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Japan – für Auslandssender ein schwieriger Medienmarkt mit viel Potenzial

Um den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch anzuregen, teilt das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin eine Reihe von Gastbeiträgen mit JAPANDIGEST. In diesem Teil berichtet Gerda Meuer von den Schwierigkeiten, die deutschen Medien auf dem japanischen Markt zu etablieren.

Japan erscheint auch in unserer globalisierten Welt vielen Deutschen noch fremd. Die Sprache, die Kultur, die archaischen Traditionen und schließlich auch 9.000 Kilometer Luftlinie – Japan und Deutschland trennt offenbar vieles. Wenn Journalisten aus Japan berichten, kommen auch heute oft Fragen aus den Heimatredaktionen, die den Exotismus des Landes betreffen. Dennoch ist uns Japan näher als wir denken. Historisch und mental gibt es viele Parallelen. Und selbstverständlich ist Japan eine Demokratie, in der Meinungs- und Pressefreiheit geachtet wird.

Dafür sorgt auch die Vielfalt der Medien- und Informationsgesellschaft. In dem Inselstaat erscheinen jeden Tag 117 Zeitungen. Die gesamte Auflage: 51,8 Millionen Exemplare. Das bedeutet 412 Exemplare pro 1.000 Einwohner – die Japaner sind auch im Jahr 2018 noch Weltmeister im Zeitung lesen. Auch die Radio- und Fernsehlandschaft ist üppig aufgestellt. NHK, Nippon Hoso Kyokai, ist vom Jahresbudget her betrachtet der zweitgrößte öffentlich-rechtliche Sender der Welt. Dazu kommen mehr als 200 private und kommerzielle Radio- und Fernsehstationen. Zusätzlich sind Millionen Japaner über ihre Smartphones ständig im Internet unterwegs, Social Media im Alltag junger Menschen selbstverständlich – noch mehr als in Deutschland. Die Digitalisierung ist in dem Inselstaat voll angekommen.

Medien durchdringen also die japanische Gesellschaft. Eigentlich eine perfekte Ausgangslage für die Deutsche Welle (DW). Trotzdem ist der japanische Markt für den deutschen Auslandssender sehr schwierig. Wie Menschen in vielen anderen Ländern auch nutzen Japaner Medien vor allem in ihrer eigenen Sprache. Das gilt für TV, Radio und Online inklusive Social Media wie Facebook, Twitter und Co. Unter den 30 Sprachen der Deutschen Welle ist Japanisch nicht mehr vertreten. Die Programme wurden vor vielen Jahren eingestellt. Die Deutsche Welle konzentriert sich in ihrem Sprachenkanon auf Länder, in denen es anders als in Japan keine Meinungs- und Pressefreiheit gibt wie in China, Russland, dem Iran und vielen Staaten der arabischen Welt.

Ein Erfolg für die DW wäre es, den englischsprachigen News-Kanal auf dem japanischen Markt zu positionieren. Doch ist die Konkurrenz um die Sendeplätze im Kabel in Japan enorm. Auch hier gilt: Kabelanbieter präsentieren fast ausschließlich japanische Sender. Ausländische Sender sind für die Unternehmen nur dann interessant, wenn sie ihre Beiträge entweder in Japanisch untertiteln oder mit Voice-over vertonen. Denn TV-Sender, die nur für wenige Abonnenten attraktiv sind, generieren wenig Umsatz.

Die Kommerzialisierung auf dem Kabelmarkt spielt also eine Rolle für den Erfolg der Deutschen Welle. Die DW wird über diesen Weg mit einem rein englischen oder deutschen Kanal nicht mit großen Reichweiten punkten können. Allerdings: Sehen kann man die Programme der DW in Japan natürlich. Im Internet gestreamt, über die Webseite oder die App ist der einfachste Weg. Zudem ist das englische Programm des deutschen Auslandssenders über die PayTV-Anbieter New IT Venture (NITV) und SkyPerfect OTT empfangbar. Beide Unternehmen haben sich mit ihren „foreign packages“ auf die Zielgruppe der so genannten Expatriates, also der in Japan lebenden Ausländer spezialisiert, darunter Deutsche, Briten, Australier und Amerikaner. NITV und SkyPerfect bieten als einzige PayTV-Sender rund zwei Dutzend Kanäle in Fremdsprachen an. Darüber hinaus kann jeder Japaner die Fernsehkanäle der DW direkt über Satelliten empfangen, konkret über AsiaSat 7. Dafür braucht sie oder er allerdings eine rund 2,5 Meter große Schüssel.

Immerhin bietet die rasant voranschreitende Digitalisierung der DW eine neue Chance. In vielen Zielmärkten des Auslandssenders nutzen Menschen heute an erster Stelle digitale Angebote, um sich zu informieren – Tendenz steigend. Vor allem Facebook ist unter den Japanern beliebt. Ein soziales Medium, das neben YouTube, Twitter und Instagram in der Digitalstrategie der DW einen besonderen Stellenwert einnimmt. In Echtzeit können Menschen auf diesem Weg in Japan erreicht werden, vor allem über Videos, die sich mit Google Translate oder anderen Softwarelösungen ins Japanische übersetzen lassen. Noch ist das sicherlich nicht der Alltag für viele  Nutzer, aber auch hier wird die Technik sich so weiter entwickeln, dass alleine die Sprache bald nicht mehr das entscheidende Hindernis sein wird, um Medienangebote zu nutzen.

Ohnehin rüstet sich das Technologieland Japan für die digitale Zukunft. Es war Partnerland auf der diesjährigen Informationstechnikmesse CeBIT in Hannover und möchte mit dem Regierungsprogramm „Society 5.0“ nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft fit für die Zukunft machen. Eine Gesellschaft, die vor ähnlichen Problemen wie die deutsche steht: Die Menschen werden immer älter, und  es fehlt in allen Industriebereichen an Fachkräften. In diesem Zusammenhang wird auch in Japan inzwischen über das Thema Migration debattiert, ein Novum in dem doch bislang sehr abgeschotteten Inselstaat.

Europa ist für die Japaner als Exportkontinent wichtig. Deshalb blickt die Regierung mit Sorge auf die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen. Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner für Tokio, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen sind über viele Jahre gewachsen und stabil.

Die räumliche Entfernung lässt sich für beide Staaten also leicht überbrücken. Gerade in Zeiten des nuklearen Säbelrasselns zwischen dem benachbarten Nordkorea und den USA sind verantwortungsvolle Partnerschaften wichtiger denn je.

Die Journalisten der DW werden weiterhin über dieses hoch interessante Land berichten, nicht nur zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio und nicht nur, weil ich selbst dort fünf Jahre gearbeitet habe. Sondern weil Japan und Deutschland trotz ihrer Unterschiede viel gemeinsam haben.


 

Gerda Meuer ist Programmdirektorin der Deutschen Welle und Mitglied des JDZB-Stiftungsrats. Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag des vierteljährlichen Newsletters “jdzb echo”, der vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin publiziert wird. Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag des vierteljährlichen Newsletters “jdzb echo”, der vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin publiziert wird. Der Beitrag wurde von Gerda Meuer für die Dezember 2017-Ausgabe verfasst und für die Veröffentlichung auf JAPANDIGEST aktualisiert.

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