Alle Infos zum Japanese Language Proficiency Test

Constanze Thede
Constanze Thede

Die meisten Japanischlernenden nehmen sich eines Tages vor, den JLPT (Japanese Language Proficiency Test) abzulegen. Diese in Japan offiziell anerkannte Japanischprüfung hat allerdings ihre Tücken und sollte nicht unterschätzt werden.

Hand, die einen Prüfungsbogen ausfüllt
Ein typischer Antwortbogen bei Japanischprüfungen wie dem JLPT.

Der JLPT wird seit 1984 von der Japan Foundation und der Organisation Japan Educational Exchanges and Services angeboten. Man kann ihn sowohl in Japan als auch weltweit an den offiziellen Prüfungsorten ablegen. In Deutschland ist dies in Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg möglich. Hier heißt es jedoch aufpassen: Der JLPT findet zwar zweimal jährlich (jeweils am ersten Sonntag im Juli und im Dezember) statt, doch nur in Düsseldorf kann man ihn an diesen beiden Terminen ablegen; in Hamburg ist dies nur im Juli und in Stuttgart nur im Dezember möglich.

Die fünf Stufen des JLPT

Für Prüfungsinteressierte ist es außerdem wichtig zu wissen, für welche der fünf möglichen Stufen (Schwierigkeitsgrade) des Tests sie sich entscheiden sollten. N5 ist die leichteste Stufe und N1 die schwierigste. Während es für Stufe N5 ausreicht, einfache Konversationen zu verstehen und die beiden Silbenschriften Hiragana und Katakana sowie grundlegende Kanji lesen zu können, muss man für Stufe N2 bereits in der Lage sein, komplexere Gesprächsinhalte zu verstehen, und mehr als 1.000 Kanji zu lesen. Da es sich beim JLPT um einen reinen Multiple-Choice-Test handelt, muss man allerdings keine Kanji selbst schreiben. Außerdem gibt es zwar einen Hörverstehensteil, aber keine mündliche Prüfung. Im Grammatikteil gibt es aber eine Einheit, bei der man Satzteile in die richtige Reihenfolge bringen muss und beim Hörverstehensteil muss man gesprochene Floskeln richtig zuordnen können, daher sollte man auch im mündlichen Japanisch geübt sein.

N1
  • Verständnis komplexer Texte wie z.B. Zeitungsartikel, Essays und Literatur zu diversen Themen
  • Verständnis anspruchsvoller Gespräche wie z.B. zwischen Kollegen in der Firma, mündlicher Vorträge oder Nachrichtenbeiträge
N2
  • Verständnis anspruchsvollerer Texte wie z.B. Zeitschriftenartikel, Zeitungskolumnen und Literatur
  • Verständnis von Alltagsgesprächen in normalem Redetempo sowie anspruchsvolleren mündlichen Inhalten wie z.B.  Nachrichtenbeiträgen
N3
  • Verständnis von Texten zu alltäglichen Themen und Zusammenfassungen (auch Zeitungsüberschriften) und Verständnis schwierigerer Texte, die einem im Alltag begegnen
  • Verständnis alltäglicher, mündlicher Gespräche in nahezu normalem Redetempo
N4
  • Verständnis kürzerer Texte zu alltäglichen Themen, welche die Basis-Kanji und grundlegendes Vokabular beinhalten (Hiragana und Katakana sind ebenfalls Voraussetzung)
  • Ungefähres Verständnis alltäglicher Gespräche in langsamem Redetempo
N5
  • Verständnis häufig verwendeter Ausdrücke und Phrasen, geschrieben in Hiragana, Katakana und einfachen Kanji
  • Verständnis einfacher Gesprächsinhalte aus Unterricht und Alltag sowie kurzer Gespräche in langsamem Redetempo

Um selbst einschätzen zu können, welche Stufe man ablegen sollte, ist es hilfreich, sich Lernlisten zu erstellen oder auf bestehende Listen zurückzugreifen und sein Wissen zu überprüfen. So kann man feststellen, ob man bereits über die Grammatik-, Vokabel-, Kanji-, Hörverstehens- und Leseverständniskenntnisse für die jeweilige Stufe verfügt. Falls man an einer Sprachschule oder Universität Japanisch lernt, geben einem die dortigen Lehrkräfte sicher gern eine Einschätzung des eigenen Lernniveaus.

