Mizue Furui fukushima
Auch nach dem großen Beben von 2011 haben Eiko und Yoshiko nicht das Lachen verlernt. © Mizue Furui

Fotojournalistin Furui Mizue: Leben in Fukushima

Das Dorf Iitate in Fukushima ist noch immer schwer von der Nuklearkatastrophe im März 2011 betroffen. Für eine Dokumentation besuchte Furui Mizue Notunterkünfte in den betroffenen Gebieten. Die Journalistin im Interview mit JAPANDIGEST.

Eiko und Yoshiko lebten ein glückliches Leben in Iitate – bis ihr Heimatdorf nach dem Reaktorunglück in Fukushima Daiichi im März 2011 zur atomaren Sperrzone erklärt wurde und vollständig evakuiert werden musste. Doch auch in Notunterkünften untergebracht, vergessen die beiden ihre Heimat und das Lachen nicht. Die Fotojournalistin Furui Mizue hat die Frauen für eine Dokumentation begleitet. In einem Interview teilt Frau Furui ihre Eindrücke mit JAPANDIGEST.

ドイツ語のインタヴューの下に、日本語の原文を記載しております。Unsere japanischen Leser und alle Japanischlernenden finden unter dem deutschen Text die japanische Fassung des Interviews.

JAPANDIGEST (JD): Frau Furui, Sie haben lange Zeit in Palästina fotografiert. Weshalb haben Sie sich entschieden nach Iiitate in Japan zu gehen, um dort Fotos aufzunehmen?

FURUI MIZUE (FM): Seit 1988 bin ich immer wieder nach Palästina gereist. Dort habe ich vor allem Frauen in den Flüchtlingslagern fotografiert.

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Nach dem Tōhoku-Erdbeben im März 2011, wusste ich nicht, was ich tun sollte – ich war so schockiert. Dann habe ich aus den Nachrichten erfahren, dass das Dorf Iiitate in der Präfektur Fukushima in der atomaren Sperrzone lag. Die gesamte Dorfbevölkerung musste evakuiert werden.

Ich erkannte eine Gemeinsamkeit zwischen Iitate und den Palästinensern, die durch die Besatzung Israels ihrer Heimat und ihrer Häuser beraubt wurden. Neben dem Verlust der Heimat, wurden auch die Familienmitglieder voneinander getrennt und der tägliche Lebensablauf abrupt unterbrochen – genau die Dinge des Lebens, die die Menschen als am wichtigsten empfanden, schienen auf einen Schlag verloren gegangen. Dieses Schicksal weist meiner Meinung nach große Parallelen zwischen Japan und Palästina auf.

JD: Welches Bild hatten die Dorfbewohner von Atomenergie, bevor es zu dem Reaktorunglück in Fukushima Daiichi kam?

FM: Vor dem Unglück hatte sich, aufgrund von Regierungsmaßnahmen, ein eigentlich unbegründeter Mythos der Sicherheit durchgesetzt. “Ich ahnte nicht, dass Atomkraft so gefährlich ist.”oder “Ich dachte, es wäre sicher.” waren verbreitete Meinungen unter den Dorfbewohnern.

Als Eiko das Dorf verlassen und in die Notunterkunft ziehen musste, merkte sie, welch glückliches Leben sie vor dem Reaktorunglück gelebt hatte. Die Priorität der Regierung ist Wirtschaftswachstum. Eiko ist jedoch der Meinung, dass diese Denkweise ihr kein Glück gebracht hat.

Mizue Furui fukushimaDie Esskultur Iitates behüten Eiko und Yoshiko auch in der Notunterkunft. © Mizue Furui

JD: Die Bilder der lachenden Gesichter von Eiko und Yoshiko vermitteln Mut.

