Der Zerstörer Sazanami DD 113. © Naval Surface Warriors / Flickr CC2.0

NEWS | Japanische Militärschiffe beschützen erstmals US Navy-Frachter

Hannah Janz

Japanischer Zerstörer und Helikopterträger schützen US Navy-Versorgungsschiff im Pazifik +++ Ziel: Schutz vor Raketenbedrohung durch Nordkorea +++ Grundlage: Neues Gesetz erlaubt Japan Unterstützung von Sicherheitspartner USA

Die japanische Regierung hat zwei Militärschiffe, den Helikopterträger Izumo und den Zerstörer Sazanami, als Begleitschutz für ein Versorgungsschiff des US-Militärs entsandt, wie japanische Medien gestern meldeten.

Der Frachter habe den Pazifik vor Japan durchquert, so die Quellen, die laut Medien führende Positionen im japanischen Verteidigungsministerium innehaben. Ziel sei es gewesen, das Schiff der US Navy vor Raketenangriffen durch Nordkorea zu schützen.

Die Mission war die erste ihrer Art für Japan: Erst seit vergangenem Jahr sind solche Eskorten zu Schutzzwecken gesetzlich möglich.

Neues Gesetz erlaubt Japan kollektive Selbstverteidigung

Im März 2016 trat in Japan das Friedens- und Sicherheits-Gesetz (Heiwa anzen hōsei平和安全法制) in Kraft, das unter anderem die kollektive Selbstverteidigung erlaubt. Zuvor war Japan verfassungsrechtlich nur die individuelle Selbstverteidigung gestattet. Die Verteidigung von Bündnispartnern mit Waffengewalt – wie der Schutz eines US-amerikanischen Schiffes (Beikan hōgo 米艦防護) sie impliziert – war also bisher untersagt.

Bei dem Gesetz handelt es sich um eine Neuinterpretation des Verfassungstextes. In Artikel 9 erklärt Japan den Verzicht auf Krieg für alle Zeiten. Die 1947 in Kraft getretene Verfassung zu ändern ist eines der Großprojekte der seit 2012 amtierenden Abe-Regierung.

Sie soll bis 2020 vollzogen werden, so Abe gestern in einer Videobotschaft (JAPANDIGEST berichtete). Zwar solle der pazifistische Charakter der Verfassung erhalten bleiben, die Rolle der Selbstverteidigungsstreitkräfte müsse aber Einzug in den Text halten, erklärte der japanische Premierminister darin.

Die Entsendung der Schiffe zum Schutz des Sicherheitspartners USA ist damit ein Schritt in einer Abfolge militärischer Stärkung, die die Abe-Regierung im Zuge der aktuellen Bedrohungssituation durch die nordkoreanischen Raketentests initiiert hat.

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Eskorte durch Japans Militär: Zusammenhalt mit USA nach außen, Stärkung des Militärs nach innen

Weitere Informationen zum eskortierten US-Schiff nannten die Quellen nicht. Die japanischen Medien spekulierten aber, dass es sich um ein Tankschiff handeln könne, das die Schiffe im Tross des Flugzeugträgers USS Carl Vinson versorgen soll. Die Carrier Strike Group One hält seit heute im Japanischen Meer eine Übung mit Südkorea ab.

Den Einschätzungen der Berichte nach soll die Schutz-Eskorte eine Demonstration der Einigkeit und Stärke zwischen Japan und den USA gegenüber Nordkorea sein. Das Regime hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Raketen getestet und zuletzt auch postuliert, es handele sich dabei um Simulationen eines Angriffes auf US-Militärstützpunkte in Japan.

Demonstration der Stärke: US-Flugzeugträger Carl Vinsson im Geleit u.a. der Sazanami am 9. März 2017 im Südchinesischen Meer. © Official U.S. Navy Page / Flickr CC2.0Demonstration der Stärke: US-Flugzeugträger Carl Vinson im Geleit u.a. der Sazanami am 9. März 2017 im Südchinesischen Meer. © Official U.S. Navy Page / Flickr CC2.0

Der Zerstörer Sazanami war bereits am 9. März 2017 in Aktion getreten, um die Relevanz des US-amerikanisch-japanischen Sicherheitsbündnisses zu unterstreichen. Sie hatte den Flugzeugträger USS Carl Vinson und dessen Einsatzgruppe bei einer Fahrt durch das Südchinesische Meer begleitet.

Der Flugzeugträger hatte im März an Joint Operations in der Region teilgenommen, auch mit den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften. Am 8. April hatte US-Präsident Trump erklärt, die Carl Vinson als Teil einer „sehr starken Armada” Richtung koreanische Halbinsel zu schicken, um Stärke gegen Nordkorea zu zeigen – später stellte sich aber heraus, dass der Flugzeugträger doch auf dem Weg nach Australien war (JAPANDIGEST berichtete).

Die beiden Schiffe der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte sollen nach ihrer Eskort-Mission laut Medien bereits wieder auf dem Weg nach Singapur sein, wo sie am 15. Mai an der International Maritime Review 2017 der lokalen Marine teilnehmen werden.

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