Ziemlich genau zehn Jahre waren seit dem schweren Erdbeben in Kumamoto im Jahr 2016 vergangen, als es erneut passierte: Am 28. Juli 2026 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,1 die Gegend rund um Kumamoto. Mit der Aufarbeitung dieser erneuten Naturkatastrophe wird man in mehrfacher Hinsicht noch jahrelang beschäftigt sein.
So manchem Bewohner von Kumamoto trieb der Anblick Tränen in die Augen: Als am 28. Juli 2026 die Erde bebte, brachen größere Teile der alten Burgmauern von Kumamoto ein – dabei war das historische Bauwerk nach den schweren Erdbebenschäden von 2016 erst mühsam wieder instand gesetzt worden. Es traf die Stadt also erneut schwer.
Doch obwohl das Erdbeben in Teilen der Stadt die Stufe 7 und damit die höchste Stufe auf der japanischen Erdbebenskala erreichte, hielten sich die Personenschäden in der Großstadt selbst in Grenzen. Anders sah es in der Gegend südlich von Kumamoto-Stadt aus: Allein in der Aeon Mall Kumamoto in Kamimashiki, einem riesigen und modernen Einkaufszentrum, kamen sieben Menschen ums Leben. Der Einsturz eines 80 Meter hohen Schornsteins in einer Papierfabrik in der Stadt Yatsushiro forderte neun Menschenleben. Insgesamt kamen 39 Menschen direkt oder indirekt infolge des Erdbebens ums Leben, schätzungsweise 30.000 Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört.
Auch die Infrastruktur wurde schwer beschädigt: Straßen und Bahntrassen waren ebenso betroffen wie Stromleitungen und die Wasserversorgung – und das mitten in einer starken Hitzewelle.
Schwere Erdbeben wie dieses setzen in Japan jedes Mal einen langen Aufarbeitungsprozess in Gang, bei dem untersucht wird, was funktioniert hat und was verbessert werden muss. Diese kontinuierliche Auswertung trägt dazu bei, dass Japan heute weltweit zu den Ländern gehört, die am besten auf Erdbeben vorbereitet sind.
Schon lange hat man dort erkannt, dass die Versorgungsinfrastruktur eine zentrale Rolle spielt: Es macht einen enormen Unterschied, ob in einem Katastrophengebiet Strom und Wasser funktionieren oder nicht. Deshalb wurde ein Masterplan erstellt, nach dem unter anderem die Wasserversorgung erdbebensicher ausgebaut werden soll. Doch gerade die betroffenen Gemeinden lagen bei der Umsetzung deutlich hinter dem Zeitplan.
Viel Stoff zum Nachdenken liefert auch die Tragödie im Aeon-Einkaufszentrum. Direkt nach dem Beben wurden die Besucher geordnet evakuiert – zunächst verlief alles nahezu vorbildlich. Doch rund 20 Minuten später kam es zu einer gewaltigen Explosion, bei der ein Teil des Gebäudes einstürzte und große Teile der Fassade regelrecht weggesprengt wurden.
Zu den Opfern gehörte die erst 22-jährige Ōtake Kurumi, Vertragsangestellte eines kleineren Geschäfts in der Mall. Sie hatte bei der Evakuierung der Gäste geholfen und befand sich anschließend selbst bereits draußen in Sicherheit. Doch dann forderten ihr Chef und ein weiterer Vorgesetzter sie auf, in das Gebäude zurückzukehren, um die Tageseinnahmen in den Tresor zu bringen. Bei der anschließenden Explosion kam die junge Frau, die erst kurz zuvor geheiratet hatte, zusammen mit einer Kollegin ums Leben.
Dass es in dem modernen Einkaufszentrum zu einer derart gewaltigen Explosion kommen würde, konnten die Vorgesetzten vermutlich nicht vorhersehen. Die Betriebsanweisungen für den Katastrophenfall waren allerdings eindeutig: Nach einer Evakuierung durften auch Angestellte das Gebäude nicht erneut betreten.
Zumindest auf technischer Seite gab es jedoch auch positive Meldungen. So wurde ein Abschnitt der Autobahn zwischen Kagoshima und Kumamoto schwer beschädigt. In dem betroffenen Bereich verläuft die Autobahn über Brücken. Obwohl sich direkt darunter eine aktive Verwerfungslinie befindet und sich der Boden auf einem breiten Abschnitt sichtbar verschob und anhob, geschah im Wesentlichen das, was die Ingenieure bei der Konstruktion vorgesehen hatten: Die Straße stürzte nicht vollständig ein, sondern sackte lediglich um rund einen halben Meter ab.
Die Autobahn war damit zwar unpassierbar, doch in dem betroffenen Abschnitt wurde niemand verletzt.
Bei der Bilanz der Schäden müssen außerdem zwei relativ neue Phänomene berücksichtigt werden. Zum einen kursierten auch dieses Mal zahlreiche Posts in den sozialen Netzwerken mit falschen oder bewusst irreführenden Inhalten. Zum anderen stornierten zahlreiche Touristen unmittelbar ihre Reisen – selbst in Gegenden, die weit vom eigentlichen Katastrophengebiet entfernt liegen. Auch dadurch entstand der Region zusätzlicher wirtschaftlicher Schaden.
Doch Kumamoto wird auch diese Katastrophe bewältigen – wie die Region bereits nach dem Erdbeben von 2016 eindrucksvoll gezeigt hat.






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