FM: Wenn ich den Film sehe, verstehe ich, dass Eiko sich selbst mit ihrem Lächeln aufrecht erhält. Ohne zu lachen geht es nicht weiter. Wer nur traurig ist, kann nicht wieder aufstehen. Sie lacht, um nach vorne zu blicken. So etwas habe ich in Palästina auch gesehen. Die jungen Leute in Palästina machen schon am nächsten Tag lachend Witze über schlimme Ereignisse des Vortags. Natürlich hängt es auch von der Zeit und der Situation ab, aber ich denke, dass vor allem Frauen diese Willenskraft inne liegt.

Das vermutlich Schlimmste während der Zeitspanne der Evakuierung ist, dass die ganze Familie auseinander gerissen wird. In Iitate ist es nicht unüblich, dass Familienmitglieder aus drei Generationen gemeinsam unter einem Dach leben. Nach ein bis zwei Jahren der Evakuierung verschwinden Familienbande sicher nicht. Aber jetzt, nach fünf oder sechs Jahren, wenn die Söhne und Töchter ihre eigenen Familien haben, ist kein Platz mehr für die Großeltern-Generation.

Mizue Furui fukuhsimaDurch die Feldarbeit spüren Eiko und Yoshiko auch in den Notunterkünften eine Verbundenheit zu ihrer Heimat. © Mizue Furui

Eiko und Yoshiko sind traurig darüber, dass ihre Familie auseinandergerissen ist. Doch auf dem Feld [auf dem sie auch in der Notunterkunft Gemüse anbauen] haben Sie neue Energie für ihre Rückkehr gesammelt. Um die Esskultur ihres Heimatdorfes am Leben zu erhalten, berichten sie den Menschen außerhalb darüber. Sie wünschen sich, dass ihre Heimat nicht in Vergessenheit gerät.

JD: Vor der Rückkehr ins Dorf wurden Dekontaminierungsarbeiten durchgeführt. Wie geht die Dorfbevölkerung mit der Sorge um die ehemals vorhandene Strahlung um?

FM: Die Dorfbewohner sind von dem Gefühl des Verlusts überkommen. Aus Eikos Wohnzimmer hatte man eine herrliche Aussicht auf die umliegende Berglandschaft. Doch jetzt, nachdem die Dekontaminierungsarbeiten beendet sind, ist die Sicht auf die Berge durch Schuttcontainer blockiert. Die Überreste der Arbeiten aus dem eigenen Haus zu sehen ist enttäuschend. Es fühlt sich an, als wäre die Heimkehr nur provisorisch.

Iitate ist zu über 70% von Bergen umgeben. Die Berge selbst werden nicht dekontaminiert, nur die Umgebung um die Häuser in einem Radius von etwas 20 Metern und die Felder. Trotz der Maßnahmen fließt kontaminierter Regen oder Schnee aus den Bergen ins Tal. Letzten Endes ist es also nicht so, dass die Strahlenbelastung verschwindet.

Außerdem bleibt der Strahlenwert, trotz den Maßnahmen zur Dekontaminierung, hoch. Nach Ende der Maßnahmen ist der Strahlenwert in Iitate angeblich um die Hälfte gesunken. Da der ursprüngliche Wert in Iitate aber verhältnismäßig hoch war, kann man nicht behaupten, dass die Hälfte dieses Werts ein niedriger wäre.

JD: Gibt es irgendetwas, was wir in Deutschland tun können?

FM: Die Berichterstattung in Japan nach dem 11. März über das Reaktorunglück war nicht sehr stark. Deshalb dachten viele, dass die Lage in Fukushima keine Probleme mehr bereite. Es ist wirklich toll, dass Deutschland sich für den Atomausstieg entschieden hat. Wie Deutschland dies geschafft hat, darüber möchte ich in Japan gerne berichten.

[Video] Filmausschnitt der Dokumentation “Iitate no kaachantachi: Tsuchi to tomo ni” (“Die Mütter Iitates: Gemeinsam mit der Erde”)

Erfahren Sie hier mehr zu Furui Mizue und ihrer Arbeit.

