Sweets Artist KUNIKA – Filigrane Kunst aus Zuckerguss

Kei Okishima
Kei Okishima

Ihre zuckersüßen Werke konnte man in Zeitschriften und Ausstellungen bewundern - aus einfachem Keksteig und Zuckerguss kreiert Sweets Artist KUNIKA aus Japan wunderschöne Kunstobjekte. Wir haben mit der Künsterin über ihren Werdegang und ihre Arbeit gesprochen.

Kekse
Zum Essen fast zu schade! Faszinierende Symmetrien und Farbenspiele zeichnen KUNIKAs Stil aus. © KUNIKA

Pâtissière in einem berühmten Hotel ist für viele ein absoluter Traumjob – sie jedoch hängte diesen an den Nagel, um „Süßigkeiten-Künstlerin“ zu werden: Sweets Artist KUNIKA. Ihre Spezialität sind Kekse mit Zuckergussglasur – das sog. „Icing“ – die durch ihr zartes und elegantes Design ins Auge stechen. In Japan berichtete man über sie in zahlreichen Zeitschriften, doch 2017 zog es KUNIKA für ein Working Holiday nach London, wo sie zunächst für zwei Jahre die Welt des Zuckergusses verließ. Nach einem kurzen Intermezzo in Japan, lautet ihre Heimat nun erneut Großbritannien. Wir haben mit der Künstlerin über ihre bisherigen Aktivitäten und ihre Zukunftspläne gesprochen.

KUNIKA
Ausdrucksstark und zuckersüß: Aus Zuckerguss, Gebäck und viel Hingabe kreiert Sweets Artist KUNIKA einzigartige Kunstwerke zum Vernaschen. © KUNIKA

Warum haben Sie mit dem Icing angefangen?

Nach meinem Abschluss an der Konditoren-Schule arbeitete ich als Pâtissière im Mandarin Oriental Hotel in Tōkyō. Während dieser Zeit ergab sich die Gelegenheit, mich bei einer Ausstellung am Icing zu versuchen. Dadurch wurde mir klar, dass man sich sogar in Form von Süßigkeiten frei ausdrücken kann. Das geht zwar auch in der Bildenden Kunst oder im Designbereich, aber ich habe das Gefühl, dass das Icing einem teilweise einzigartige (Gestaltungs-)Möglichkeiten eröffnet.

Worin liegt der Reiz des Icing?

Ich mag die Tatsache, dass man das Ergebnis essen kann. Der Reiz liegt darin, dass es nicht ewig hält. Ladeninhaber denken vielleicht, dass sie Dinge verkaufen möchten, die für immer Bestand haben. Ich habe bisher nicht daran gedacht, ein eigenes Geschäft zu eröffnen, daher näherte ich mich dem Gebiet der Süßigkeiten eher im künstlerischen Sinne an. Was ich am Icing so reizvoll finde, ist, dass es zwar etwas Greifbares ist, aber trotzdem diesen vergänglichen Charakter hat.

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Wie entstehen Ihre Werke?

Ich achte auf meine Intuition, daher erstelle ich auch beim Design selten vorab eine Skizze mit Stift und Papier, sondern glaube an freie Handbewegungen. Je reibungsloser sie sind, desto besser wird das Ergebnis. Die Dinge, die ich im Alltag sehe oder denen ich begegne, dienen mir als Inspiration. Ich liebe diese vagen Eindrücke, weil sie mir viel Gestaltungsfreiraum geben.

KUNIKA Kekse
Die Natur ist KUNIKAs größte Inspiration - florale und maritime Muster finden sich in ihren Kunstwerken häufig. © KUNIKA

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Designs?

In erster Linie dienen mir Pflanzen und die Natur als Inspiration. Zum Beispiel liebe ich das Tauchen und gehe dafür gerne nach Okinawa oder Australien. Dort werde ich von mysteriösen Kombinationen, die man im normalen Alltag nicht zu sehen bekommt, inspiriert.

Das geht zwar aktuell leider nicht, aber ich reise auch gerne ins Ausland, und besonders die alten historischen Gebäude Europas und Parks haben es mir angetan. Da ich wegen der Pandemie jetzt mehr zuhause bin, ist mir erneut bewusst geworden, wie sehr mir das Herstellen kleiner Kunstwerke aus Keksen eigentlich Spaß macht.

Wurden Sie z.B. durch Ihre Lieblingskünstler auch beeinflusst?

Ich denke, ich bekomme meine Inspiration nicht durch einen bestimmten Künstler, sondern viele verschiedene Einflüsse spielen eine Rolle. Die Wertschätzung eines jeden Stückes verbindet sich mit meiner Ästhetik und daraus entstehen meine Designs. Ich bin glücklich, wenn die Menschen meine Stücke sehen und denken: „Das ist KUNIKA!“.

Ich glaube allerdings, dass Werke sich zu sehr ähneln, wenn man sich mit einem bestimmten Künstler zu tiefgehend beschäftigt. Damit ich mich nicht zu sehr an anderen Künstlern und deren Arbeiten orientiere, setze ich mir gewisse Grenzen. Ich möchte unverwechselbare Stücke kreieren, bei denen die Leute sofort meine Handschrift erkennen, selbst wenn mein Name nirgendwo auftaucht.

Sie leben derzeit in Großbritannien, wie kam es dazu?

