Honda schließt Werk in England: Sorgt der Brexit auch in Japan für Verunsicherung?

Matthias Reich
Matthias Reich

Mitte Februar gab Honda bekannt, dass es im Jahr 2021 seine Fabrik in Swindon, England, schließen werde. Eine schlechte Nachricht für Großbritannien, die Befürchtungen davor wachsen lässt, was der Brexit so bringen wird.

protest zu honda werksschließung
© Stefan Rousseau/PA Wire/PA Images

Es war schon eine kleine Bombe, die Honda da platzen ließ: Das Werk in Swindon, westlich von London, soll geschlossen werden; ein Werk mit immerhin 3.500 Angestellten, die dort alljährlich rund 150.000 Autos, hauptsächlich das Modell Honda Civic, zusammenschraubten. Jedes zehnte in Großbritannien gebaute Auto kam aus dem Honda-Werk. Das sind eine Menge Arbeitsplätze, und vor allem die Brexit-Gegner und Pessimisten glaubten in der Schließung sofort einen Zusammenhang mit dem EU-Austritt Großbittaniens zu sehen, der durchaus auch in Japan mit Interesse, und großer Sorge, verfolgt wird.

Hondas Konzernführung dementierte diese Gerüchte umgehend, und legte durchaus schlüssige Argumente vor: Zum einen war das Produktionsende des Honda Civic schon lange vorher besiegelt, zum anderen sei die Schließung nur eine von zahlreichen Maßnahmen einer Antwort auf die Veränderungen im internationalen Automobilgeschäft. So wird auch eine weitere Produktionsanlage geschlossen – in der Türkei. Stattdessen werden neue Produktionsanlagen in Japan, aber auch in Nordamerika gebaut und das ist durchaus verständlich, denn die Hauptmärkte von Honda liegen in den USA und China. Angeführt wurde zudem die große Konkurrenz bei Elektroautos in Europa – eine Sparte, in der Honda noch nicht mithalten kann.

Ob vorher entschieden oder nicht: Vor allem die japanischen Autobauer machen sich in der Tat große Sorgen ob eines No-Deal-Austritts. So stellen auch Nissan (rund 500.000 Fahrzeuge) und Toyota (rund 140.000) Autos in Großbritannien her, und viele davon werden für den europäischen Markt produziert. Sollten darauf nun Zölle erhoben werden, wäre das für die Hersteller langfristig gesehen ein echtes Problem. Kurzfristig gesehen gibt es jedoch eine noch größere Sorge: Vor allem bei einem ungeordneten Austritt befürchtet man – zurecht – Engpässe bei der Logistik und Probleme beim Import von Autoteilen, denn viele Zulieferer befinden sich auf dem Festland. Bei Toyota würden die Bänder als erstes stillstehen, denn das TPS (Toyota Production System) setzt voraus, dass die Zulieferungen nicht stocken. Von zu befürchtenden Wechselkursschwankungen ganz zu Schweigen. Die Sorgen der Japaner erlauben hier auch einen flüchtigen Überblick auf das, was da kommen könnte: Stehen bei Toyota in England die Bänder auch nur wegen eines einzigen Zulieferers still, so kommt bei all den anderen Zulieferern ebenfalls die Produktion zum Stehen, mit all den unangenehmen Folgen, die das mit sich zieht.

Bei einigen japanischen Firmen wurden bereits Fakten geschaffen. So hat zum Beispiel Panasonic seinen Sitz von England in die Niederlande verlegt, und laut einer Umfrage der Regierung gab rund einer Viertel aller in Großbritannien tätigen, japanischen Firmen an, Notfallpläne erstellt zu haben.

Doch noch harrt man in Japan im Wesentlichen der Dinge, die da kommen – bisher haben keine namhaften Firmen ihren Rückzug aus dem Königreich bekanntgegeben. Großbritannien ist „too big to fail“, wie man es während der Finanzkrise so schön formulierte – will heißen, man hofft, dass sich Großbritannien und die EU schon irgendwie einigen werden. Der direkte Schaden im Falle eines ungeregelten Brexits ist für Japan ohnehin überschaubar – das Außenhandelsvolumen lag im Jahr 2016 bei gerade mal rund 16 Milliarden Euro – weniger als ein Zehntel des Handelsvolumens mit den USA.

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