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Sexualgesundheit in Japan

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Sexualgesundheit ist ein wichtiger Bestandteil des körperlichen und seelischen Wohlbefindens. Wer in Japan lebt, kann durch etwaige Sprachbarrieren ohnehin Schwierigkeiten mit dem japanischen Gesundheitssystem haben - wir zeigen Ihnen, wie Sie sich am besten um Ihre Sexualgesundheit in Japan kümmern können.

Arzt

Ein fremdes Land zu besuchen, oder dort zu leben, ist eine aufregende Erfahrung. Aber es ist wichtig zu wissen, welche Schritte man unternehmen kann, um das Beste aus dieser Erfahrung herauszuholen, und das schließt ein gesundes und positives Sexualleben ein. Wir haben ein paar nützliche Tipps und Hilfsmittel zusammengetragen, die Sie zum Thema Sexualgesundheit in Japan berücksichtigen können.

Was ist Sexualgesundheit?

Pärchen
© pixabay

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Sexualgesundheit „ein Zustand physischen, emotionalen, psychischen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität; sie ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Dysfunktion oder Gebrechlichkeit. Sexualgesundheit benötigt eine positive und respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen, wie auch die Möglichkeit, angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt“.

Der Schlüssel für alle Menschen, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung oder Neigung, ist, sich über seinen oder ihren körperlichen Zustand und das sexuelle Wohlbefinden bewusst zu sein zu können, und zu wissen, welche Orte zu den eigenen Bedürfnissen und Situationen passen.

Wie funktioniert Sexualgesundheit in Japan?

Karte

In Japan gibt es ein universelles System zur Gesundheitsfürsorge, die „nationale Krankenversicherung“ (kokumin kenkō hoken, oder kurz kokuho). Alle gemeldeten Einwohner, ob permanent oder temporär, die nicht über ihren Arbeitgeber versichert sind, werden von der Nationalkrankenversicherung abgedeckt. Über eine monatliche Gebühr haben alle Versicherten freien Zugang zu Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land und müssen nur 30 % der Gesamtkosten tragen, während die restlichen 70 % vom Staat übernommen werden.

Dieses System schließt in der Regel auch alle Aspekte bezüglich der Sexualgesundheit mit ein, allerdings muss man einen wichtigen Punkt beachten. Die Nationalversicherung wird die Kosten nur übernehmen, wenn eine medizinische Fachkraft mit konkreten Symptomen aufgesucht wird, die zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist (Ausschläge, Schmerzen, Blutungen usw.). Das bedeutet, dass Untersuchungen auf sexuell übertragbare Krankheiten leider nicht Teil der regulären Gesundheitschecks sind.

Nichtsdestotrotz bietet Japan eine große Auswahl an Möglichkeiten, wo und wie man sich um seine Sexualgesundheit kümmern kann.

1. Kliniken

Ärztin

Private Allgemeinmediziner bieten ihren Patient*innen möglicherweise auch ohne Symptomatik umfangreiche Checks auf sexuell übertragbare Krankheiten an, die Kosten rangieren zwischen 10.000 und 15.000 Yen (ca. 75 bis 115 €). Diese beinhalten in der Regel Tests auf HIV, Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis, aber eventuell auch Hepatitis B und C sowie Herpes. Sollten Sie Symptome haben, werden der jeweilige Test und die Kosten der Behandlung teilweise von der Nationalversicherung getragen. Dermatologen, Venerologen und Proktologen bieten gegebenenfalls auch spezifische Untersuchungen und Behandlungen an.

Bitte beachten Sie, dass das Personal in diesen Einrichtungen möglicherweise nicht genügend Wissen zu Anliegen haben, die die LGBT+- Gemeinde betreffen, und wären daher vielleicht nicht in der Lage, darüber mit betroffenen Patient*innen auf hilfreiche Weise zu sprechen. Vor dem Besuch sollten Sie die Website der Klinik überprüfen. Wenn Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten explizit aufgeführt werden, stehen die Chancen gut, dass diese Einrichtung auch offen gegenüber Patient*innen der LGBT+-Gemeinde ist.

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2. Gemeindeeinrichtungen und Krankenhäuser

KRankenhaus in Japan

Diverse Gemeindeeinrichtungen und Krankenhäuser bieten an festgelegten Tagen kostenlose Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten an, meistens einmal im Monat. Auch wenn dies ein großartiger Service ist, gibt es ein paar Nachteile. Die möglichen Tests sind festgelegt (entweder ausschließlich HIV, oder ein oder zwei zusätzliche Infektionskrankheiten), selten wird auf alles gleichzeitig getestet.

