Abe teisei denden
Der "teisei denden"-Zwischenfall. (c) Kreml

NEWS | “Denden”-Zwischenfall: Premier Abes peinlicher Versprecher

Hannah Janz

Premierminister Abe verspricht sich bei Rede im Parlament +++ "teisei denden"-Versprecher wird Trendthema auf Twitter Japan +++ Grund für Versprecher noch ungeklärt

Wer Japanisch lernt, weiß: Grammatik und Aussprache sind nicht das Problem – Wären da nur nicht diese verdammten Kanji mit ihren vielen verschiedenen Lesungen. Auch als Muttersprachler ist man vor den Tücken der Schriftzeichen nicht gefeit, wie Japans Premierminister Abe Shinzō kürzlich während einer Unterhaussitzung bewies.

Im Streitgespräch mit der Parteivorsitzenden der Demokratischen Partei Renhō rutschte Premier Abe eine Kanji-Lesung über die Lippen, die so nicht existiert.

Abe: Vor lauter Rhetorik die Kanji-Lesung nicht mehr sehen

Alles begann damit, dass der Premierminister die Opposition kritisierte, sich bei Parlamentssitzungen ungebührlich betragen zu haben. Gegenstand der Kritik des Premiers und Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei waren Spruchbanner mit Regierungskritik, die Abgeordnete der DP hochgehalten hatten.

Die DP-Vorsitzende Renhō erklärte, auch die LDP hätte während ihrer kurzen Phase in der Opposition Schilder mit ins Parlament gebracht – nur um von Abe mit dem Kommentar abgekanzelt zu werden, dass er nie die Demokratische Partei direkt angegriffen, Renhō mit ihrem Kommentar dafür aber das Fehlverhalten der DP eingestanden habe.

Ganz so schlagfertig wie gewünscht geriet Abes Antwort aber nicht. Im nächsten Satz versprach sich der Premier sinngemäß: „Ihr Hinweis ist völlig irrelevant, dass wir eine Verbesserung blabla.“

[Video: Premier Abe verspricht sich im Unterhaus.]

Keine Kanji-Gnade: Häme auf Twitter

Auf Japanisch (訂正でんでんというご指摘は全く当たりません) verwendete Abe das Wort denden – das aber keine Bedeutung hat. Allerhöchstens wird es im Zusammenhang denden-mushi でんでんむし benutzt, um Schnecken mit Haus zu bezeichnen.

Nun rätselt die Social Media-Gemeinde fleißig, was der Premierminister mit „teisei denden“ gemeint haben könnte. #teiseidenden #訂正でんでん schaffte es so zeitweilig unter die Top Ten der meistgebrauchten Hashtags beim japanischen Twitter.

Am wahrscheinlichsten ist, dass Abe die Kanji für unnun 云々 falsch ausgesprochen hat. Unnun bedeutet soviel wie „ob… oder ob nicht“, hätte im obigen Kontext also Sinn ergeben: „Ihr Hinweis ist völlig irrelevant, ob wir eine Verbesserung brauchen oder nicht.“ Wahrscheinlich verwechselte Abe 云々 mit 伝々, das man denden lesen könnte.

Spekulationen mit Augenzwinkern

Vielleicht, aber auch nur ganz vielleicht sprach Abe aber wirklich von „Verbesserungs-Schnecken“ – schließlich wurde die Regierung auf den Plakaten der DP dafür kritisiert, in den letzten Monaten Gesetze im Eilverfahren durch das Parlament gejagt zu haben. Wie jeder Japanischlernende weiß, muss man sich für die Kanji-Lesungen eben Zeit nehmen.

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