Fukushima Havarie ausgetretenes Mateiral
Teil der Anlage des havarierten AKW Fukushima. (c) IAEA Imagebank / Flickr

NEWS | AKW Fukushima: Erstmals Indizien für ausgetretenes Brennmaterial

TEPCO: Video zeigt schwarze Klumpen in Sicherheitsbehälter +++ Analyse bleibt schwierig +++ Informationen über Material soll künftig Bergung erleichtern

Wie der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi, die Tokyo Electric Power Company (TEPCO, Tōkyō denryoku 東京電力, gestern bekannt gab, gibt es erstmals konkrete Hinweise, dass in Block 2 Brennmaterial aus dem Reaktordruckbehälter in den Sicherheitsbehälter (in der Grafik rot eingekreist) ausgetreten sein könnte.

Durch Erdbeben und Tsunami im März 2011 wurde die Infrastruktur in vier von sechs Reaktorblöcken des AKW Fukushima-Daiichi zerstört. In den Blöcken 1, 2 und 3 kam es in der Folge zur Kernschmelze.

Schematische Darstellung des im AKW Fukushima-Daiichi verwendeten Reaktortyps. Rot eingekreist ist der Sicherheitsbehälter, in dem TEPCOs Aufnahmen in Block 2 schwarze Klumpen zeigen, die geschmolzenes Brennmaterial sein könnten. © Nuclear Regulatory Commission, CC4.0

Die Aufnahmen aus dem Sicherheitsbehälter des zweiten Reaktorblockes zeigten schwarze Klumpen. Dabei handelt es sich nach Experteneinschätzung höchstwahrscheinlich um geschmolzenes Brennstab-Material, das aufgrund der starken Hitzeentwicklung den inneren Druckkessel des Reaktors durchbrechen konnte.

Bisher waren TEPCO und Kernkraft-Experten nur aufgrund von physikalischen Hinweisen wie Strahlenwerten davon ausgegangen, dass in den zerstörten Blöcken des AKW auch Material durch die Reaktordruckbehälter geschmolzen sein müsse.

Informationen zur Sachlage nur schwer einzuholen

Ob es sich bei den schwarzen Klumpen um geschmolzenes Brennmaterial handelt, müssten weitere Untersuchungen zeigen, so Okamura Yuichi, General Manager für TEPCOs Anlagenplanung, auf einer Pressekonferenz im Hauptfirmensitz des Energieunternehmens in Tōkyō am 30. Januar. Es könne sich auch um geschmolzene Farbe oder Kabel handeln.

Sollte sich jedoch belegen lassen, dass die Klumpen tatsächlich ausgetretenes Brennmaterial seien, könnten diese Informationen in Zukunft dazu beitragen, dieses zu bergen und weitere Umweltkontaminationen zu vermeiden.

Die Videoübertragungen aus den Reaktoren liefern aufgrund der hohen Strahlung regelmäßig nur grobkörniges bis schlecht erkennbares Bildmaterial. Auch wurden mehrere Einsätze von Kamera-Robotern abgebrochen, da deren Fernsteuerung durch die Strahlung gestört wurde. Seit 2011 wurde die Technologie deshalb immer wieder an die extremen Einsatzbedingungen angepasst und verbessert.

Laut Betreiber TEPCO und der japanischen Regierung werden die Aufräumarbeiten und die Stilllegung des AKW Fukushima-Daiichi etwa noch dreißig Jahre in Anspruch nehmen und umgerechnet mehr als 150 Milliarden Euro kosten. Die Informationsbeschaffung macht einen großen Teil dieser Mammutaufgabe aus.

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