Geisha oder Freudenmädchen? Tradition und Kultur der „Oiran“

Belinda Preißinger-Matsunaga
Belinda Preißinger-Matsunaga

Zwischen Prostituierter und Mode-Ikone lag zur Edo-Zeit nur ein schmaler Grat – wie man seit dem Film „Die Geisha“ weiß. Wie aber unterschieden sich Geisha und Prostituierte im alten Japan? Welchen Einfluss hatten sie auf die japanische Großstadt-Kultur?

Seitenansicht einer Geisha
© Instagram @hiro_photograph

Wo liegt der Unterschied zwischen Geisha und Prostituierter?

Geisha bedeutet wörtlich „Person der Kunstfertigkeit“ und hat nichts mit Prostitution zu tun. Eine Geisha war (und ist auch heute noch) eine Entertainerin, die mit kleinen Auftritten und Spielen feiernden Gesellschaften den Abend versüßt.

Das, was man außerhalb Japans oftmals fälschlicherweise unter einer Geisha versteht, ist die Oiran  – der höchste Rang, den Frauen als Prostituierte erreichen konnten. Sie waren zur Edo-Zeit (1603-1868) in den bürgerlichen Freudenvierteln der Großstädte tätig.

Junge Frau als Oiran gekleidet
(c) Keisuke Makino / Flickr CC2.0
Oiran auf der Straße mit einem Sonnenschirmträger
(c) Takeshi KOUNO / Flickr CC2.0

Es gab einen stillen Krieg zwischen den beiden Berufsgruppen. In Yoshiwara, dem Freudenviertel Edos, stand aber die Oiran weit über der Geisha. Öffentlich verschwiegen wurde jedoch, dass auch manche Geisha ihren Körper verkauften. 

Was zeichnet die Oiran aus?

Die Kanji für Oiran 花魁 bezeichnen nicht umsonst eigentlich die Flammenblume Phlox, die in allen Rot- und Rosatönen leuchtet! Die Oiran wurde ob ihres prächtigen Kimonos und außergewöhnlichen Erscheinung überall bewundert.

Zwei Oiran posieren für ein Foto
(c) Shimabara.Tayuu / Flickr CC2.0

Die Oiran war nicht nur Prostituierte, sondern auch eine echte Entertainerin. Bis zum 15. Lebensjahr wurden Anwärterinnen in Tanz, Gesang, Teezeremonie, Ikebana, Koto und Shamisen, einem traditionellen japanischen Musikinstrument, unterrichtet und gedrillt. Nur die Mädchen, die solch eine erstklassige kulturelle Ausbildung und strahlende Schönheit besaßen, konnten zur Oiran aufsteigen.

Eine Oiran-Darstellerin bei einer öffentlichen Teezeremonie
Eine Oiran-Darstellerin bei einer öffentlichen Teezeremonie. (c) Shimabara.Tayuu / Flickr CC2.0

Oiran – Die Mode-Ikonen Edos

Oiran hatten mehrere Bedienstete, die all ihre Wünsche erfüllten. Diese Diener begleiteten die Oiran, wenn sie im besten Kimono gekleidet ihre Freier abholten. Dabei trug die Oiran Sandalen mit drei-zähnigen Absätzen und einer Höhe von 20 cm. Hinter ihr liefen Oiran-Anwärterinnen (furisode shinzō) sowie noch jüngere Mädchen in Ausbildung (kamuro).

Junge Frau als Oiran gekleidet auf der Straße
(c) Konstantin Papushin / Flickr CC2.0
drei als Oiran gekleidete Frauen nebeneinander
(c) doronko / Flickr CC2.0

Wenn mehrere Oiran gemeinsam unterwegs waren, liefen sie nach Rang und Beliebtheit aufgereiht hintereinander. Diese regelrechten Paraden (oiran dōchū) erregten große Aufmerksamkeit und lockten zahlreiche Zuschauer an. Das, was die Oiran dabei trugen, setzte neue Mode-Trends in Edo.

Tradition des alten Japan

Mit dem Verbot der Prostitution 1957 ist die über 340 Jahre währende Kultur der Oiran in Japan ausgestorben. Dennoch finden hier und da in Japan professionell nachgestellte Oiran-dōchū statt.

Abendliche Oiran Parade
(c) Takeshi KOUNO / Flickr CC2.0

In der Stadt Kumamoto auf Kyūshū zum Beispiel: Zwei Mal im Jahr können Sie die Parade der Freudenmädchen dort bewundern. Lesen Sie hier mehr zu dem Event, das zur Golden Week (erste Mai-Woche) und zum Lichterfest (zweites Wochenende im Oktober) in Kumamoto stattfindet.

Orian von hinten mit Herr im Anzug und Frau in Komono gekleidet
(c) Shimabara.Tayuu

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