Nordkorea Rakete
Nordkoreas Raketentest ist Ausdruck einer strategischen Neuausrichtung. (c) Times Asi / Flickr CC2.0

NEWS | Nordkoreas Raketentest: Übung für Angriff auf US-Stützpunkte in Japan

FOLLOW-UP | Nordkorea schießt vier Raketen Richtung Japan +++ Abstürze über Japanischem Meer +++ Zweck: Übung eines Angriffs auf US-Stützpunkte in Japan

Wie Japan Digest berichtete, feuerte Nordkorea gestern vier Raketen in Richtung Japan. Drei davon gingen im Japanischen Meer nach einer Flugweite von etwa 600 Kilometern, 300 Kilometer vor der japanischen Küste in der sogenannten Exklusiven Wirtschaftszone, nieder. Die vierte Rakete stürzte bereits etwa 100 Kilometer zuvor ab.

Japans Premierminister Abe hatte den Vorfall verurteilt und als neue Eskalationsstufe der Gefährdungslage bezeichnet.

Er könnte Recht haben, denn Nordkorea setzte im Anschluss keineswegs auf Deeskalation: Wie das nordkoreanische Staatsfernsehen am gestrigen Abend bekanntgab, sei der Raketentest ausgeführt worden, um einen Angriff auf das in Japan stationierte US-Militär zu trainieren. In dem Bericht wurden die USA als „imperialistischer Aggressor“ bezeichnet.

In Japan sind auf 23 Stützpunkten derzeit etwa 54.000 US-Soldaten stationiert, ein entscheidender Teil davon Marines, die auf Erstschläge spezialisierte vierte Teilstreitkraft. Sollte Nordkorea beispielsweise Südkorea angreifen, würden diese US-Truppen im Rahmen bilateraler Sicherheitsvereinbarungen den Bündnispartner militärisch unterstützen.

Strategische Neuausrichtung Nordkoreas

Wie das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in seiner aktuellen Analyse schrieb, sei die Fokussierung auf das Raketenprogramm allerdings darauf zurückzuführen, dass Nordkoreas Mittel der konventionellen Kriegsführung an Bedeutung verloren hätten. Stattdessen sei in Nordkorea derzeit eine strategische Neuausrichtung auf asymmetrische Kriegsführung und Massenvernichtungswaffen zu beobachten.

Neue Verteidigungsmaßnahmen in Japan

Diese Neuausrichtung wird in Zukunft auch Japan zu einer Justierung seiner Verteidigungsstrategie zwingen. Nach dem gestrigen Raketentest betonte die japanische Regierung noch einmal, die Raketenabwehr durch die Anschaffung von THAAD (Terminal High Altitude Area Defense; die ankommende Rakete wird von einer Gegenrakete ausgeschaltet) oder die Ausweitung des Aegis-Kampfsystems auf landbasierte Einsätze (elektronisches Warn- und Feuerleitsystem, das Japan bisher auf Zerstörern der Meeres-Selbstverteidigungsstreitkräfte einsetzt) stärken zu wollen.

Ebenso wie das bereits in Japan stationierte Patriot System, das Raketen mit einem ballistischen Gegengeschoss abfangen soll, würden diese Raketenabwehrsysteme in enger Zusammenarbeit mit dem US-Militär installiert und unterhalten.