Kanji-Übungsheft mit Bleistift und Radiergummi
Kanji sind für Anfänger eine Herausforderung. © oldtakasu (Photo-AC)

Prüfungsvorbereitung

Für die JLPT-Vorbereitung gibt es eine große Vielfalt an Lehrbüchern, die sowohl für die gezielte Vorbereitung auf die relevanten Prüfungsteile als auch für die Selbstkontrolle geeignet sind, und prüfungsnahe Übungen anbieten. Greift man auf das Angebot an Lehrbüchern in Bibliotheken zurück, muss man aufpassen, da der JLPT 2010 reformiert wurde und der Test zuvor in nur vier Stufen aufgeteilt war. Ältere Lehrbücher sind ggf. zum allgemeinen Üben geeignet, aber die genaue Stufeneinteilung ist nicht mehr aktuell.

Natürlich gibt es heutzutage auch zahlreiche Apps und Online-Plattformen, die beim Lernen helfen können. Es reicht, die eigene Stufe in die Suchmaschine einzugeben, und man erhält zahlreiche Ergebnisse.

Wieviel Zeit man zum Lernen für den JLPT einplanen sollte, kann individuell sehr unterschiedlich sein kann. Beispielsweise benötigt ein Anfänger, der sich auf die Stufe N5 vorbereitet, indem er pro Woche 90 Minuten Unterricht an der Volkshochschule nimmt und einfache Hausaufgaben erledigt, evt. ein paar Jahre, bis er bereit ist, die Prüfung abzulegen. Wenn er aber z.B. den Stoff eines Semesters in einem einwöchigen Intensivkurs durchnimmt, anschließend aufbauende Kurse besucht und eigenständig gezielt für die Prüfung lernt, kann er es innerhalb eines Jahres schaffen. Andere, die sich täglich mit dem Stoff beschäftigen, und im Sprachunterricht oder individuell ihr Wissen überprüfen, brauchen vielleicht weniger als ein halbes Jahr.

Glücksbringer, Bleistifte, Radiergummis und Wörterbuch
Beim Japanischlernen benötigt man vor allem Ausdauer. Ein Glücksbringer wie hier kann aber auch nicht schaden. © Kangal (Photo-AC)

Ab N3 sind wir im Bereich Mittelstufe. Da geht es los mit Nuancen und Synonymen und grammatikalischen Feinheiten. Außer den normalen Lernmaterialien sind hier japanische Filme und Lieder sehr effektiv, um sich Vokabeln, Redewendungen und sogar Kanji einzuprägen, indem man die Filme mit japanischen Untertiteln anschaut oder sich die Texte seiner Lieblingssongs einprägt. N1 ist, genau wie die höchste Stufe in anderen Sprachen, selbst für Muttersprachler eine Herausforderung. Wenn man Stufe N2 geschafft hat, beherrscht man Japanisch schon sehr gut in Wort und Schrift.

Im ganzen deutschsprachigen Raum gibt es viele Möglichkeiten, Japanisch privat zu lernen. Viele Universitäten und Privatschulen bieten Japanischunterricht an. In der Volkshochschule werden je nach Größe des Fachbereiches der jeweiligen Stadt nur Grundlagenkurse oder Kurse für alle Stufen angeboten. Die VHS Düsseldorf stellt hier eine Besonderheit dar, da sie Japanischkurse für alle Stufen in verschiedenen Lerntempos anbietet. Es gibt auch Kurse gezielt für die JLPT-Vorbereitung sowohl für alle Stufen als auch für einzelne Stufen, um intensiver zu üben. Wenn man die Vorbereitung schon hinter sich hat, kann man sich so den letzten Schubs geben. Der Kurs dient dazu, die Parameter und den Aufbau des Tests besser zu verstehen und die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Ich selbst habe an der VHS Düsseldorf einen solchen JLPT-Vorbereitungskurs belegt. Das hat mir sehr geholfen, meine bereits vorhandenen Sprachkenntnisse gezielt für die Prüfung zu vertiefen.

Anmeldung zur Prüfung

Prüfungsinteressierte sollten übrigens unbedingt die Anmeldefrist beachten, die immer sehr früh angesetzt ist. Die Anmeldefrist für die nächste Prüfung am 05.07.2020 hat bereits begonnen und geht noch bis zum 02.04.2020. Hier können Sie sich anmelden:

Hamburg: https://www1.aai.uni-hamburg.de/japan/JLPT/

Düsseldorf: https://jlptduesseldorf.jimdofree.com/

Stuttgart (Nächster Prüfungstermin 06.12.2020): https://vhs-stuttgart.de/programm/sprachen-vhs-interkulturell/pruefungen/ – c231

Beachten Sie auch, dass eine Anmeldung nicht mehr möglich ist, wenn die Maximalanzahl an Teilnehmern erreicht ist, daher empfehlen wir eine zeitnahe Anmeldung.

Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Homepage des JLPT: https://www.jlpt.jp/e/.

Beispielaufgaben finden Sie hier: https://www.jlpt.jp/e/samples/forlearners.html

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