Japanisch – 日本語

JD: パレスチナの取材が長かった監督ですが、なぜ日本の飯舘村を取材しようと思ったのですか?

FM: 私は1988年からパレスチナに通い始め、パレスチナ難民キャンプの主に女性たちを撮り続けて来ました。

2011年3月、日本で東日本大震災が起こったとき、私はどうしていいかわからないほど、大きなショックを受けました。そして福島県の飯舘村が計画的避難区域に指定され、村が全村避難となるというニュースを知ったのです。私は飯舘村が、イスラエルの占領下で、故郷や家を奪われたパレスチナと重なりました。故郷を奪われ、生活を失い、家族もバラバラになる、自分にとって大切なものを奪われたという点ではパレスチナと同じだと思いました。

JD: 原発事故前には村の人は原発に対してどのようなイメージがあったのでしょうか?

FM: 日本には原発事故が起きるまで、政府の政策により、原発は安全だという安全神話がまかり通っていました。

「原発なんて、こんな恐ろしいものだとわからなかった」「安全なものだと思っていた」

というのがほとんどの村民の意見です。

原発事故前は自分たちがどんなに幸せな生活をしてきたかということに、村を離れてみると余計感じられるといいます。国は経済優先、効率優先できたけれど、それが私たちを幸せにしてきたとは思えないと榮子さんは話しています。

JD: 榮子さんと芳子さんの笑顔は勇気を与えてくれます。

FM: 映画を観られたらよくわかりますが、榮子さんは笑うことで自分を保っているところがあります。笑ってないとやってられないのです。悲しんでばかりいたら、立ち直れません。前を向くために笑うのです。パレスチナでも同じことを見て来ました。パレスチナの若者は昨夜あったつらいことを、翌日にはジョークで笑い飛ばしていました。時と場合にもよりますが、そういうたくましさが彼女たちにはあると思います。

避難生活での一番の悲劇は家族がばらばらになったことでしょう。飯舘村は三代の世代が一緒に暮らす家族制度が生きていたところです。避難して1~2年であれば家族のきずなも薄れることはなかったでしょうが、5~6年たった今は、息子や娘の家族は6年の間に一つの家族にまとまっていて、そこにお年寄りが入る余地がなくなっていたりします。

家族がバラバラになり、一時、落ち込んだ榮子さん、芳子さんは畑で土に触ることによって元気を取り戻したのです。村の食文化を残すために、県外の人たちに教え、伝え残そうとしています。そこには故郷を忘れないでほしいという願いを込めています。

JD: 帰村に向けた除染作業が行われていますが、放射線量の心配や、かつてあったものがなくなってしまった村は、住民にとってどんな存在なのでしょうか?

FM: 村民は喪失感に襲われています。ある村民の家は、居間から眺める山並みが素晴らしかった。しかし除染が終わった今、フレコンバックの山が風景を遮っている。榮子さんは自宅の除染のあとを見て、いたたまれなくなり、仮設に帰ってしまったということがありました。

飯舘村は7割が山に囲まれた村です。その山自体の除染はされず、除染の対象は家の周り〈家の中はしない〉と田畑、家から20メートルまでの木々のあるところです。山が除染されないと雪や雨が降り、それが下に流れ、せっかく除染してもまた汚染されます。所詮、除染ですべて放射能がなくなるという話ではありません。

また除染しても肝心の数値は下がっていません。除染後、飯舘村の場合は数値が半分になったと言われていますが、飯舘村の数値そのものがもともと高かったので、半分に数値が減っても決して低い数値ではありません。

JD:ドイツ人にできることは何でしょうか?

FM: 日本のメディアは3月11日前後以外、原発事故のことを伝えようとしていないし、メディアが伝えないために、もう福島の問題は終わっていると感じている日本の人が多いです。ドイツは原発をやめた国として素晴らしいと思います。ドイツがどうして原発をやめることができたのか、日本に知らして頂きたいと思います。

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