt Tanabata eigentlich Tanabata?

Tanabata wird traditionell vor dem Totenfest O-Bon gefeiert, das den Ahnen huldigt. Für die Ahnenverehrung wurden Opfergaben, wie Reis, Weizenähren oder auch gewebte Stoffe dargebracht, die auf eigens errichteten Ständen abgelegt wurden. Diese wurden als Tanabata (tana = Regal, hata = gewebter Stoff) bezeichnet und der Name wurde für das Fest übernommen.

Und was hat es mit dem Bambuszweig auf sich?

Natürlich hat auch die traditionelle Tanabata-Dekoration, die an einem Bambuszweig aufgehängt wird, eine tiefere Bedeutung, die über die reine Ästhethik hinausgeht.

tanabataDie Bedeutung der jeweilgen Tanabata-Dekoration finden Sie weiter unten.

Jede der Origami-Dekorationen, die an dem Bambuszweig (hier freundlicherweise von einer Kollegin der Autorin zur Verfügung gestellt) aufgehängt werden, haben eine eigene Bedeutung: Amikazari stellt ein Fischnetz dar. Zusammen mit dem Goldfisch Kingyo symbolisieren beide Anhänger eine reiche Ernte und guten Fischfang im Netz. Der gefaltete Papierkranich Orizuru steht für die Bitte um ein langes Leben. Eine Fülle an Symbolik hat das Gewand Kamui inne: Es symbolisiert sowohl Geschick im Handwerk, als auch ein reiches, gesundes Leben, indem Unglück in die Papierpuppe übertragen wird. Der Geldbeutel Saifu – oft aus Banknoten gefaltet – symbolisiert Reichtum und guten Umgang mit Geld. Der Anhänger Fukinagashi symbolisiert die Webkünste Orihimes, Weberin der chinesischen Legende, und soll vor Bösem schützen. Lediglich der gefaltete Korb Kuzukago ist hier nicht abgebildet (weil zu schwer für die Redaktion zu falten). Er symbolsiert die Wertschätzung der Dinge.

Auch die Farben, der Wunschzettel spielen eine Rolle. Ursprünglich stehen die fünf Farben für die chinesische Yin-Yang-Theorie und die fünf Elemente, die das Universum vereinen.

tanabataBeispielsätze zu den Farben der Wunschzettel.

Im japanischen Alltag haben die Farben jedoch eine andere Bedeutung gewonnen: Rot steht für die Eltern (hier: “Ich hoffe, meine Eltern leben lange.”), Blau für ein erstrebenswertes Ziel oder die Verbesserung einer Schwäche (hier: “Ich möchte weniger schüchtern sein.”), Gelb für die Beziehung zu Freunden (hier: “Ich möchte neue Freunde finden.”), Weiß für einen guten Vorsatz (hier: “Ich möchte aufhören zu trinken und zu rauchen.”) und Lila für Erfolg in Schule und Studium (hier: “Ich möchte die Eintrittsprüfung für die Universität bestehen.”). Lila gilt hierbei als die wirkungsvollste Farbe, von der es heißt, dass sie die meisten Wünsche erfüllen könne.

tanabataDie bunte Tanabata-Dekoration belebt etwas die Redaktion des JAPANDIGEST.

Manchmal gehen Wünsche leider nicht in Erfüllung – eigentlich ein Glück. Denn sonst wäre der Kollege, der zu Schulzeiten auch gerne unbedacht Wünsche niederschrieb, heute Baseballspieler – entgegen seiner zu Studienzeiten entdeckten IT-Leidenschaft. Und JAPANIDGEST um einen talentierten Mitarbeiter ärmer.

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