Auch in Japan hat sich das Klima im Laufe der letzten Jahrzehnte spürbar verändert. Aufgrund seiner exponierten Lage am Rande des Pazifiks muss man davon ausgehen, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung hier besonders stark zu spüren sein werden. Ein kleiner Über- und Ausblick darauf, was in Japan konkret vor sich geht und worauf Besucher künftig achten sollten.
Es waren Bilder wie aus einem Horrorfilm: In der Nacht vom 13. zum 14. August 2026 wurde der Nordwesten der Präfektur Chiba, darunter insbesondere die Präfekturhauptstadt Chiba, von in der Region bislang nie gemessenen Regenmengen überrascht. Teilweise von starkem Wind begleitet, fielen bis zu 115 mm Regen pro Stunde. In manchen Stadtteilen kamen innerhalb von 24 Stunden mehr als 350 mm zusammen – das entspricht rund zwei Dritteln der Regenmenge, die in Berlin in einem ganzen Jahr fällt.
13 Todesopfer, eine vermisste Person und mehr als 4000 überschwemmte Häuser waren die Folge – und das wohlgemerkt in einer Großstadtregion, die eigentlich sehr gut auf solche Wetterereignisse, insbesondere auf Taifune, vorbereitet ist. Bereits am Vortag war ein Taifun über die Hauptstadtregion gezogen, doch dieser war nichts im Vergleich zu dem, was am folgenden Tag geschah. Das Unwetter betraf auch Tausende Touristen, die entweder den Flughafen Narita nicht erreichen oder von dort nicht weiterreisen konnten. Die schweren Regenfälle in Chiba veranlassten die Behörden, in weiten Teilen der Präfektur die höchste Warnstufe 5 auszurufen. Sie bedeutet, dass akute Lebensgefahr besteht.
Das Phänomen, das in Chiba auftrat, nennt sich senjōtai gōu und lässt sich etwa mit „Regenband“ übersetzen. In der Meteorologie ist auch der englische Begriff „training“ gebräuchlich. Dabei bilden sich lang gestreckte Regenbänder, die dafür sorgen, dass über Stunden hinweg enorme Niederschlagsmengen auf einen schmalen Korridor fallen, während es nur wenige Kilometer weiter links und rechts nahezu trocken bleiben kann.
Das Phänomen ist nicht neu. Doch Ereignisse mit derart hohen Niederschlagsmengen treten zunehmend häufiger auf: Seit 1976 hat sich ihre Häufigkeit etwa verdoppelt, und der Trend zeigt weiter nach oben.¹ Einer der Gründe dafür ist die zunehmende Feuchtigkeit der Luft in rund 1500 Metern Höhe. Diese wiederum steht im Zusammenhang mit dem deutlich messbaren Temperaturanstieg rund um Japan.
Grundsätzlich gilt: Je wärmer es wird, desto stärker erwärmt sich auch das Meer, wodurch mehr Wasser verdunstet. Trifft diese feuchte Luft anschließend auf die zahlreichen Gebirge Japans, kann es zu starken Niederschlägen kommen. Diese vereinfachte Erklärung wird der komplexen Situation allerdings nicht vollständig gerecht. Während man im Sommer 2026 rund um Tokio einen vergleichsweise kühlen, aber regenreichen August verzeichnete, litt Westjapan unter einer extremen Hitzewelle und einer lang anhaltenden Dürre, die der Landwirtschaft zunehmend Probleme bereitete.
Für Besucher ist die Häufung extremer Wetterereignisse in Japan äußerst relevant. Mehr denn je empfiehlt es sich, während eines Aufenthalts im Land eine Katastrophenschutz-App herunterzuladen, beispielsweise die sehr gut gemachte japanische App NERV.² Sie warnt nicht nur vor Erdbeben und Tsunamis, sondern auch vor gefährlichen Taifunen und Regenbändern.
Bemerkenswert an dem Ereignis in Chiba ist zudem, dass es sich nicht um eine Flutkatastrophe wie im Ahrtal handelte. Die meisten Opfer kamen in ihren Autos ums Leben, nachdem sie plötzlich in überfluteten Senken oder Unterführungen stecken geblieben waren. Die Kanalisation von Chiba – wie auch in weiten Teilen der Hauptstadtregion – kann Niederschläge von rund 65 mm pro Stunde bewältigen. Bei mehr als 100 mm pro Stunde sammelte sich jedoch rasch Wasser in Unterführungen und anderen tiefer gelegenen Bereichen. Aufgrund des heftigen Regens und der einbrechenden Dunkelheit wurden viele Autofahrer davon überrascht.
¹ Siehe: https://www.data.jma.go.jp/cpdinfo/ccj/2025/html_honpen/cc2025_honpen_5.html
² Siehe: https://nerv.app/en/






Kommentare