Harmonie und Frieden im Teehaus des Museums für Asiatische Kunst Berlin

Doitsu News Digest
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Im neuen Ethnologischen Museum und Museum für Asiatische Kunst im Berliner Humboldt-Forum kann man die japanische Teezeremonie auf authentische Weise erleben. Für in Deutschland lebende Japaner*innen bietet das neue Teehaus in Pandemiezeiten auch ein kleines Stück Heimat.

Das Teehaus „Bōkian“
Das Teehaus „Bōkian“ im Museum für Asiatische Kunst des Humboldt Forums Berlin. © Nakamura Masato

Am 22. September 2021 eröffnete im Berliner Humboldt Forum das Ethnologische Museum und Museum für Asiatische Kunst in seinem neuen Kulturkomplex. Der Umzug vom ursprünglichen Standort Berlin-Dahlem dorthin hat mehrere Jahre gedauert. Ohne lange zu zögern, habe ich mich gleich in der ersten Woche nach Eröffnung auf den Weg dorthin gemacht. Die Dauerausstellungen zu Afrika und Ozeanien befinden sich im 2. Stock, zu Asien im 3. Stock.

Die Ausstellungsräume sind so groß, dass man nicht alles auf einmal erblicken kann. Ich hatte bereits vorher gehört, dass in der Abteilung für japanische Kunst ein authentisches Teehaus eingerichtet worden war, und so beschloss ich, diesem einen Besuch abzustatten. Durch das südliche Asien, entlang der Seidenstraße bewegten wir uns langsam gen Osten. In Zeiten, in denen ich nicht einfach so in meine Heimat Japan fliegen kann, fühlte ich mich, als wäre ich wieder dort, während ich mir asiatische Kunstwerke anschaute. 

Zerstörung und Schöpfung

Wenn man nun die Ausstellung zu Japan im nordwestlichen Teil des Museums erreicht, gelangt man in das wunderschöne Teehaus. Im Rahmen eines Wettbewerbes  anlässlich des Museumsumzuges, wurde dieses Teehaus vom Architekten Ura Jun aus Kanazawa als bester Vorschlag ausgewählt und in Zusammenarbeit mit dem Teemeister Nara Sōkyū sowie drei japanischen Kunsthandwerkern, die Teeutensilien herstellen, erbaut. Das übergeordnete Leitmotiv lautete „Zerstörung und Schöpfung“. Das Teehaus besitzt eine achteckige Form, die vom Dach der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche inspiriert ist, in der bis heute die Spuren des Zweiten Weltkrieges zu beobachten sind.

Die Türen wurden mit japanischem Lack bearbeitet, und der Boden, der zum Haus führt, besteht aus Keramik. Insgesamt wurde ein typisches Design japanischer Handwerkskunst im großen Stil übernommen. Der Name des Teehauses lautet „Bōkian“ und wurde ihm von Zabōsai, 16. Großmeister der Urasenke, verliehen, welcher dem Humboldt Forum ebenfalls eine Gedenktafel stiftete.

Das „Bōkian“-Teehaus
Das „Bōkian“-Teehaus, in achteckiger Form. © Nakamura Masato

Als ich mit einem Mitglied des Berliner Urasenke Teeweg-Verein e.V. sprach, teilte sie mir ihre Eindrücke dieses Ortes mit: „Er ist nicht einfach nur zum Zeigen, sondern so detailgetreu erbaut, dass man ihn zum Üben und Durchführen des Teeweges nutzen kann. Es ist modern, aber dennoch harmonisch, so wie ein japanisches Teehaus sein soll.“

Frieden aus einer Schale Tee

Seit Oktober 2021 führt der Verein zweimal im Monat eine Teevorführung für Besucher*innen durch. „In Deutschland wird der Teeweg oft mit Zen und Meditation in Verbindung gebracht, aber hier werden keine buddhistischen Übungen durchgeführt. Man kann hier die Begegnung zwischen dem Gastgeber und den Gästen genießen und einen Moment der Harmonie erleben. Ich würde mich sehr freuen, wenn die deutschen Besucher*innen hier den Charme des Teeweges erkennen würden“, so die Beisitzerin des Vereins, Frau Isoyama.

Auf einem Stuhl sitzend schaute ich mir im Teehaus einen kleinen Film über den Teeweg an und fühlte mich so entspannt, als wäre ich das erste Mal nach langer Zeit wieder in meiner Heimat Japan. Im Fenster sah ich das gegenüber liegende Gebäude, die Museumsinsel, die wie ein antiker Tempel aussah. Das war immer noch Berlin…

Hōunsai, der ehemalige Großmeister der Urasenke, lebte nach dem Prinzip „Frieden aus einer Schale Tee“ und pilgert seit vielen Jahren durchs Land, um diese Wirkung des Tees anzupreisen. Ich freue mich, dass in einer Ecke dieser riesigen Kultureinrichtung ein Raum der Ruhe entstanden ist, der den Geist der Harmonie und des Friedens verkörpert.

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Zum Autor: Nakamura Masato

Geboren in Yokosuka, Präfektur Kanagawa. Nach seinem Literaturstudium an der Waseda-Universität lebt und arbeitet er seit 2000 in Berlin als freiberuflicher Autor. Er veröffentlichte u.a. das japanischsprachige „Berlin Guidebook“ (Gakken Plus).

Zu seinem Blog „Berlin Hauptbahnhof“ (Berlin chūōeki): http://berlinhbf.com


Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst

Das Museum wurde 2021 neu eröffnet und befindet sich im Herzen des Humboldt Forums. Es beherbergt rund 20.000 Ausstellungsstücke aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Das Museum wird voraussichtlich ab Frühsommer 2022 für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich sein. Eine Einführung in den Chanoyu (Teeweg) im Teehaus findet in der Regel am ersten und dritten Sonntag im Monat statt (zur Zeit finden keine Teevorführungen statt).

Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag 10-20 Uhr; Freitag, Samstag 10-22 Uhr
Adresse: Schloßplatz, 10178 Berlin
Tel.: 030-992118989
Web: www.humboldtforum.org


Urasenke Teeweg-Verein Berlin e.V.

Der Verein wurde als internationaler Ableger der Urasenke-Schule 2013 gegründet. Im 16. Jh. legte Sen-no-Rikyū das Fundament für den heutigen Chanoyu und dessen Philosophie. Seine Nachkommen, die drei Familien namens Sen, führen immer noch als Großmeister die Tradition fort. Urasenke ist auch eine dieser drei Traditionslinien Sen und zwar die größte. Der jetzige Großmeister Zabōsai Sen Sōshitsu ist der 16te, von Sen-no-Rikyū gezählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem der 14. Großmeister Mugensai sowie der 15. Großmeister Hōunsai, die die Verbreitung des Teeweges im Ausland vorantrieben. Heutzutage gibt es über 90 Niederlassungen in 36 Ländern. Weitere Informationen finden Sie auf der Website.

Web: www.teeweg-berlin.de


Dieser Artikel erschien in japanischer Sprache in der Ausgabe Nr. 1159 des Doitsu News Digest und wurde für die Veröffentlichung auf JAPANDIGEST übersetzt und nachbearbeitet. 

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