Zwischen 2017 und 2019 habe ich dort im Rahmen eines Working Holiday-Aufenthaltes gelebt. Danach ging ich wieder nach Japan, doch aufgrund meiner Heirat verschlug es mich dorthin zurück.

Kunika Kekse
Jedes Werk ist einzigartig - in KUNIKAs Keksen steckt viel Liebe zum Detail. © KUNIKA

Reagieren Japaner:innen und Europäer:innen unterschiedliche auf Ihre Kekse?

In den zwei Jahren, die ich in Großbritannien verbracht habe, habe ich keine neuen Werke kreiert, sondern in einem Geschäft für Cupcakes gearbeitet. Ich sprach mit meinen Kollegen nicht über meine früheren Aktivitäten, aber wenn ich die Gelegenheit bekam meine Icing-Fähigkeiten zu nutzen, dann waren es vor allem Europäer:innen, die eine fast übertriebene Begeisterung zeigten. Mich hat es sehr überrascht, dass ihnen solche Zuckergusskekse überhaupt nicht vertraut waren. Außerdem besteht ein Unterschied darin, dass Europäer:innen die Kekse wohl sofort essen?

Japaner:innen neigen eher dazu, die Kekse als Dekoration denn Nascherei zu verwenden – die Menschen hier essen sie eher sofort. Ich bin mit beidem zufrieden. Es ist toll, wenn man die Kekse sowohl als Schmuckstück oder als Essen genießen kann. In Japan war ich so sehr mit der Arbeit beschäftigt, dass ich darauf gar nicht achten konnte, doch hier in Großbritannien wurde ich an die Freude erinnert, die ich spüre, wenn Gäste meine Stücke vernaschen. 

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Sie haben früher auch in einem Geschäft für Second-Hand-Mode gearbeitet.

Ich war damals großer Fan eines bestimmten Zeitschriftenmodels. Ich wollte ihren Stil besser kennenlernen und auch mal den Fuß in etwas ungewöhnlichere Läden setzen, deshalb fing ich an in einem Second-Hand-Laden zu arbeiten. Ich glaube, noch nie hat eine Hotel-Pâtissière ihren Job gekündigt, um in einem Modegeschäft zu arbeiten – es war eine reine Entscheidung aus dem Bauch heraus und tatsächlich hatte ich dort eine einschlägige Begegnung.

Eines Tages kamen Modestylisten ins Geschäft und so konnte ich eine Verbindung zum Magazin aufbauen. Das führte dazu, dass meine Icing-Arbeiten dort veröffentlicht wurden und ich weitere Aufträge erhielt. Ein stabiles Arbeitsverhältnis war das zwar nicht, aber neue Dinge aus unerwarteten Begegnungen zu erschaffen macht wirklich Freude.

Können Sie Ihre Erfahrungen aus der Arbeit im Modegeschäft auch heute noch anwenden?

Allerdings. Während noch dort arbeitete, ist mir das zwar nicht aufgefallen, aber entscheidend war, dass ich dort erfuhr, wie es ist, durch Kunst „eine ganz neue Welt zu erschaffen“ und das dann selbst ausprobieren wollte. Wenn man ein Second-Hand-Modegeschäft in Europa betritt, so sieht man Stoffe, die je nach Epoche ganz unterschiedlich sind. Es war unglaublich interessant, mir unbekannte Muster zu entdecken. Ich gehe auch heute noch gerne in solchen Läden oder sogar auf Antiquitätenmärkten einkaufen. Da ich schon hier in Großbritannien lebe, möchte ich auch viele antike Accessoires kaufen.

Kunika Kekse
Filigrane Muster und zarte Farben festgehalten auf einer vergänglichen Leinwand. Probieren Sie es zu Hause doch einmal selbst! © KUNIKA

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Das weiß ich noch nicht so genau, aber ich denke, wenn ich die Dinge anpacke, die ich mir vorgenommen habe, wird daraus eine Eigendynamik entstehen und unerwartete Entwicklungen nach sich ziehen. Statt also jahrelang im Voraus zu planen, tue ich einfach das, was ich in diesem Moment tun möchte. Die aktuellen Entwicklungen, oder selbst meine Rückkehr nach Großbritannien, hatte ich mir nie vorgestellt. Ich würde gerne eine kleine Ausstellung in Europa abhalten, weil ich hier bisher als Künstlerin noch nicht in Erscheinung getreten bin. Anstatt die Dinge anderen zu überlassen, möchte ich mich allmählich selbst durchschlagen.


Über Sweets Artist KUNIKA

Studium am Japan Cake & Confection College. Nach ihrem Abschluss Anstellung als Pâtissière im Mandarin Oriental Hotel in Tōkyō und Selbstständigkeit als „Sweets Artist“. Es folgen zahlreiche Aktivitäten wie Fotografien und Ausstellungen ihrer „Sugar Cakes“ und „Icing Cookies“ und anderen Exponaten sowie Kollaborationen mit verschiedenen Unternehmen. Von 2017 bis 2019 Anstellung im Londoner Cupcake-Geschäft Peggy Porschen als sog. „Theatre Pastry Chef“, wo sie u.a. die Waren als Werbepräsentation vor den Augen der Gäste zubereitete. 2020 Rückkehr nach Japan, seit 2021 lebt KUNIKA wieder in London. In ihrer ganz eigenen Ästhetik kreiert sie eine Welt, in der Süßigkeiten und Kunst miteinader verschmolzen sind und verbreitet so ein ganz neues Genre der Backkunst.  

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