Atomkraft in Japan: Stagnierende Energiewende

Miho Doi
Miho Doi

Mit dem Übereinkommen von Paris 2015 schreitet die Energiewende weltweit voran; doch Japan bleibt zurück. Trotz der Nuklearkatastrophe von Fukushima und des Widerstands vieler Japaner, ist Japan weiter auf die Atomkraft angewiesen. Aber warum?

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Ein japanisches Atomkraftwerk in Kagoshima.
Ein japanisches Atomkraftwerk in Kagoshima. (c) D : 5 / photo-ac

Im Juli 2018 veröffentlichte die japanische Regierung den „Fünften Rahmenplan für Energie“. In diesem werden Methoden und Pläne vorgestellt, mit welchen Japan die Entkarbonisierung realisieren will. Der Plan trägt zur Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur um weniger als 2 °C des vorindustriellen Niveaus bei. Als Ziel bis 2030 hat Japan sich die Reduzierung von CO2 um 26 % (vom Wert in 2013) gesetzt.

Laut des Amts für Rohstoffe und Energie zielt Japan bis 2030 auf folgende Energieanteile ab: erneuerbare Energie 22-24 %, Atomkraft 20-22 % und fossile Energie 56 %. Aber der Rahmenplan weist schwere Mängel auf, so zumindest der japanische Wirtschaftswissenschaftler Kaneko Masaru in einem Artikel über erneuerbare Energien in Japan. Um das gesetzte Ziel bis 2030 zu erreichen, müssen in Japan rund 30 Atomkraftwerke betrieben werden. Laut der Analyse von Kaneko könne man, trotz der Wiederinbetriebnahme von AKWs, wegen der Lebensdauer der Atomkraftwerke von 40 Jahren 2030 nur 18 Stück betreiben.

Auch der Anteil der erneuerbaren Energie ist, vor allem im internationalen Vergleich, eher gering. Im Prozentsatz von 22-24 % sind bereits vorhandene Wasserkraftwerke (8,8-9,2 %) enthalten. Die Anteile erneuerbarer Energien, die bis 2030 ausgebaut werden sollen, betragen lediglich 7 % in der Fotovoltaik, 1,7 % bei Windkraftwerken und 3,7-4,6 % bei Energie aus Biomasse.

Illusion Strompreis

Warum steht die Energiewende in Japan still? Weil erneuerbare Energien teurer sind als andere. Ist das richtig? Nein, die Kosten erneuerbarer Energien sinken weltweit. Laut Kanekos Analyse hielten das japanische Ministerium für Wirtschaft und Industrie sowie die Elektrizitätsgesellschaft sich hartnäckig an den Atomkraftwerken fest und hätten gar keine Lust, den Preis von erneuerbaren Energien zu reduzieren.

Wissen Sie, dass die durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima entstandenen Kosten sowie die Entschädigung der Opfer auf Kosten der japanischen Bürgerinnen und Bürger geht? Denn diese wurden als Aufpreis auf den Strompreis aufgeschlagen. Je weniger AKWs betrieben werden, desto mehr steigen die Strompreise; ergo müssen mehr Atomkraftwerke betrieben werden. Noch dazu ist die Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho (Aomori), die seit 1993 gebaut wird, weiterhin außer Betrieb und die japanische Regierung entschied, das Kernkraftwerk Monju (Fukui) abzuschalten und zurückzubauen. Dies resultiert in anfallenden Steuern und erhöhten Stromkosten für.

Atomaussteig: Weit entfernt in Japan

Die japanische Opposition hat im März 2018 dem Parlament den Gesetzentwurf „AKW-Null Grundgesetz“ vorgelegt. Diesen hat die Regierungspartei bis zum Ablauf der Sitzungsperiode unbeachtet gelassen. Mit dem Plan wollte die Opposition die Abschaltung aller Kernkraftwerke in Japan bis 2030 erreichen und den Prozentsatz der erneuerbaren Energien auf 40 % erhöhen. Die Regierung von Premierminister Abe setzt jedoch weiterhin auf Atomkraft.

In seinem Artikel sagt Kaneko, dass wir Japaner eine kühne Reform brauchen. Damit meint er die Zerlegung des sogenannten „Atomkraftwerkdorfs“,das die institutionelle und individuelle Befürwortung der Atomkraft bezeichnet. Man solle die profitablen Interessen der Politiker, der Betrieber der Elektrizitätsgesellschaft und der Anstellung von Anwohnern der AKWs keinen Vorrang geben. Es gibt wichtigere Aspekte, die man im Auge behalten sollte, wie die Sicherheit oder die Menschenrechte. Wann wacht Japan wirklich auf?

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