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Sadō – Die japanische Teezeremonie

Kerstin Coopmann
Kerstin Coopmann

Bei der traditionellen japanischen Teezeremonie steht der Grüntee im Zentrum des Geschehens. Viel wichtiger ist jedoch die Begegnung zwischen Gastgeber und Gästen, die von Harmonie, Ruhe und Respekt geprägt ist. Wo liegen die Ursprünge dieses einzigartigen Konzepts?

Teezubereitung bei der Teezeremonie

Die Tradition des Teetrinkens in Japan reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück, als buddhistische Mönche diese aus China überlieferten. Damals konsumierten Priester und Adelige das kostbare Getränk vor allem aus medizinischen Gründen und bis die ersten Teeplantagen in Japan angelegt wurden, dauerte es noch einige Jahrhunderte. Im 12. Jahrhundert soll der Zen-Meister Eisai Samen der Teepflanze Camelia sinensis aus China mitgebracht und damit den Grundstein für den Teeanbau in Japan gelegt haben. Außerdem heißt es, er habe die Zubereitung von grünem Pulvertee mit heißem Wasser überliefert – und damit die Basis der Teezeremonie mit Matcha.

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Historische Entwicklung

Bis sich die japanische Teezeremonie (sadō, chadō oder chanoyu auf Japanisch), wie man sie heute kennt, entwickelte, verging jedoch noch einige Zeit. Während ab dem 13. Jahrhundert Tee zu einem Statussymbol der Samurai wurde, die sich an luxuriösen Zusammenkünften mit Teeverkostungen erfreuten, liegen die Wurzeln der schlichten und bescheidenen Teezeremonie in ihrer heutigen Form im 16. Jahrhundert. Damals legte Sen no Rikyū, der Teemeister von Oda Nobunaga und später Toyotomi Hideyoshi, die formellen Regeln einer solchen Zeremonie schriftlich fest. Außerdem formulierte er deren vier Prinzipien: Harmonie (wa), Respekt (kei), Reinheit (sei) und Stille (jaku).

Teetrinken bei der Teezeremonie

Der „Teeweg“

Diese vom Zen-Buddhismus beeinflussten Werte prägen die Verbindung zwischen den Teilnehmern der Zeremonie ebenso wie deren Haltung gegenüber dem Teeraum und den verwendeten Utensilien. Der „Teeweg“, wie die Teezeremonie auch genannt wird, zählt zu den sogenannten Wegkünsten des Zen. Neben ihren strengen Regeln zeichnen sich diese dadurch aus, dass es nicht auf das Ergebnis ankommt, sondern auf das Erreichen eines meditativen Zustandes während der Praxis. Ein Teemeister zu werden dauert viele Jahre, doch abgeschlossen ist das Lernen und Perfektionieren der einzelnen Schritte niemals. Diese Eigenschaft teilt sich sadō mit anderen Zen-Künsten wie Ikebana oder Kalligrafie.

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Jede Begegnung ist einmalig

Ein weiteres Konzept, das auf Sen no Rikyū zurückgeht, lautet ichi-go ichi-e: Jede Begegnung ist einmalig. Bezogen auf die Teezeremonie bedeutet das, dass jede Teezusammenkunft mit ihren Teilnehmern nur ein einziges Mal zu dieser Zeit an diesem Ort stattfinden und nicht wiederholt werden kann. Dahinter steckt das Bewusstsein für die Vergänglichkeit – ein wichtiger Aspekt des spirituellen japanischen Denkens, der sich etwa in der Kunst, der Kirschblütenschau oder eben im Teeweg widerspiegelt.

Heute ist die Teezeremonie für alle Bevölkerungsschichten zugänglich, weltweit erfreut sie sich wachsendem Interesse. Und das nicht ohne Grund: Schließlich ist sadō ein ganz besonderes Erlebnis, das neben dem Genuss von Matcha tiefe Einblicke in Japans Kultur bietet. Sowohl vor Ort als auch bei uns in Deutschland gibt es inzwischen viele Gelegenheiten, die Teezeremonie näher kennenzulernen. Probieren Sie es doch mal aus!


Dieser Artikel erschien in der Oktober-Ausgabe des JAPANDIGEST 2020 und wurde für die Veröffentlichung auf der Website nachbearbeitet.

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