Glück für’s neue Jahr: Traditionelle japanische Neujahrsspeisen

Diana Casanova
Diana Casanova

Osechi ryōri, Sake oder Reiskuchen – zum wichtigsten japanischen Feiertag, dem Neujahrsfest, gibt es verschiedene Traditionen, die sich rund um Essen und Trinken drehen. Schauen wir uns die bekanntesten genauer an.

osechi ryori
Das aufwendige osechi ryōri ist wohl das bekannteste Gericht zum Neujahrsfest in Japan. © Photo AC / skyhigh.ring

Silvester und Neujahr gehören zu den wichtigsten Feiertagen in Japan. Seit Jahrhunderten werden verschiedenste Bräuche anlässlich des Jahreswechsels zelebriert – so gibt es auch diverse Speisen und Getränke, die dafür traditionell zubereitet und gegessen werden.

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Osechi ryōri

Der Klassiker unter den Neujahrsspeisen ist das sog. osechi ryōri (おせち料理), und gleichzeitig auch das aufwendigste Gericht. Es besteht nämlich nicht nur aus einem, sondern vielen kleinen Speisen, deren Zubereitung oft mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Jedes von ihnen hat dabei eine bestimmte, für das neue Jahr glückverheißende Bedeutung.

Beliebte Gerichte – meistens bestehend aus Fisch oder Gemüse – für das osechi ryōri sind Omelett, gedämpfte Fischpasteten, Meerbrasse, schwarze Sojabohnen, Klettenwurzel und eingelegter Rettich. Serviert werden sie meist in jūbako genannten Lackboxen, die aus mehreren Lagen bestehen. Heutzutage kann man allerdings auch fertig zubereitete Pakete in Supermärkten kaufen. 

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Osechi ryōri
Osechi ryōri © Photo AC / cheetah

Kagami mochi

Kagami mochi (鏡餅, wörtlich „Spiegel-Reiskuchen“) sind essbare Dekorationen, die aus zwei aufeinandergelegten runden Mochi-Reiskuchen mit einer Mandarine oben drauf bestehen. Das japanische Wort für „Mandarine“, daidai, ist lautgleich mit dem Wort für „Generation“, weshalb die Frucht ein Symbol für Familie und Langlebigkeit ist und auch in vielen weiteren Neujahrsdekorationen und -bräuchen zu finden ist. Die Reiskuchen sollen dabei die Vergänglichkeit des alten Jahres widerspiegeln.

Traditionell werden Kagami mochi an verschiedenen Stellen des Hauses, z.B. am Shintō-Hausaltar, aufgestellt und sollen die Götter dazu bewegen, das eigene Zuhause vor Zerstörung zu bewahren.

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Kagamimochi
Ein typisches Kagami mochi mit Neujahrsdekoration.

Toshikoshi soba

Auch wenn sich Name und Brauch von Region zu Region unterscheiden, kann man das Toshikoshi soba bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Doch erst in der Edo-Zeit (1603-1868) hat es sich richtig als Neujahrsspeise etabliert. Die langen Buchweizennudeln sollen ein langes und erfülltes Leben repräsentieren, das man sich für das neue Jahr wünscht. Toshikoshi (年越し) bedeutet wörtlich „das Jahr überschreiten“ und beschreibt den Übergang vom alten ins neue Jahr.

Die Nudelsuppe besteht in der Regel aus einer klaren Dashi-Brühe sowie Soba-Nudeln – spezielle Toppings werden nicht unbedingt vorgeschrieben, doch sind Fischkuchen, Tōfu, Algen und Frühlingszwiebeln gängige Zutaten.

Toshikoshi soba
Toshikoshi soba © Photo AC / hirobirock

Otoso

Otoso ist ein besonderer Sake, in dem verschiedene Heilkräuter über mehrere Stunden ziehen gelassen werden, z.B. japanischer Pfeffer, getrockneter Ingwer oder auch Zimt. Traditionell trinkt man diesen am Neujahrsmorgen gemeinsam mit der gesamten Familie. In aufeinander gestapelte, unterschiedlich große Becher wird der Reihe nach Sake gegossen – vom kleinsten Becher trinkt das jüngste, vom größten das älteste Familienmitglied. Dem Glauben nach sollen so die Älteren die Energie und Vitalität der Jüngeren erhalten.

Auch die Kanji des Wortes otoso (お屠蘇) sagen einiges über die aus China stammende Tradition aus, welche schon in der Heian-Zeit (794-1185) von der adligen Elite praktiziert wurde, bevor die normale Bevölkerung sie während der Edo-Zeit übernahm: to (屠) bedeutet so viel wie „schlachten“, während so (蘇) angeblich der Name eines Dämons war, der in Dörfern Schrecken verbreitete. Das Otoso soll also auch böse Geister und Dämonen fernhalten. Heutzutage wird diese Tradition jedoch selten – und tendenziell eher in Westjapan mit normalem Sake – zelebriert.

Otoso
Ein typisches Otoso-Set. © Photo AC / HAIDARUI

Ozōni

Ozōni ist eine klare Suppe auf Dashi-Basis, die traditionell am Neujahrstag gegessen wird. Üblicherweise werden dazu Mochi-Reiskuchen und verschiedene Fisch- und Gemüsesorten als Einlage serviert, doch diese unterscheidet sich regional stark. Es heißt, dass die Suppe früher ein Gericht der Samurai-Klasse war, das auf Schlachtfeldern zubereitet wurde, bevor es sich später in der übrigen Bevölkerung durchsetzte. Als Neujahrsspeise wird Ozōni angeblich schon seit dem 16. Jahrhundert als Opfergabe für die Götter verspeist.

Finden Sie hier ein Ozōni-Rezept zum Nachkochen:

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Neujahrssuppe Ozoni
Neujahrssuppe Ozōni © Photo AC / hirobirock

Nanakusa gayu 

Streng genommen keine Neujahrsspeise wird Nanakusa gayu traditionell am 7. Januar, im Rahmen des Nanakusa-Festes, gegessen. Am Tag des „Festes der sieben Kräuter“, welches vorher schon in China zelebriert wurde, wird ein einfacher Reisbrei mit sieben verschiedenen Kräutern zubereitet und gegessen – die Kräuter sollen dabei Gesundheit und ein langes Leben versprechen. In Japan verwendet man meist heimische Kräuter wie japanische Petersilie, Hirtentäschel, Baumwollgras oder Rettich. Auch hier gibt es große regionale Unterschiede, wobei man im Grunde jede beliebige Kräutersorte verwenden kann.

Lesen Sie hier ein Rezept für Nanakusa gayu:

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Nanakusa gayu
Nanakusa gayu, ein Reisbrei mit sieben verschiedenen Kräutern.

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