ADVERTISEMENT

Aoyama: Tōkyōs Nobelviertel abseits der großen Bahnhöfe

Matthias Reich
Matthias Reich

Die Millionenmetropole Tōkyō hat zahlreiche interessante Ecken zu bieten – die schillernden Stadtteile Shibuya und Roppongi sind wahrscheinlich vielen bekannt. Dazwischen verbirgt sich das kleine Viertel Aoyama, das neben dem als Hanami-Spot beliebten Aoyama-Friedhof noch einiges mehr zu bieten hat.

Aoyama-Friedhof mit grünen Bäumen
Der weitläufige Aoyama-Friedhof ist die grüne Lunge des Viertels. © Photo AC / riomiwa

Das Stadtviertel Aoyama erstreckt sich gleich östlich des Bahnhofs Shibuya, in einem Dreieck zwischen Shibuya, Roppongi und dem Akasaka-Palast. Sein Name bedeutet wörtlich übersetzt „Grünberg“ – „Berg“ stimmt schon mal, denn es geht von Shibuya aus gesehen tatsächlich erstmal relativ steil bergauf. „Grün“ trifft heute nur noch bedingt zu, denn bis auf den großen Friedhof Aoyama im Osten ist es sehr dicht bebaut.

Aoyama bildet keine administrative Einheit – ein Teil des Bereiches gehört zum Innenstadtbezirk Shibuya, ein Teil zum Bezirk Minato. Die meisten Menschen assoziieren es mit dem Unterbezirk Minami-Aoyama (Süd-Aoyama), aber es gibt auch ein Kita-Aoyama (Nord-Aoyama). Und so viel steht fest: In dem relativ kleinen Viertel kann man problemlos einen ganzen Tag verbringen, ohne sich zu langweilen.

Stadtansicht von Tokyo mit roter Markierung des Stadtviertels Aoyama
Aoyama befindet sich im Dreieck zwischen Shibuya, Roppongi und dem Akasaka-Palast.

Kunst und Kultur in Campusnähe

Beim Namen Aoyama denken viele Japaner:innen erstmal an die Aoyama Gakuin, eine Universität und Oberschule in Steinwurfweite vom Bahnhof Shibuya. Diese christliche Privatuniversität gibt es seit 1949 – heute ist sie Alma Mater von fast 20.000 Studenten. Sie zählt dabei zwar nicht zu den Elite-Universitäten des Landes, doch Shibuya ist ein teures Pflaster, weshalb viele die Student:innen dieser Uni beneiden. Die Klientel gilt im Allgemeinen als wohlbetucht.

Der Campus ist für normale Besucher:innen natürlich nicht zugänglich, doch östlich des Universitätsgeländes wird es richtig interessant. Dort verläuft die Kottō-Straße – die „Straße der Antiquitäten“ – ein Name, der sich nach Kriegsende in der Gegend eingebrannt hatte, da dort viele Menschen alte und gebrauchte Sachen verkauften. Heute liegt die Betonung in der Gegend mehr auf Kunstobjekten. Es gibt einige kleine Kunstwarenhändler, Galerien sowie in unmittelbarer Umgebung drei interessante Kunstmuseen:

Kaffepause an der Omotesandō

Wer nach all der Kunst und dem Laufen hungrig ist, braucht sich nicht zu sorgen, denn in Minami-Aoyama gibt es unzählige und zum Teil wirklich exzellente Cafés und Restaurants. Diese findet man in den Seitengassen, aber auch entlang der Omotesandō-Straße, die quer durch Aoyama verläuft. An der wichtigsten Kreuzung des Viertels geht es hoch her – hier findet man zahllose Boutiquen und die entsprechende Klientel. Das Flair ist selbst für Tōkyō etwas ungewöhnlich, denn hier findet man eine Melange aus 1960er-Bausünden, modernster Architektur und dem so typisch japanischen Bebauungs- und Werbechaos. Die Omotesandō, die von hier nach Nordwesten Richtung Harajuku verläuft, ist zudem eine Allee, und das ist in Tōkyō eher eine Seltenheit und entsprechend erfrischend.

Omotesando-Kreuzung am Tage
Schön flanieren kann man entlang der Omotesandō.

Geschichtsträchtiges Aoyama

Ein paar hundert Meter östlich von der Omotesandō-Kreuzung geht es ruhiger zu – viel, viel ruhiger, denn hier befindet sich der ausgedehnte Aoyama Reien, ein mit 26 Hektar riesengroßer Friedhof mitten in der Innenstadt von Tōkyō. Das Anwesen war in der Edo-Zeit (1603-1868) die Dritt(!)residenz der Aoyama-Familie und wurde mit Beginn der Meiji-Zeit (1868-1912) zu einem Friedhof umgewidmet (übrigens der erste, der in kommunaler Hand war). Hier findet man unter anderem auch einen kleinen Bereich mit den Gräbern zahlreicher Ausländer:innen, die Ende des 19. Jahrhunderts bei der Modernisierung Japans mithalfen. Dazu gehörten auch etliche Deutsche. Auf dem Gelände des öffentlich zugänglichen Friedhofs stehen zahlreiche Kirschbäume, die Ende März zum Hanami Scharen von Menschen anlocken.

Nur wenigen Menschen ist bekannt, dass sich am südöstlichen Ende des Friedhofs ein winziger amerikanischer Stützpunkt befindet, die „Hardy Barracks“. Daneben liegt auch der kleine Aoyama-Park, in dem gelegentlich Open-Air-Veranstaltungen stattfinden. Vom Rand des Parks beziehungsweise des Stützpunktes hat man dabei eine etwas andere Aussicht auf Roppongi, welches gleich östlich von Aoyama beginnt.

Der Miliärstützpunkt "Hardy Barracks" mit hinter einem Grashügel sichtbaren Wolkenkratzern
Der amerikanische Stützpunkt "Hardy Barracks" nebem dem Aoyama-Park.

Kommentare

ADVERTISEMENT

Diese Woche meistgelesen

Top Stories

Autoren gesucht

Lesen Sie hier, wie Sie Teil unseres Teams werden!