Kryptowährungen: Bitcoin und Co. erobern den japanischen Markt

Christiane Süßel
Christiane Süßel

Die Digitalisierung durchdringt immer weitere Bereiche unseres Lebens. Nun treten sogenannte Kryptowährungen an, den etablierten Zahlungsmitteln Paroli zu bieten. Japan spielt bei der Verbreitung dieser neuen Währungen eine aktive Rolle. Der Gründer von Bitcoin trägt dabei einen japanischen Namen.

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Die Internet-Währung Bitcoin ist auf dem Vormarsch auch und besonders in Japan.

Die Finanzwelt reagiert eher unsicher auf die schrittweise Eroberung des Geldmarktes durch die neuen Internet-Währungen, sogenannte Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Co. Sie sind Zahlungsmittel, die im Internet gehandelt werden und mit denen direkte Zahlungen ohne eine Bank möglich sind. Anders als herkömmliche Länderwährungen werden sie nicht von einer Zentralbank ausgegeben und kontrolliert. Beim Handel wird jede Bewegung digital gespeichert bzw. in einem Ordner, einer virtuellen Geldbörse oder auch Wallet genannt, gespeichert. Inzwischen gibt es weltweit rund 1.200 Kryptowährungen. Die bekannteste ist ohne Zweifel der Bitcoin.

Im vergangenen Jahr hat der Bitcoin zu einem Gipfelsturm angelegt. Der Kurs sauste von rund 1.000 US$ je Bitcoin im Dezember 2017 auf zeitweise über 19.000 US$ in die Höhe. Aktuell (Juni 2018) hat er sich bei gut 6.000 US$ gefangen. Doch die extremen Schwankungen locken längst nicht nur Computerfreaks oder professionelle Investoren sondern auch unerfahrene Privatanleger. Immer mehr Menschen sind heiß auf das neue Internetgeld – auch wenn gerade nach der Rallye im Dezember 2017 Stimmen immer lauter warnen, die Blase könnte platzen und es gebe eine harte Landung.

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Der Bitcoin-US-Dollar-Kurs hat in der jüngsten Vergangenheit ein Kursfeuerwerk entzündet. Kritische Stimmen warnen vor dem Blatzen einer Blase. (c) Ster3oPro / CC BY-SA 4.0

Japan spielt in diesem Spiel eine zentrale Rolle. Der Gründer von Bitcoin ist der Legende nach ein Japaner: Satoshi Nakamoto soll er heißen – ein eher geläufiger Name à la Hansi Müller. Doch wer hinter diesem Pseudonym wirklich steht, ist bis heute unklar. Es werden Namen wie Dorian Nakamoto, Craig Steven Wright oder auch Elon Musk, der Tesla-Pionier, genannt. Sicher ist nur: 2009, also kurz nach der Bankenkrise, hat Nakamoto die Bitcoins ins Leben gerufen. 2015 wurde Satoshi Nakamoto für den Nobelpreis für Wirtschaft vorgeschlagen. Das Problem: Der Preis wird nur an klar identifizierbare Personen verliehen.

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Japan war lange Zeit der größte Handelsplatz der Währung. 2010 übernahm die Aktiengesellschaft Mt. Gox KK den Bitcoin-Handel und baute ihn sukzessive aus. Bis in den Sommer 2013 wickelte Mt. Gox rund 60 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens ab. Im Februar 2014 kollabierte die Börse jedoch. Die Gesellschaft musste Insolvenz anmelden. Dennoch kippte die Stimmung in Japan nicht. Banken und Aufseher machten sich daran, die Fehler zu analysieren. Seit Herbst 2017 gelten Mindestbedingungen für die neuen Währungen, die von der japanischen Finanzaufsicht überwacht werden, und seit April 2017 sind Kryptowährungen zudem als Zahlungsmittel zugelassen. Zahlreiche Einzelhändler akzeptieren an ihren Kassen tatsächlich Bitcoin und Co. Umfangreiche Informationen zu Bitcoins wie auch Geschäfte, die in Japan Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, sind auf der Seite www.jpbitcoin.com gelistet.

Die japanische Investmentbank Nomura bestätigte Anfang 2018, dass mehr als 40 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels in japanischen Yen abgewickelt werden, weitere 37 Prozent in US-Dollar und gerade einmal 5 Prozent in Euro. Volkswirtschaftler berechnen, dass die von Japanern gehaltenen Werte zu Gewinnen führen, die den heimischen privaten Konsum befeuern und so das Bruttoinlandsprodukt deutlich anschieben könnten. Voraussetzung wäre aber, dass die Japaner die gemachten Gewinne auch realisierten, also ihre Bitcoin-Gewinne in „analoges“ Geld tauschen. Da die Finanzbehörden jedoch klar geäußert haben, dass solche Bitcoin-Gewinne zu versteuern seien, werden viele wohl investiert bleiben.

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Die Bereitstellung von Bargeld kostet Japans Banken viel Geld. Künftig könnten digitale J-Coins das Bargeld ersetzen.

Der Run auf Kryptowährungen hat auch eine politische Komponente: Derzeit hat China seine Nase vorn. Bei Japans größtem Nachbarn gibt es nicht nur weltweit die meisten Privatleute und Investoren, die ihr Geld in Bitcoins anlegen. Auch die meisten Miner, das sind jene, die die Internet-Währungen transferieren und die hierfür benötigten Rechenleistungen bereitstellen, sitzen zu einem Großteil in China.

Um China nicht allein das Feld zu überlassen, wird Japan im Spiel auch künftig eine entscheidende Rolle spielen. So will die Finanzgruppe Mizuho gemeinsam mit der japanischen Postbank und weiteren Regionalbanken eine eigene Digitalwährung auflegen, die das Bargeld ersetzen soll. Bis zu den Olympischen Spielen 2020 sollen die Menschen landesweit den J-Coin nutzen und über das Smartphone abrechnen können. Ein J-Coin soll dann einem Yen entsprechen und durch seinen Einsatz das Bargeld sukzessive ablösen. Das wiederum wird die Transaktionskosten der Banken senken, für die der Bargeldumlauf kostspielig ist. Ein weiteres Ziel: Mit den J-Coins soll auch dem Vormarsch der chinesischen Online-Währung Alipay oder der US-amerikanischen Apple Pay Paroli geboten werden. Um auch Kleinanleger an die neuen digitalen Währungen heranzuführen, macht die Girlsband Kasō tsūka shōjo (仮想通貨少女, etwa: Mädchen für Kryptowährung) kräftig Werbung für die neuen Währungen. Mit kurzer Uniform, langen Strümpfen und Masken tingeln sie mit ihrer Promotion-Tour über Japans Bühnen. Merchandising-Produkte können die Fans dabei nur in virtuellen Währungen zahlen.

In Japan wirbt sogar eine Girlband für Kryptowährungen. Mit ihren Texten sollen sie das Wissen um die Vorteile der neuen Zahlungsmittel erweitern.

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