Japan Travel Photographers Association: Außergewöhnliche Matsuri-Feste

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Matsuri (traditionelle Volksfeste) spielen in Japan eine zentrale Rolle, und dies nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter und Frühjahr. Die JTPA war bei zwei einzigartigen Festen dabei, die jeweils auf ihre ganz eigene Art beeindrucken.

Beim Kōnomiya Hadaka Matsuri in der Präfektur Aichi wird viel nackte Haut gezeigt. © Ishikawa Hironobu / JTPA

Japan ist das Land der Matsuri, der fröhlichen traditionellen Volksfeste, die außergewöhnliche religiöse Rituale beinhalten und manchmal fast schon aberwitzige Ausmaße annehmen können. Während man beim Kōnomiya Hadaka Matsuri, das zu den sog. „Nacktfesten“ gehört, regelrecht außer Rand und Band gerät, herrscht beim Yunishigawa Onsen Kakamura Matsuri, einem Schneefest, das Bezug zu einer alten Legende nimmt, eine sehr geheimnisvolle, eher poetische Stimmung.

Kōnomiya Hadaka Matsuri

Das Kōnomiya Hadaka Matsuri, das jedes Jahr am 13. Tag des Mondkalenders (Februar oder März) in der Stadt Inazawa (Präfektur Aichi) stattfindet, ist eines der bizarrsten Volksfeste in Japan. Seit mehr als 1.200 Jahren wird dort, im Schrein Kōnomiya-jinja, ein traditionelles Ritual abgehalten. Eine trotz der kühlen Temperaturen nur halb bekleidete Menschenmasse drängt zum Schrein, um den sog. shin-otoko („männlicher Gott“) zu berühren, einen vorab ausgewählten Festteilnehmer, der unbekleidet in die Menge geschickt wird. Ihn anzufassen soll Unheil abwenden und Glück bringen. Es heißt, dass das Matsuri erstmalig in der Nara-Zeit (710-794) stattfand, als im Jahre 767 auf Befehl der Kaiserin Shōtoku in sämtlichen Schreinen des Landes religiöse Rituale zur Seuchenabwehr ausgeführt wurden. 

Am Tag des Festes versammeln sich die Menschen ab den frühen Morgenstunden um den Schrein. Sie tragen sog. naoi-zasa, große Bambusstangen, und naoi-nuno, bunte Stoffbanner, die das Unglück vertreiben sollen. Bis auf den shin-otoko sind die Männer in der Regel in eine Art Lendenschurz gekleidet. 2024 durften erstmals auch Frauen an dem Fest teilnehmen, die einen happi (eine traditionelle Jacke) und kurze Hosen als Festkleidung trugen. Auch in diesem Jahr wurde ein shin-otoko ausgewählt, der sich, wie es Brauch ist, vor dem Matsuri drei Tage lang in den Kōnomiya-jinja zurückzog, um sich in Gebeten den Göttern vorzustellen.

Mann kniet im weißen Gewand betend in einem Schrein
© Ishikawa Hironobu / JTPA

Am Haupttag des Matsuri, an dem diesmal nicht nur Frauen, sondern auch Menschen aus dem Ausland beteiligt waren, herrschte ein buntes und wildes Treiben. Die Menge schubste und drängelte, um den shin-otoko zu berühren und kümmerte sich scheinbar kaum darum, mit Eimern voll (eiskaltem!) Wasser bespritzt zu werden.

Die Masse drängt in Richtung "shin-otoko" und wird dabei mit Wasser bespritzt
© Ishikawa Hironobu / JTPA
Frauen in lila Festkleidung
© Ishikawa Hironobu / JTPA
Japanische Männer mit einem Festteilnehmer aus dem Ausland
© Ishikawa Hironobu / JTPA

Nach rund 40 Minuten hat es der shin-otoko geschafft, sich durch die Menge zu kämpfen (das kann bis zu einer Stunde dauern) und wurde von den Festteilnehmern bejubelt.

Männliche Festteilnehmer bejubeln den "shin-otoko"
© Ishikawa Hironobu / JTPA

Sowohl die Frauengruppe als auch das Team der Wasserwerfer war sichtlich stolz, einen Beitrag geleistet zu haben.

Eine am Fest beteiligte Frauengruppe und einer der Priester blicken stolz in die Kamera
© Ishikawa Hironobu / JTPA
Eine Gruppe Männer, die als Wasserwerfer am Fest beteiligt waren, hält ihre Holzeimer in die Höhe und jubelt
© Ishikawa Hironobu / JTPA

Yunishigawa Onsen Kamakura Matsuri

Das Kamakura Matsuri, das von Januar bis Anfang März in Yunishigawa Onsen (Nikkō, Präfektur Tochigi) stattfindet, ist eher ruhig und stimmungsvoll als laut und bunt. In diesem Thermalkurort sollen sich der Legende nach Adlige des Taira-Clans versteckt haben, nachdem diese vom Minamoto-Klan besiegt wurden. Dies geht auf das sagenhafte Samurai-Epos Heike monogatari zurück, ein Monumentalwerk der japanischen Literatur aus dem 12. und 13. Jahrhundert, das erst 2022 ins Deutsche übersetzt wurde. In Anlehnung an diese Legende wurde in Yunishigawa Onsen das Heike no sato (Heike-Dorf) eingerichtet, eine beliebte Sehenswürdigkeit. Dort werden für das Matsuri hunderte Kamakura (kleine und große Schneehäuser) gebaut und wunderschön illuminiert. Das erleuchtete Sawaguchi-Flussbett gehört sogar zum Nachtsicht-Weltkulturerbe.

Erleuchtete Mini-Schneehäuser vor einem Holzhaus
© Tatsuki Hirohiko / JTPA
Erleuchtete Schneehäuser
© Tatsuki Hirohiko / JTPA
Mini-Schneehäuser entlang des Sawaguchi-Flußbettes
Mini-Schneehäuser entlang des Sawaguchi-Flußbettes. © Tatsuki Hirohiko / JTPA
Haus mit mächtigen Holztor und zwei Dämonenfiguren
Eines der Häuser im Taira-Dorf mit dem Namen Ageha ("Schwalbenschwanz"; Schmetterlingsart). © Tatsuki Hirohiko / JTPA

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