Wenn man die Mietsituation in Japan genauer verstehen möchte, muss man einen kurzen Blick auf andere, grundsätzliche Daten werfen: etwa auf die Entwicklung des durchschnittlichen Jahresgehalts. Dieses sank von 1997 an durchgehend bis 2008 – erst danach stieg es wieder an. Dennoch liegen die Zahlen, und das noch nicht einmal inflationsbereinigt, sondern absolut, weiterhin unter dem Niveau von vor 30 Jahren. Das hat auch mit der Inflation zu tun, denn Japan kämpfte lange Zeit nicht mit Preissteigerungen, sondern mit dem Gegenteil – einer hartnäckigen Deflation. Diese machte sich auch bei den Mieten bemerkbar. Hinzu kommt ein immer weiter schrumpfender Markt: Seit Jahren ist die japanische Bevölkerung aufgrund der seit Langem zu niedrigen Geburtenrate rückläufig, was einen Überschuss an Wohnraum und damit sinkende Preise zur Folge hat, was freilich nicht für Ballungsräume wie Tōkyō gilt.
Wie viel ist man bereit zu zahlen?
Seit Jahrzehnten wird in Japan propagiert, dass man etwa ein Drittel des verfügbaren Haushaltseinkommens für die Miete ausgeben kann beziehungsweise sollte – dies gilt als „angemessen“. Wer ein Durchschnittsgehalt von 4,6 Millionen Yen verdient, erhält nach Abzug der Steuern rund 3,6 Millionen Yen. Ein Drittel davon entspricht 1,2 Millionen Yen – also etwa 100.000 Yen pro Monat für die Miete. In den 23 Innenstadtbezirken von Tōkyō findet man dafür meist eine 1K- oder DK-Wohnung mit 25 bis 30 Quadratmetern. Wer bereit ist, etwas länger zu pendeln, kann für das gleiche Geld außerhalb der Stadt in einer bis zu 50 Quadratmeter großen Wohnung – einer LDK – wohnen. In der Provinz wiederum bekommt man für diesen Betrag nicht selten Wohnungen mit bis zu 100 Quadratmetern oder sogar ein ganzes (älteres) Haus.
Auch in Deutschland wird empfohlen, maximal 30 % des verfügbaren Einkommens für die Miete auszugeben. In Ballungsräumen wird das jedoch zunehmend schwieriger, da die Mieten stark gestiegen sind. In Berlin wurden 2026 zwischen 650 und 900 Euro für eine 50 Quadratmeter große Wohnung fällig – das entspricht etwa 120.000 bis 166.500 Yen. Allerdings lag das verfügbare Durchschnittseinkommen in Deutschland auch bei umgerechnet rund 5,5 Millionen Yen. Bricht man die Zahlen herunter, zeigt sich, dass sich Städte wie Berlin und Tōkyō nicht mehr allzu viel nehmen: Berlin ist etwas günstiger als Tōkyō, während Städte wie München bereits spürbar teurer sind.
K, DK, LDK?
Bei der Wohnungssuche fallen in Japan sofort diverse Abkürzungen auf. Besonders verbreitet sind die Kürzel K, DK und LDK – oft kombiniert mit einer Zahl, etwa „2LDK“. „L“ steht für „Living“ (Wohnzimmer), „D“ für „Dining“ und „K“ für „Kitchen“. Das System wirkt zunächst etwas unübersichtlich, doch im Prinzip gilt: Je mehr Buchstaben, desto komfortabler die Wohnung. Das „L“ wird in der Regel nur vergeben, wenn ein Raum größer als 10 jō ist – japanische Wohnungen werden flächenmäßig in Tatamimatten bemessen, wobei ein jō im Schnitt etwa 1,62 Quadratmetern entspricht. Viele Singles leben vor allem in Großstädten in Wohnungen, die man salopp als „Wohnklo mit Kochnische“ bezeichnen könnte: Eine winzige Küche befindet sich direkt im zwei bis drei Quadratmeter großen Flur. Daneben liegt ein „Unit Bath“, also eine vollständig mit Plastik ausgekleidete Nasszelle mit kleiner Badewanne und Toilette. Hinter dem Eingangsbereich folgt ein Raum, der oft kaum größer als zehn Quadratmeter ist und als Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer zugleich dient. Das funktioniert nur dann gut, wenn der Raum über ein oshiire verfügt – einen Wandschrank, in den man den Futon tagsüber verstauen kann. Häufig ist nicht einmal Platz für eine Waschmaschine, die dann auf einem kleinen Balkon untergebracht wird.
Westlich oder japanisch?
Bei der Wahl der Wohnung stellt sich oft auch die Frage, ob man ein westliches oder ein japanisches Zimmer bevorzugt. Japanische Zimmer sind traditionell mit Reisstrohmatten (Tatami) ausgelegt. Diese sind leicht nachgiebig, wärmedämmend und – sofern sie nicht zu alt sind – auch angenehm im Geruch. Allerdings haben Tatami auch Nachteile: Sie sind empfindlicher und schwieriger zu reinigen, und stark verschmutzte Matten lassen sich kaum wieder vollständig säubern. Wie man sich auch entscheidet – eine Wohnung findet man in Japan grundsätzlich fast überall, vorausgesetzt, Vermieter haben Makler nicht angewiesen, gezielt keine Ausländer zu berücksichtigen. Letztlich entscheidet das Budget über den Wohnkomfort: Je älter die Immobilie, desto günstiger ist sie – aber oft auch desto hellhöriger. Bei lauten Nachbarn, streitenden Ehepaaren oder schwerhörigen Bewohnern, die nachts den Fernseher laufen lassen, kann das schnell zur Belastung werden. Wer hingegen bereit ist, mehr zu investieren, findet heute in Japan durchaus gut ausgestattete und geschmackvoll eingerichtete Wohnungen in unterschiedlichsten Größen.











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