Osprey Okinawa
Mehrere Dutzend Ospreys sind auf Okinawa im Süden Japans stationiert. © U.S. Navy / Steven Kays / CC2.0

NEWS | Okinawa: Osprey-Hubschrauber abgestürzt

Hannah Janz

Besatzungsmitglieder gerettet +++ Ursache unklar +++ Verteidigungsministerin Inada fordert Stopp aller Osprey-Flüge

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch musste ein MV-22 Osprey-Hubschrauber auf Okinawa vor der Stadt Nago notlanden. Die fünf Besatzungsmitglieder katapultierten sich kurz vor der Bruchlandung mit Schleudersitzen aus der Maschine.

Alle fünf Marines wurden durch das US-Militär geborgen und in ein Krankenhaus auf dem US-Stützpunkt Camp Schwab etwa 15 km entfernt von der Absturzstelle gebracht. Zwei von ihnen müssen längerfristig behandelt werden.

Ein Helikopter der japanischen Küstenwache entdeckte den verunglückten Osprey-Hubschrauber ebenfalls morgens gegen 1.45 Uhr japanischer Ortszeit etwa 800 m vor der Küste der Stadt Nago im flachen Wasser. Die japanische Küstenwache forderte das US-Militär auf, zwei Schiffe, die im Anschluss an die Unfallstelle geschickt wurden, ebenfalls Untersuchungen vornehmen zu lassen.

Mittwochmorgen gab das japanische Verteidigungsministerium bekannt, dass Verteidigungsministerin Inada Tomomi den kommandierenden General der US-Streitkräfte in Japan, Lt. Gen. Jerry Martinez, ermahnte, umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten und die Erkenntnisse der japanischen Regierung mitzuteilen. Desweiteren habe Inada vorerst einen Stopp aller Osprey-Einsätze gefordert, bis die Unfallursache geklärt sei.

[Update 14.12.2016, 17.30 Uhr: Das US-Kommando hat mittlerweile der Forderung Inadas zugestimmt und vorerst alle Osprey-Flüge in Japan gestoppt.]

Schlechtes Timing für Zwischenfälle

Der heutige Absturz ereignete sich nur eine Woche nach einem weiteren Osprey-Zwischenfall. Auf Okinawa, wo mehrere Dutzend der Hubschrauber als Teil des Marine Corps stationiert sind, erregte eine tief über einem Wohngebiet fliegende Maschine japanweit Empörung (Japan Digest berichtete).

Die Osprey, die wie ein Helikopter senkrecht starten und anschließend in den Starrflügelmodus wechseln können, sind in Japan für ihre Anfälligkeit für Unfälle berüchtigt. Bei der Entwicklung der Hubschrauber starben mehrere Menschen. Bei der heute verunglückten Maschine handelt sich um den ersten Absturz eines Osprey, seit diese 2012 offiziell auf Okinawa stationiert wurden.

Die Fertigstellung der Landeplätze für die Osprey-Hubschrauber nahe der Stadt Takae im Norden Okinawas hatte im Sommer zu Protesten seitens der Bevölkerung geführt (Japan Digest berichtete).

Streit um Stützpunkt mitten in der Stadt

FutenmaDie Futenma Air Base auf Okinawa in Ginowan - ein Stützpunkt inmitten der Stadt. (c)ACPhoto

Der heute verunglückte Osprey-Hubschrauber ist auf der Air Force Base Futenma stationiert. Dieser Stützpunkt liegt inmitten der Stadt Ginowan. Die Lärmbelastung und frühere Abstürze von Militärflugzeugen führten zu einer starken Ablehnung der Militärpräsenz durch die Bevölkerung.
Seit Jahren verhandeln die USA und Japan über eine Umsiedlung des Stützpunktes Futenma in ein weniger dicht besiedeltes Areal Okinawas. Während beide Zentralregierungen eine Verlegung nach Henoko präferieren, wo die Bauvorhaben aber auf heftige Proteste durch die Bevölkerung stoßen, fordert die Präfekturregierung Okinawas immer wieder eine Verlegung des Stützpunktes außerhalb Okinawas, beispielsweise Guam.

Auf Guam unterhalten die USA bereits einen großen Stützpunkt. Die Insel im Westpazifik liegt allerdings mehrere Flugstunden weiter von Japan, Südkorea und China entfernt und bietet dem US-Militär deswegen nicht die strategischen Vorteile für schnelle Einsätze, wie Okinawa sie bereithält.

Karte der Insel Okinawa

1: Stadt Nago, 80 m vor der Stadt stürzte die Osprey ins Wasser
2: Stadt Takae,  nördlich davon wurden im Sommer Landeplätze für Ospreys fertiggestellt
3: Air Force Base Futenma, Stützpunkt mitten in der Stadt Ginowan

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