Da in Japan sehr viel Wert auf Anonymität gelegt wird, werden die Ergebnisse stets erst eine Woche später und nur in der Einrichtung mitgeteilt, niemals per E-Mail oder Telefon, wie es z.B. in Kliniken möglich ist. Zur weiteren Privatsphäre erhalten Sie eine Nummer, die anstelle Ihres Namens zur Identifizierung Ihrer Person benutzt wird. Beachten Sie, dass die dort verwendeten HIV-Tests ein vierwöchiges Zeitfenster zum Nachweis haben, während Privatpraxen in der Regel ein zweiwöchiges haben. Wenn Sie also besonders besorgt sind, wenden Sie sich besser an Ihren (Haus-)Arzt.

HIV Map führt eine Liste an Einrichtungen, die Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten und Beratungen für nicht-japanische Einwohner auf Englisch, Portugiesisch, Spanisch und Thai anbieten.

3. HIV-Prävention

Kondome
© pixabay

Japan ist eine der wenigen Industrienationen, in denen die Zahl der HIV-Infektionen weiter ansteigt. Neben dem generellen Mangel an effektiver Sexualerziehung, gibt es weiterhin viele Irrglauben über die Krankheit. Während andere Länder die Vorstellung von HIV und AIDS als ausschließlich „homosexuelle Krankheit“ vor Langem abgelegt haben, halten viele Menschen in Japan weiterhin daran fest. Bis 2001 stiegen die gemeldeten Fälle unter japanischen Frauen stetig an, bis sie sich bei etwa 40 neuen Fällen pro Jahr eingependelt haben. Hetero- und homosexuelle japanische Männer machen den Großteil der gemeldeten Fälle aus.

Darüber hinaus ist auch die allgemeine Vorstellung von HIV als „ausländische Krankheit“ inkorrekt. 2014 waren nur 8,9 % der Bürger, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, Nicht-Japanisch und 78,9 % haben sich Berichten zufolge in Japan angesteckt. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten sollten daher wachsam sein, was die Prävention von HIV angeht.

HIV-Prävention ist bis heute ein zentraler Bestandteil der Anstrengungen innerhalb der LBGT+-Gemeinde. Neben der Organisation von kostenlosen Tests von sexuell übertragbaren Krankheiten, nehmen Gruppen auch an Aktivitäten zur Förderung von Safer Sex teil. Dies beinhaltet zum Beispiel die Verteilung von kostenlosen Kondomen in Schwulenbars, die Bereitstellung von sicheren Rückzugsorten für LGBT+-Mitglieder, um über ihre Probleme und Erfahrungen zu sprechen, und die Veranstaltung von Seminaren zu Sexualgesundheit. Akta in Tōkyō, Haco in Fukuoka, Dista in Ōsaka, Rise in Nagoya, Mabui auf Okinawa und Zel in Sendai sind einige dieser Gruppierungen.

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4. PrEP in Japan

[Video zu PrEP vom amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Englisch]

Auch wenn die sicherste Methode für Safer Sex (nicht nur zur Prävention von HIV, sondern von den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten) die Nutzung von Kondomen bleibt, hat in den letzten Jahren PrEP (engl. pre-exposure prophylaxis, Vorbeugungsmaßnahme von Infektionen) als alternative Methode bei der HIV-Prävention vor allem in den USA, Kanada und Teilen Europas stark an Fahrt aufgenommen. Die Idee dahinter: Die reguläre Aufnahme von antiretroviralen Mitteln – dieselbe Art von Medikation, die genutzt wird, um die Viruslast von HIV-positiven Menschen bis unter die Nachweisgrenze zu reduzieren – durch eine negativ getestete Person soll das Risiko sich nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit HIV zu infizieren beinahe auf Null senken.

PrEP-Medikamente können in Japan nicht über die Nationalkrankenversicherung erhalten werden, und es ist auch nicht möglich, sie irgendwo in Japan zu kaufen. Es ist aktuell unklar, ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Bis dahin kann das allgemein verwendete Medikament für PrEP im Ausland online legal erworben und nach Japan importiert werden, doch die bestellte Menge darf nicht die einer dreimonatigen Behandlung übersteigen.


Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Englisch bei All About Japan veröffentlicht und von JAPANDIGEST übersetzt und nachbearbeitet.

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