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Qualität und Genuss: Esskultur in Japan

Matthias Reich
Matthias Reich

Essen hat in Japan einen höheren Stellenwert als bei uns in Deutschland. Es ist mehr als nur Nahrungsaufnahme – nämlich eine der größten Freuden im Leben! Ein Wort, das Sie häufig hören werden, ist "oishii" (美味しい) – lecker!

Meeresfrüchte Japan
Die hohe Kunst der frischen Küche: Dafür stehen in Japan besonders Meeresfrüchte.

Wenn Japaner über ihre Nah- wie Fernreisen erzählen, gelangen sie fast sofort zum Thema Essen – es ist beinahe wichtiger als Sehenswürdigkeiten oder Abenteuer. Wenn Sie nach Japan reisen, werden Sie sicher auch schnell von dieser Freude an gutem Essen mitgerissen! Werfen Sie bei Reisen innerhalb Japans also ruhig ein Auge auf die jeweiligen lokalen Spezialitäten! In Japan sind alle Regionen und Städte für bestimmte Hauptgerichte, Süßigkeiten oder Zutaten berühmt.

Meibutsu (名物): Jede Region hat ihr charakteristisches Essen

Kōbe zum Beispiel ist nicht nur bekannt für die exzellente Fleischqualität seiner Wagyū-Rinder, sondern auch für okonomiyaki (eine Art großer Eierkuchen / Pfannkuchen mit Chinakohl und anderem Gemüse, Meeresfrüchten, Fleisch usw., bestreut mit Flocken getrockneten Thunfisches und reichlich Mayonnaise). Niigata ist bekannt für seinen guten Reis und daraus gebrauten Sake usw. Dutzende Städte sind zudem bekannt für ihre extravaganten Rāmen-Nudelsuppen-Kombinationen.

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Hokkaidō Kartoffel
Hätten Sie's gewusst? Hokkaidō ist berühmt für seine Kartoffel-Produktion.

Um die japanische Küche voll zu genießen, ist jedoch eins notwendig – Offenheit. Auch wenn Speisen merkwürdig aussehen – probieren Sie ruhig! Das Resultat wird Sie überraschen – geschmacklich gibt es kaum Dinge, die für Menschen, die mit westlichem Essen aufgewachsen sind, „zu exotisch“ schmecken (die Konsistenz ist allerdings vielleicht ein anderes Thema…).

Viele Menschen haben jedoch Allergien und/oder Abneigungen gegen bestimmte Zutaten. Das ist auch in Japan nicht weiter tragisch, es sei denn, man verträgt keine Soja-Sauce (shōyu 醤油) oder Meeresprodukte. In beiden Fällen hat man es in Japan trotz der großen kulinarischen Vielfalt schwer bzw. es entgeht einem ein großer Teil der japanischen Küche.

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Rindfleisch Kobe
Das fein marmorierte Rindfleisch aus Kōbe wird beispielsweise als Sukiyaki-Fondue zubereitet.

Zum Reinbeißen: Auslage mit Mustern

Um in Japan gutes Essen zu bekommen, muss man kein Japanisch können. Fast alle Restaurants haben vor dem Eingang einen Schaukasten mit Nachbildungen der Speisen aus Plastik. Diese sehen verblüffend echt aus. Was man als Muster sieht, entspricht nahezu immer dem, was wirklich serviert wird. Der Preis steht auch daneben. Sind Sie des Japanischen unkundig, dirigieren Sie einfach die Bedienung vor die Tür und deuten Sie auf das Objekt der Begierde.

Plastik Essen Japan
Modell-Auslage vor einem italienischen Restaurant in Japan.

In Restaurants ist es zur Mittagszeit am billigsten. Sehr viele Restaurants bieten Lunch Sets ab 1000 Yen an, zu denen stets mehrere kleine Schälchen gehören – beispielsweise Reis, Fleisch, eingelegtes Gemüse und eine Miso-Suppe. Manchmal gibt es auch Sachen wie All you can eat (tabehōdai 食べ放題 ). Wasser gibt‘s in Japan immer kostenlos zum Essen – und oft auch Tee. Trinkgeld wird nie, aber auch wirklich nie gegeben und auch nicht akzeptiert.

Viele Restaurants spezialisieren sich auf ein Gebiet. Bei einigen von ihnen bereitet man sein Essen selbst am Tisch zu – zum Beispiel bei Yakiniku (gegrilltem Fleisch) oder Okonomiyaki. Zwischen 12 und 1 Uhr ist in den meisten Restaurants die Hölle los, denn da haben alle gleichzeitig Mittagspause und gehen essen. Abends gilt: wenn man ein Restaurant sieht, vor dem viele Leute stehen, ist dieses wahrscheinlich außergewöhnlich gut oder neu eröffnet. Also ruhig mal anstellen und abwarten. Oft muss man sich dazu auch in eine Liste eintragen, die am Eingang ausliegt. Wenn man an der Reihe ist, wird man vom Personal aufgerufen und zum Platz geleitet. Hierzu sind aber einige Japanisch-Kenntnisse von Vorteil – oder das Wissen, dass in diesem Restaurant Englisch gesprochen wird.


Der Artikel von Matthias Reich erschien auf dem Blog Tabibito und wurde für die Online-Ausgabe des JAPANDIGEST nachbearbeitet.

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