Raketen Nordkorea Japan THAAD Missile Defense
Die THAAD-Raketenabwehr, wie Japan sie eventuell beziehen will, hier im Test durch das US-Militär. © U.S. Missile Defense Agency / Flickr CC2.0

NEWS | Nordkorea testet 4 Raketen; Abe warnt vor Eskalation

Hannah Janz

Nordkorea feuert vier Raketen Richtung Japan +++ Absturz 300 km vor Japans Küste +++ Japan will Raketenabwehr verbessern

Am Montagmorgen Ortszeit feuerte das nordkoreanische Militär vier Raketen in Richtung des Japanischen Meeres, wie das südkoreanische und japanische Verteidigungsministerium bekanntgaben.

Raketentests Antwort auf Militärübung und Volkskongress?

Es wird vermutet, dass die Tests als Reaktion auf eine gemeinsame Militärübung der USA und Südkoreas gemeint sind.

Vor wenigen Tagen erst hatte Nordkorea Vergeltungsmaßnahmen angekündigt, sollte die Übung durchgeführt werden. Diese jährliche, seit 1997 stattfindenden Übung mit dem Namen Foal Eagle gewährleistet und steigert die Interoperabilität von US- und südkoreanischem Militär. Nordkorea bezeichnet die Übung regelmäßig als Provokation, da das Regime diese als Vorbereitungen eines Angriffskrieges gegen sich einstuft.

Auch Japan und die USA unterhalten eine solche gemeinsame Übung. Die Drills Keen Sword und Keen Edge finden jährlich im Wechsel statt. 2017 ist Keen Sword dran.

Nordkoreas Raketentest könnte auch dazu dienen, die Aufmerksamkeit des eigentlichen Verbündeten China auf sich zu ziehen. Dort tagt derzeit der Nationale Volkskongress. Zwischen Nordkorea und der Volksrepublik China herrschte in den letzten Wochen diplomatische Eiszeit. China hatte Nordkorea Kohlelieferungen verweigert – als Reaktion auf die Ermordung von Kim Jong-Nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un, in Malaysia mithilfe des Nervengiftes VX am 13. Februar 2017.

Nordkoreas vorheriger Test am 12. Februar 2017 (Japan Digest berichtete) wiederum wurde als Provokation gegenüber dem damals neu vereidigten US-Präsidenten Donald Trump gewertet.

Raketentyp noch nicht geklärt

Nach Einschätzung der südkoreanischen Militärexperten handelt es sich bei den getesteten Raketen um Mittelstreckenraketen. Dies sei an der Flugweite von 1000 Kilometern sowie der Flughöhe von 260 Kilometern zu erkennen gewesen.

Allerdings sei an den Flugdaten auch abzulesen gewesen, dass die Raketen anders als bei anderen Tests in einem niedrigeren Winkel abgeschossen worden seien, um deren ballistische Flugbahn zu verlängern, also die Reichweite für entferntere Ziele zu testen. Es handele sich aber auf keinen Fall um Langstrecken-Raketen, die auch die USA erreichen könnten, so das südkoreanische Verteidigungsministerium. Das US-Militär wiederum gab an, noch die Daten auszuwerten, und sich deshalb noch nicht festlegen zu wollen.

Auswirkungen des Raketentests auf Japan

Wie Japans Verteidigungsministerin Inada Tomomi bekanntgab, sei die am weitesten geflogene Raketen 300 Kilometer vor der japanischen Küste abgestürzt. Das Gebiet vor der Oga-Halbinsel in der Präfektur Akita gehört zur exklusiven ökonomischen Zone Japans. Es habe keine Schäden an Schiffen oder anderen Objekten in dem Areal gegeben.

Premierminister Abe ließ verlauten, dass er die heute durchgeführten Raketentests für eine neue Eskalationsstufe nordkoreanischer Provokation halte. Es sei nicht hinnehmbar, dass Nordkorea mit seinen Raketentests immer wieder Japans Sicherheit gefährde und gegen bestehende UN-Resolutionen verstoße, die dem diktatorisch geführten Land solche Tests verbieten.

Um zukünftig feindliche Raketen abzuwehren, wie Nordkorea sie schicken könnte, plant die japanische Regierung außerdem entweder den Kauf des THAAD (Terminal High Altitude Area Defense; die ankommende Rakete wird von einer Gegenrakete ausgeschaltet) oder die Ausweitung des Aegis-Kampfsystems (elektronisches Warn- und Feuerleitsystem, das Japan bisher auf Zerstörern der Meeres-Selbstverteidigungsstreitkräfte einsetzt) auf landbasierte Einsätze.

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