tokyo rainbow pride
Die Tōkyō Rainbow Pride-Parade im Mai 2016. (c) Nesnad / Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0

Queer in Japan: Lage der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender

Im April 2015 erkannte die Lokalregierung Shibuyas gleichgeschlechtliche Partnerschaften an. Landesweit folgten andere Gemeinden. Im Juni 2017 ist es auch in Sapporo so weit. Trotzdem hat die LGBT-Gemeinschaft in Japan mit Unsichtbarkeit und Diskriminierung zu kämpfen.

Die Minderheiten der LGBT-Gemeinschaft (Abk. für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) kämpfen in Japan für mehr Sichtbarkeit. Die jährliche Tōkyō Rainbow Pride-Parade und Projekte wie Out in Japan helfen, die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu erhöhen, doch die LGBT-Kultur bleibt in Japan meist unter der Oberfläche verborgen.

LGBT in Japan: Kein Schutz vor Diskriminierung

Rechtlich gesehen gibt es für als LGBT identifizierende Personen keinen Schutz vor Diskriminierung, weder am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder im Alltag. Die Meinung, dass sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität, die von Heteronormativität oder dem biologischen Geschlecht abweichen, mentale Störungen seien, erschwert in Japan zudem das Verständnis dieser Minderheiten.

Besonders schwerwiegend ist fehlender Schutz und mangelndes Verständnis für SchülerInnen. Für Lehrkräfte gibt es kein Training im Umgang mit LGBT-SchülerInnen, sei es um Fragen zu beantworten oder auf Mobbing zu reagieren. Das Streben nach Harmonie, das in der japanischen Gesellschaft stark verankert ist, führt oft dazu, dass die Lehre des harmonischen Zusammenlebens auf Kosten der individuellen Entwicklung stattfindet.

Als Reaktion auf einen Bericht der Organsation Human Rights Watch im Mai 2016, der diese Problematik offenbarte, legte die japanische Regierung im März 2017 eine aktualisierte Richtlinie zum Schutz der SchülerInnen vor, die erstmals explizit auf den Schutz von Minderheiten in sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität eingeht.

[Video] Eine Video-Erklärung zum Bericht von Human Rights Watch.

Um die Aufklärung an Bildungseinrichtungen zu fördern, bietet die Organisation ReBit Seminare und Vorträge an Schulen an und setzt sich so aktiv für das LGBT-Verständnis ein. Ebenfalls organisiert ReBit in Anlehnung an den japanischen Feiertag seijin no hi (Tag der Volljährigkeit) Zeremonien des LGBT-seijin no hi – und lädt Teilnehmer dazu ein, ihre LGBT-Zugehörigkeit öffentlich zu bekennen.

Teilnehmer des LGBT-seijin no hi.

Zunehmende Sichtbarkeit und Repräsentation

Unabhängig von der sexuellen Orientierung werden in der japanischen Öffentlichkeit Gesten der Zuneigung vermieden. Gerade deshalb ist es besonders wichtig für den Fortschritt der LGBT-Gemeinschaft, in den Medien und der Öffentlichkeit repräsentiert und sichtbar zu sein.

Seit den 1990er Jahren wird in Tōkyō jährlich die Tōkyō Rainbow Pride-Parade abgehalten, die jedes Jahr mehr und mehr Zuspruch findet. In den Tagen vor der Parade finden in Tōkyō viele Events wie Workshops, Vorträge und Feste zum Thema LGBT statt.

Teilnehmer der Parade zelebrieren sexuelle und geschlechtliche Diversität.

Auch das Foto-Projekt Out in Japan hat sich zum Ziel gesetzt, Personen aller Lebenslagen, die sich in Japan als LGBT geoutet haben, zu präsentieren. Durch Crowdfunding und die finanzielle Unterstützung von Firmen und Organisationen möchte das Projekt 10.000 Fotoporträts in einer Ausstellung veröffentlichen und so die LGBT-Präsenz in der Öffentlichkeit steigern.

Nishimura Kodo, der für Out in Japan fotografiert wurde, ist nicht nur Künstler und Make-Up-Artist, sondern auch ein buddhistischer Mönch. Durch seinen Lebensstil versucht Kodo, Harmonie und Diversität zu verbreiten.

Gleichgeschlechtliche Beziehungen in Japan: Anerkennung?

Neben der offiziellen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare durch Lokalregierungen wie in Shibuya und Sapporo, erkennen auch mehr und mehr japanische Betriebe diese Partnerschaften als gleichwertig zur Ehe an. Sozialleistungen, die rechtlich nur Ehepartnern zustehen, werden in großen Firmen immer öfter für unverheiratete, gleichgeschlechtliche Partner anerkannt.

Einen Grund hierfür sehen viele die Olympischen Spiele, die 2020 in Tōkyō abgehalten werden. Anders als die japanische Gesetzgebung besitzt die Olympiade eine Regelung gegen die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung. Firmen, die mit den Olympischen Spielen einen Sponsorenvertrag abschließen möchten, gehen mit der eigenen Firmenpolitik als Vorbild voran.

Ob die Olympischen Spiele auch für die Zentralregierung als Katalysator fungieren werden, sich aktiv und verbal mit LGBT-Rechten auseinanderzusetzen, bleibt abzuwarten.

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