Matsuri-Extravaganza: Das Shōnan Hiratsuka Tanabata Festival

Diana Casanova
Diana Casanova

Jedes Jahr, am 07. Juli, wird das Tanabata-Fest gefeiert. Während es im Grunde die Liebe zweier Menschen zelebriert, wird das typische "Matsuri" in der Stadt Hiratsuka auf ein ganz neues Level gehoben. Ich selbst war im Juli 2017 dabei.

Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
© D. Casanova

Knapp 40 km südwestlich von Yokohama liegt Hiratsuka, in der Präfektur Kanagawa. Die knapp 260.000 Einwohner starke Stadt an der Sagami-Bucht ist eine typisch japanische Großstadt, doch einmal im Jahr verwandelt sich das Stadtzentrum um den Hauptbahnhof herum in eine extravagante Festivallandschaft. Anfang Juli findet das Shōnan Hiratsuka Tanabata Festival anlässlich des traditionellen Tanabata-Festes statt. Nicht nur in Hiratsuka ist es das größte Event des Jahres: Mit über einer Million Besuchern gehört es auch zu den größten Festivals in der gesamten Kantō-Region und ist neben dem berühmten Pendant in Sendai (Präfektur Miyagi) das größte Tanabata-Fest in ganz Japan.

Seit über 70 Jahren wird das mehrtägige Festival schon abgehalten. Die breiten Einkaufsstraßen der Innenstadt werden von farbenfrohen Laternen und Lampigons geschmückt, prächtige und riesige Dekorationen, Banner und sich bewegende Puppenspiele hängen mit langen Schleifen über den Köpfen der zahlreichen Besucher und drehen sich im Wind. Im Zuge meines Auslandsstudiums an einer Universität in Yokohama habe ich in der Nähe von Hiratsuka gelebt und es mir natürlich nicht nehmen lassen, selbst dieses Spektakel zu erleben.

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Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Als ich in Hiratsuka ankam, war die Sonne bereits untergegangen, doch die Menschen waren schon (oder noch immer?) in Massen unterwegs. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Die riesigen Dekorationen zierten die unterschiedlichsten Motive und Bilder. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Die Laternen und und Dekorationen sind vor allem eins: Werbung für die lokalen Geschäfte. Hier z.B. gesponsert von der großen Burger-Kette Mos Burger. © D. Casanova

Zelebrieren einer Legende

Tanabata wird auch das Sternenfest genannt und ist ein Fest der Liebe und der Wünsche. Doch woher kommt der Brauch? Das Fest beruht auf einer alten chinesischen Legende, die es zwar in verschiedenen Versionen gibt, doch in Japan wird sie in der Regel folgendermaßen erzählt: Die junge Weberin Orihime (der Stern Wega) verliebte sich eines Tages in einen Hirten namens Hikoboshi (der Stern Altair). Ihre Liebe zueinander hat sie jedoch so sehr von ihrer Arbeit abgelenkt, dass Orihimes Vater, der Herrscher des Universums, sie voneinander trennte und Hikoboshi auf die andere Seite der Milchstraße verbannte. Durch den Fluss auf ewig von ihrem Liebsten getrennt, war Orihime untröstlich und als ihr Vater ihre große Trauer sah, erlaubte er dem Pärchen schließlich einmal im Jahr, nämlich am 7. Juli, den Fluss zu überqueren und sich zu treffen. Es heißt auch, dass, wenn es an diesem Tag regnet, der Fluss zu reißend sei, um einander zu sehen.

Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
In sich bewegenden Puppenspielen wird an die Geschichte von Orihime und Hikoboshi erinnert. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Selbstverständlich dürfen bekannte Figuren der japanischen Popkultur nicht fehlen, wie hier z.B. die allseits beliebte Hello Kitty. © D. Casanova

Tanabata wird traditionell vor dem Totenfest O-Bon gefeiert, welches den Ahnen huldigt. Für die Ahnenverehrung wurden Opfergaben, wie Reis, Weizenähren oder auch gewebte Stoffe dargebracht, die auf eigens errichteten Ständen abgelegt wurden. Diese wurden als Tanabata (tana = Regal, hata = gewebter Stoff) bezeichnet und der Name wurde für das Fest übernommen.

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Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Die Straßen waren sehr breit und trotzdem konnte man den Menschenmassen kaum entkommen. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Auch Pokemon ist mit dabei. © D. Casanova

Matsuri-Stimmung en masse

Während des Festivals tummeln sich tausende Menschen auf den Straßen, Familien und Pärchen, viele davon tragen Yukata, den leichten Sommer-Kimono, wie es sich für ein typisches Sommer-Matsuri gehört. Die Wege werden von unzähligen Ständen gesäumt, die leckere Matsuri-Speisen wie Takoyaki, Taiyaki, Okonomiyaki und Yakitori verkaufen, während laute Musik die Festival-Stimmung anheizt. Das Shōnan Hiratsuka Tanabata Festival ist ein großartiges Event, um selbst das echte Feeling eines japanischen Matsuri zu erleben.

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Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Unter riesigen Schleifen und Bändern hindurch zu laufen, das ist typisch für Tanabata. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
© D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Auf einem Matsuri darf eine leckere Nascherei natürlich nicht fehlen: die klassiche Schoko-Banane. © D. Casanova
Tanabata-Fest in Hiratsuka 2017
Bei Tag wirken die bunten Dekorationen allerdings etwas anders. © Aimaimyi / Wikipedia

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