Moon Jae in Japan Abe
Südkoreas neuer Präsident Moon Jae-in bei seiner ersten Pressekonferenz am 10. Mai 2017. (c) Republic of Korea / Flickr CC2.0

NEWS | Erstes Gespräch zwischen Abe und Südkoreas neuem Präsidenten Moon

Südkoreas neuer Präsident Moon hält Amtsantrittsgespräch mit Japans Premier Abe +++ Moon kooperativ: Japanisch-südkoreanische Beziehung soll gestärkt werden +++ Themen: Bedrohung durch Nordkorea, „Trostfrauen“-Problematik

Der neu gewählte südkoreanische Präsident Moon Jae-in äußerte gestern in seinem ersten Telefongespräch mit Japans Premierminister Abe Shinzō den Wunsch, die südkoreanisch-japanischen Beziehungen „zukunftsfähig“ auszubauen.

Im Zentrum des 25-minütigen Gesprächs stand der gemeinsame Umgang beider Länder mit dem Nachbarn Nordkorea, der in den letzten Monaten immer wieder mit Raketentests auf sich aufmerksam machte. Dies berichteten japanische Medien.

Südkorea, Japan: Vereint gegenüber Nordkorea, entzweit über „Trostfrauen“-Problematik

Zuvor hatten japanische Regierungsvertreter die Befürchtung geäußert, dass Moon einer Zusammenarbeit Südkoreas mit Japan und dessen Sicherheitspartner USA ablehnend gegenüber stehen könnte.

Stattdessen soll Moon den Berichten zufolge Abes Vorschlägen zugestimmt haben, den japanischen Premier zu Gesprächen zu treffen. Auch an einer geplanten Zusammenkunft mit den Führungsspitzen der Volksrepublik China (JAPANDIGEST berichtete) will Moon teilnehmen.

„Trostfrauen“-Problematik belastet Verhältnis zwischen Japan und Südkorea

Streitpunkt in den Beziehungen Südkoreas und Japans ist seit mehreren Jahren die Problematik der „Trostfrauen“. Auf Japanisch ianfu 慰安婦, wird der Begriff in Japan verharmlosend für Mädchen und Frauen verwendet, die sich in den Bordellen der Japanischen Kaiserlichen Armee zwangsprostituieren mussten. Das japanische Kaiserreich kolonisierte die koreanische Halbinsel von 1910 bis zu seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945.

Unter Japans Premierminister Abe war 2015 eine Einigung in Kraft getreten, in der Japan den noch wenigen lebenden Betroffenen Schadensersatz zusichert. Im Gegenzug sei der Konflikt damit aber endgültig beigelegt, so die Vereinbarung.

Moon selbst soll das Abkommen im Gespräch nicht in Frage gestellt haben. Er habe Abe aber darauf aufmerksam gemacht, dass dieses in der südkoreanischen Bevölkerung mehrheitlich nicht akzeptiert werden könne. So „endgültig und unwiderruflich“ wie Südkoreas damaliger Außenminister Yun Byung Se 2015 formulierte, scheint das Abkommen aber auch unter Moon nicht zu sein. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Schritte Südkoreas neuer Präsident als nächstes unternehmen kann und wird.

Präsident Moon: Neue Möglichkeiten zwischen Südkorea und Japan?

Moons Haltung gegenüber Japan markiert schon jetzt eine Kehrtwende im Vergleich zur früheren Amtsinhaberin Park: Diese hatte es aufgrund der schwierigen Geschichte beider Länder lange abgelehnt, den japanischen Premierminister zu treffen.

Nachdem Präsidentin Park Geun-hye im März wegen Korruption abgesetzt worden war, fanden in Südkorea vorgezogene Wahlen statt. Bei diesen konnte Moon 41% der Wählerstimmen auf sich vereinen.